• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

17 Vorwürfe und ein „Alarm“-Knopf

23.02.2017

Oldenburg /Frankfurt Oldenburg, Amalienstraße, kurz vor 16 Uhr. Die letzten noch fehlenden Mitglieder des EWE-Aufsichtsrats fahren in schwarzen Karossen vor, klingeln an der Tür zum Gebäude der EWE-Akademie. Sie müssen in diesen Tagen genau hinschauen: Gleich neben der Klingel befindet sich der „Alarm“-Knopf.

Dunkle Wolken tief über der Stadt. Auch die Sitzungsteilnehmer halten sich bedeckt. Was sie von der Sitzung erwarten: „Eine ganze Menge“ oder „Kann man nicht sagen“. Peter Meiwald von den Grünen sagt, was wohl viele denken: „Erst einmal, dass wir zur Sachlichkeit zurückkehren.“

Alle Berichte zur EWE-Krise im NWZ-Spezial

Aber Sachlichkeit – das fällt in diesen Tagen vielen schwer. Zu viel ist passiert, seit die Enthüllungen um die von EWE-Chef Matthias Brückmann veranlasste Klitschko-Spende in der Zeitung standen. Immer wieder neue interne Dokumente tauchen in den Redaktionen auf, mal sprechen sie für Brückmann, mal gegen ihn. Vor allem aber sprechen sie dafür, dass es längst nicht mehr um eine 253 000-Euro-Spende geht. Es geht um die Frage: Will hier ein piefiger Regionalversorger einen zu global denkenden Top-Manager loswerden? Oder zieht das wichtigste Unternehmen im Nordwesten vielmehr die Notbremse, um sich von einem rücksichtslos handelnden Chef zu befreien, der sich nicht um Unternehmensregeln schert?

Vielleicht lässt sich das Problem, das viele Mitarbeiter in der EWE mit Brückmann haben, gut an Punkt 12 auf einer Liste von mittlerweile 17 Vorwürfen beleuchten, die Matthias Brückmann angelastet werden. Demnach soll der Manager, wie jetzt der NDR berichtete, 2015 den Auftrag für ein EWE-Werbevideo eigenmächtig und ohne Ausschreibung an einen Oldenburger Bekannten vergeben haben – zum stolzen Festpreis von 250 000 Euro. Das knapp drei Minuten kurze Video, das die „neue“ EWE vorstellt, ist bei Youtube zu sehen.

Nach NWZ-Informationen soll Herr D., angeblich ein persönlicher Freund Brückmanns, mit dem EWE-Chef die Idee ausgeheckt haben, den Konzern moderner zu präsentieren, nämlich mit bewegten Bildern. Brückmann beauftragt die EWE-Kommunikationsabteilung, mit D. die Details auszuarbeiten.

Aber der Plan verursacht einigen Mitarbeitern offenbar Bauchschmerzen. Von D., dem angeblichen Experten für moderne Kommunikation, ist kaum etwas im Internet zu finden; nicht einmal eine eigene Homepage scheint es zu geben. Hinweise auf Film-Erfahrung gibt es auch keine. Und überhaupt: Ist eine Viertelmillion Euro nicht eine sehr stolze Summe für solch einen Kurzfilm?

Man weist den Chef schriftlich auf die Zweifel hin – und vor allem darauf, dass bei solch einer Summe mehrere Angebote einzuholen seien. Kurze schriftliche Antwort von Brückmann: Er habe den Auftrag bereits zugesagt.

Am Telefon in Frankfurt am Main lacht Rechtsanwalt Dr. Bernd-Wilhelm Schmitz erst einmal laut und kräftig, wenn man ihn auf den Vorgang anspricht. „Das ist ja fast schon absurdes Theater, was da in Kreisen der EWE gespielt wird“, sagt er dann. Schmitz, der Matthias Brückmann vertritt, erklärt: Herr Brückmann habe die Verhandlungen mit Herrn D. an die zuständige Fachabteilung weitergegeben. Am Ende dieses Prozesses habe ein „fix und fertiger Vertrag“ gestanden.

Für Schmitz sind die öffentlich erhobenen Vorwürfe „Rufschädigung“ – gegen einen Manager, „der gern weitermachen würde bei EWE“. Rechtlich sei Brückmann nichts vorzuwerfen, sagt der Anwalt. Er verweist auf das Ergebnis eines Rechtsgutachtens zur Klitschko-Spende, das Brückmann erstellen lassen hat. Noch während der Aufsichtsrat tagt, erklärt Schmitz deshalb: „Wenn der Aufsichtsrat die Entscheidung trifft, Herrn Brückmann zu entlassen, werden wir selbstverständlich dagegen klagen.“

Doch zu diesem Zeitpunkt dringt aus dem Haus an der Brückenzufahrt zur Amalienbrücke noch gar nichts. Wie schon seit Stunden. Alles spricht für eine Marathonsitzung. Die Oldenburger Firma Meerpohl fährt mit Cateringfahrzeug vor. Draußen warten Journalisten, allein der NDR ist mit vier Autos vor Ort.

Anmerkung der Redaktion: Beim genannten Herrn D. handelt es sich nicht um Ulf Duda, Fotograf der EWE-Baskets.


Das EWE-Werbevideo unter   http://bit.ly/2l0nria 
Alle Texte zur Spendenaffäre:   www.nwzonline.de/ewe-krise 
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

Weitere Nachrichten:

NDR | EWE | Meerpohl

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.