Oldenburg - Das Weser-Ems-Gebiet entwickelt sich bei wichtigen Indikatoren deutlich besser als Niedersachsen oder das Bundesgebiet. Als Investitionsstandorte sind hier nicht nur die Oberzentren interessant, sondern auch die Landkreise und Mittelzentren. Das wurde am Mittwoch bei der Tagung „Zukunftsregion Weser-Ems: Volle Kraft voraus – Viel Raum für Immobilienprojekte mit Zukunft“ in Oldenburg deutlich.
Die Entwicklung in Weser-Ems sei geradezu „einmalig“. Hier sei es gelungen, das Wirtschaftswachstum konstant im Verhältnis 1: 1 auch in Arbeitsplätze umzusetzen, sagte Regionalforscher Dr. Olaf Arndt vom Prognos-Institut aus Bremen bei der Veranstaltung der Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems mit der DG Hyp und Heuer Dialog. Das gebe es in keiner anderen Region.
Günstiger Branchenmix
Ein Grund für das günstige Abschneiden des Nordwestens sei seine Branchenstruktur etwa mit Nahrungsmitteln oder auch einem starken Handwerk. Anderenorts werde Wirtschaftswachstum vorrangig „mit Maschinen“ statt mit zusätzlichen Mitarbeitern erzeugt. Erst kürzlich hatte – wie berichtet – die IHK allein für das Oldenburger Land eine Zunahme von 50 000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen seit 2005 errechnet.
Ein Pluspunkt von Weser-Ems sei auch die stabile Bevölkerungsentwicklung, so Arndt. Zudem entstünden hier Arbeitsplätze nicht nur in den Städten, sondern auch im ländlichen Raum. Das Spektrum der Arbeitsplätze sei mittlerweile so gut entwickelt, dass Talente animiert würden, „hier zu bleiben“ statt woanders hinzuziehen. Arndt: „Die Region schafft es, Arbeitskräfte zu binden.“
Der Prognos-Forscher wies allerdings auch darauf hin, dass im Weser-Ems-Gebiet „Zweiteilungen“ bei der Entwicklung erkennbar seien. Teilregionen wie Delmenhorst, Wilhelmshaven und die Wesermarsch böten mit ihren Sozialstrukturen „Herausforderungen“.
Auch Dr. Georg Reutter, Vorstandsvorsitzender des Immobilienfinanzierers DG Hyp, pries das überdurchschnittliche Wirtschafts-, Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum im Weser-Ems-Gebiet. Standorte in der Region gewännen „bei Investoren an Bedeutung“. Keineswegs drängten sie nur in die Städte. Der Trend sei eher: „Ich bleibe auf dem Land.“ Die Bedingungen für Investoren seien angesichts niedriger Leerstände und steigender Mieten günstig. Die durchschnittliche Wohnungsmiete in Weser-Ems gab Reutter mit 5,20 Euro (Bestand) und 6,10 m² pro Euro (Neubau) an. „Man hat bezahlbare Mieten. Das ist wichtig für die Arbeitskräfte-Generierung.“
Auch Dr. Jan Röttgers, Geschäftsführer beim Einkaufszentren-Entwickler ECE (u.a. „Schlosshöfe“ Oldenburg) wies auf die Chancen in Weser-Ems abseits der Oberzentren hin. Investoren im Einzelhandel müssten sich „das Einzugsgebiet anschauen“, außerdem die Verfügbarkeit von „A-Lagen“ sowie die städtebaulichen Integrationsmöglichkeiten für ihr Projekt. Viele Mittelzentren hätten „erhebliches Potenzial“, das nicht überall bereits genutzt werde.
Abfuhr in Leer
Röttgers nannte als Beispiel für „extremes Potenzial“ Leer. Die nahesten Oberzentren Oldenburg und Groningen seien „weit genug weg“. Im Einzugsgebiet lebten 270 000 Menschen, mit einer „Potenzialreserve in Holland“. Leider seien die ECE-Pläne („Mühlen-Quartier“, Fläche 14 000 Quadratmeter) dort politisch nicht durchsetzbar gewesen. Die vorgegebene Grenze von 8000 Quadratmetern Fläche sei „zu klein“.
Felix Arnold (Gewos-Institut/Hamburg), wies auf einen starken Wohnungsbedarf in der Region durch die steigende Zahl der Haushalte hin. Dies gelte besonders für die Stadt Oldenburg sowie die Kreise Cloppenburg und Vechta (Zunahme um mehr als 7,5 Prozent). In anderen Teilregionen (wie Wilhelmshaven und Wesermarsch) schrumpfe die Haushaltszahl. Doch auch hier müsse qualitativ investiert werden.
Bei der Tagung gab es fast 20 Vorträge von Experten, darunter Bunte-Chef Manfred Wendt (Papenburg), IHK-Geschäftsführer Björn Schaeper und Gründungsexpertin Dr. Heike Hölzner (An-Institut EFNW der Uni in Oldenburg).
