• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Wer soll den ganzen Spargel ernten?

17.04.2019

Weser-Ems Bereits jetzt sieht man auf ausladenden Feldern nicht mehr nur Spargeldämme, die von weißen und schwarzen Folien überzogen sind: Die Tristesse der Flächen wird durch tief gebückt arbeitende Menschen durchbrochen, die mit kleinen Schiebewagen und Stechmessern den Spargel stechen: Die Spargelsaison ist angelaufen, auch in Niedersachsen. Die gut 350 Spargelanbauer im Land – darunter viele im Nordwesten – hoffen auf ein besseres Jahr. In der vergangenen Saison hatte das andauernd heiße und trockene Wetter für Ernte-Verluste gesorgt.

Und 2019? Spargelbauern wünschen sich nicht nur eine weniger wetterintensive Zeit, sie hoffen auch auf eine einfachere Suche nach verfügbaren Arbeitskräften, wie Recherchen unserer Zeitung ergaben. Diese Suche entwickelt sich seit einigen Jahren zu einem immer größer werdenden Problem für die Landwirte.

Laut Dr. Matthias Heyder, Fachbereichsleiter bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg), könnte sich „die Verfügbarkeit von Arbeitskräften zukünftig sogar zu einem Faktor entwickeln, der das betriebliche Wachstum hemmt“. Konkret: Es wird weniger produziert, als es sonst möglich wäre. Neben den fehlenden Saisonkräften in der Weser-Ems-Region sei auch der Mangel an Fachkräften und Spezialisten zu einem echten Problem geworden, erklärt Heyder.

Das Fehlen von Saisonarbeitern lässt sich auf verschiedene Aspekte zurückführen. Auch die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in den Herkunftsländern spielt eine wichtige Rolle.

Polen und Rumänien vorn

Hauptherkunftsländer sind Polen und Rumänien, aber auch aus Bulgarien sowie Litauen und Lettland kommen Arbeiter nach Deutschland. Durch die Stabilisierung der guten wirtschaftlichen Lage Polens habe die Zahl der polnischen Arbeiter jedoch abgenommen und mehr Rumänen seien nach Deutschland gekommen, sind sich Heyder und Mariya Krumova, Beraterin bei der Beratungsstelle für Mobile Beschäftigte in Oldenburg, einig. Krumova hat außerdem beobachtet, dass die weniger gewordenen polnischen Arbeitskräfte in den vergangenen Jahren dann häufig schon als Vorarbeiter bei der Ernte tätig waren.

Fred Eickhorst, Geschäftsführer und Vorstandssprecher der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, spricht von einem allgemeinen Problem. Der Arbeitskräftemangel beziehe sich nicht nur auf die Spargelernte, sondern könne branchenübergreifend beobachtet werden. Beispielsweise in der Pflege oder zahlreichen anderen Berufsfeldern erweise sich die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften als immer ernster werdendes Problem.

Um für mehrere Wochen der Heimat und der Familie den Rücken zu kehren, „müssen die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten aus Sicht der Saisonkräfte attraktiv sein“, sagt Heyder.

Bessere Bedingungen

Viele Betriebe der Region arbeiten bereits daran, so Eickhorst, dem nachzukommen. Sie versuchen dabei nicht nur die Stellen intensiver zu bewerben, sondern auch die Arbeitsbedingungen durch Erntehilfen zu verbessern. Und auch zusätzliche Vergünstigungen, wie Fahrten zur Kirche und in die Heimat oder zum Einkaufen, tragen zu einem attraktiveren Arbeitsumfeld bei. Darüber hinaus sei auch das Bereitstellen von angemessenen Unterkünften unabdingbar, hieß es.

Krumova findet zudem die Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestlohns sehr wichtig. Und auch Thomas Hentschel, Geschäftsführer des Peco-Instituts in Berlin, äußerte sich im vergangenen Jahr gegenüber Zeit Online kritisch über die Bezahlung von Saisonarbeitern. Dennoch ist er sich aber auch sicher, dass viele Betriebe ihren Saisonarbeitern umstandslos das zahlen, was ihnen zusteht. Das widerlege die Behauptung, es ginge nicht ohne „Trickserei und Lohndumping“, so Hentschel.

Gestiegener Mindestlohn

Tatsächlich ist das Zahlen des Mindestlohns für viele Betriebe zwar selbstverständlich, aber keine Leichtigkeit.

So erzählte kürzlich etwa Liane Wempe gegenüber der NWZ-Redaktion Ganderkesee, dass der aktuelle Mindestlohn von 9,19 Euro dem Hof Wempe zu schaffen mache. Er schlage auch auf den Preis des Gemüses durch, wodurch der Spargel dieses Jahr für 30 Cent mehr als im vergangenen Jahr verkauft werden müsse.

Verbandssprecher Fred Eickhorst bestätigt, dass sich der Preis des Spargels zu 50 Prozent über den Lohn definiert. Deshalb sei es selbstverständlich, dass dieser den Spargelpreis beeinflusse. Trotzdem bilde sich der Spargelpreis auch stark durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Aus diesem Grund seien auch die geerntete Menge sowie das Interesse der Konsumenten am Produkt für die Preisbildung maßgeblich.

Kann die Spargelsaison 2019 also vielleicht für alle Beteiligten erfolgreich werden, mit einer niedersächsischen Erntemenge von mehr als den 27 500 (zuvor 30 000) Tonnen des Vorjahres? Zumindest das Wetter scheint es ja jetzt schon mal gut zu meinen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.