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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Karpfenernte ist Knochenarbeit

10.10.2018

Ahlhorn /Emstek Bis fast zur Hüfte stehen die Männer der Teichwirtschaft Ahlhorn mit ihren Wathosen im kalten, schlammigen Wasser. Um sie herum wimmelt es von Karpfen, die erst nach und nach zappelnd im Zugnetz landen und dann in einem Tank weiter transportiert werden.

Teichwasser ablassen

Seit Kurzem läuft bei der Teichwirtschaft Ahlhorn das Abfischen – das wird jährlich im Herbst gemacht. Am Dienstagmorgen war Teich Nummer 31 dran – der hat normalerweise etwa 20 Hektar Fläche. „Nach dem heißen Sommer war er aber nur zur Hälfte gefüllt“, erklärt Fischwirtschaftsmeister Andre Albers.

Der Zulaufmönch wurde abgestellt, Frischwasser kam nicht mehr nach, und das kühle Nass floss innerhalb einer Woche in die Lethe soweit ab, dass die Mitarbeiter der Teichwirtschaft schnell und simpel an die Karpfen kommen. Nun plätschert das restliche Teichwasser nur noch durch die Abfischgrube, der tiefsten Stelle im Gewässer. Am Rand hat sich auf dem trockenen Boden schon grüner Bewuchs breit gemacht.

Entstanden durch Handarbeit – Verkauf in einem Hofladen

Die Teichwirtschaft gibt es schon sehr lange. Wo sich zuvor noch Heideflächen, Moore und Sanddünen befanden, entstanden im Jahr 1906 durch Handarbeit Teiche und Grabensysteme. Die Teichwirtschaft Ahlhorn ist die einzige in Niedersachsen, die sich in öffentlicher Hand befindet. Heute ist sie Betriebsteil des Forstamtes Ahlhorn. Seit 1993 gibt es das 485 Hektar große Naturschutzgebiet „Ahlhorner Fischteiche“.

In einem Hofladen werden ganzjährig frisch geschlachtete oder geräucherte Forelle sowie Aal und im Herbst beziehungsweise Winter auch Karpfen und andere Fische verkauft.

In über 40 Karpfenteichen mit fast 120 Hektar Wasserfläche werden als Besatzfische Karpfen, Schleien, Hechte, Zander und Weißfische aufgezogen. Aber auch Speisefische werden hier gezüchtet.

Knochenarbeit ist es aber so oder so. Denn die Karpfen ziehen die Männer per Hand mit einem Zugnetz an den Rand und befördern sie dann mit Kescher und Schwung in den Transportbehälter. Gut zweieinhalb Kilo wiegt ein Karpfen aus Teich 31 im Durchschnitt, schätzt Andre Albers – „das ist ein sehr guter Wert.“ Ganze vier Tonnen Karpfen werden die Männer an diesem Tag herausholen.

Am Vortag haben sie bereits die anderen Fischarten wie Hecht oder Barsch abgefischt – die passen durch die dafür vorgesehenen Gitter und schwimmen auf der anderen Seite des Ablaufs auf ein Holzgitter. „Sonst kriegen die Karpfen in der Abfischgrube zu viele Schläge“, erklärt Albers. Die Karpfen selbst landen nach dem Abfischen in den sogenannten Hälterteichen oder in der Hälterhalle. Dort werden sie „geparkt“, bis sie verkauft werden.

Das Ablassen der Teiche muss sein: Die Teiche sind generell Sommerteiche, sagt der Fischwirtschaftsmeister. Im Winter kann sich der Boden erholen, mineralisieren, und im trockenen Zustand kommt besser Sauerstoff an die Erde. Das hält den Boden fruchtbar.

Die Karpfen aus Teich 31 sind etwa drei bis vier Jahre alt und sollen als Speisefisch verkauft werden. Um die Tiere nicht zu viel zu stressen, werden sie möglichst wenig angepackt. Früher wurden sie vor dem Abtransport gewogen, das wird heute nicht mehr gemacht – sondern einfach gezählt. Das Gewicht können die erfahrenen Mitarbeiter gut schätzen. Zwischen 700 und 1000 Kilo Karpfen werden pro Tank gefahren.

Grätenfreies Filet

Dass der Karpfen den Ruf vom modrig schmeckenden Tümpelfisch weg hat, kann der Fischwirtschaftsmeister nicht verstehen: „Der Karpfen ist schon sehr schmackhaft“, sagt Albers. Was der Fachmann „moseln“ nennt, das machen auch andere Fischarten. Der modrige Geschmack hänge mit Gewässern, Jahreszeit oder auch Algen zusammen. Auch Indoor-Fische könnten so schmecken, betont Albers. „Wenn das Wasser kälter wird, geht auch der Geschmack weg.“ Auch fließendes Wasser, wie in der Abfischgrube oder im Hälterteich, ist förderlich. Karpfen ist eben ein Saisonfisch.

Hier im Norden sei der Karpfen als Speisefisch nicht so beliebt, in Bayern sei das ganz anders, meint Albers. „Da ist es ein echter Traditionsfisch“, sagt Albers. Die Norddeutschen essen da lieber Lachsforelle oder Zander. Doch auch den Karpfen könne man ganz einfach und lecker in der Pfanne anbraten oder geräuchert in Stücken genießen. Gerne genommen wird bei der Teichwirtschaft das unkomplizierte, grätenfreie Karpfenfilet, das man im Hofladen kaufen kann.

Aber der Großteil der Ahlhorner Karpfen landet nicht in Topf oder Pfanne. „Das meiste, was wir abfischen, ist Besatzfisch“, weiß Andre Albers. Der wird dann im gesamten Umkreis an Angelsport- und Fischereivereine verkauft.

Das Abfischen bestaunten am Dienstagmorgen auch zahlreiche Kinder und Erwachsene, die sich das Treiben mit einer Gästeführerin ansahen. Fünf Teiche hat das Team von Fischwirtschaftsmeister Andre Albers schon geschafft. Bis Mitte November wird abgefischt.

Der heiße Sommer hat den Karpfen übrigens keine Pro-bleme bereitet. „Karpfen sind sehr wärmeliebend“, sagt der Fachmann. Außerdem gab es reichlich Futter.

Tonia Hysky
Redakteurin
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2154

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