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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Anklage gerät ins Wanken

24.08.2016

Bremen /Oldenburg Seine Verteidiger sagen es schon länger, er selbst wird nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen – jetzt schließt sich auch die Große Wirtschaftskammer des Bremer Landgerichts an. Das Gericht sieht Teile der Anklage gegen den ehemaligen Chef der Bremer Beluga-Reederei, Niels Stolberg, als entkräftet an.

Die Vorsitzende Richterin Monika Schaefer teilte am Dienstag im Verfahren um den Zusammenbruch der Beluga-Reederei mit, dass die Kammer ihre entsprechende vorläufige Einschätzung den Verteidigern und der Staatsanwaltschaft mitgeteilt habe. In einem vertraulichen Rechtsgespräch hatten die am Verfahren beteiligten Juristen über den Fortgang des Prozesses diskutiert und sich über die Frage ausgetauscht, ob noch weitere Zeugen vernommen werden müssen.

Im Zuge dieses Gesprächs teilten die drei Berufsrichter den Anwälten mit, dass für die Kammer unter anderem der Vorwurf vom Tisch sei, Stolberg habe einen Hamburger Reeder um insgesamt zehn Millionen Dollar betrogen.

In dem Gespräch ging es ausdrücklich nicht um einen wie auch immer gearteten Deal, bei dem ein schnelles Prozessende angestrebt und dem Angeklagten eine milde Strafobergrenze in Aussicht gestellt wird. Dennoch gibt es erhebliche Auswirkungen auf das Verfahren: Insgesamt vier vorgesehene Verhandlungstermine wurden gestrichen.

Die eingesparte Zeit haben insbesondere die ehrenamtlichen Schöffen zu nutzen, um umfangreiches Aktenmaterial aus den Gerichtsunterlagen zu sichten. Darunter beispielsweise zahlreiche Vernehmungsprotokolle von Angeklagten und Zeugen, die bei der Urteilsfindung eine Rolle spielen könnten. Da die Schöffen das Verfahren unbefangen begleiten sollen und deshalb keine Akteneinsicht haben, müssten diese Unterlagen in den Prozess eingebracht, das heißt vorgelesen, werden. Dies könnte nach Ansicht der Vorsitzenden Richterin mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Um diesen Aufwand deutlich zu verringern, ordnete das Gericht ein sogenanntes „Selbstleseverfahren“ an, das die Prozessbeteiligten verpflichtet, die entsprechenden Unterlagen zur Kenntnis zu nehmen.

Mit der aktuellen Entwicklung ist der inzwischen in Oldenburg lebende Stolberg seinem Prozessziel auf jeden Fall ein Stück näher gekommen. Der Ex-Reeder versucht, mit seinen Anwälten ein Urteil zu erreichen, das zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Das ist bei Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren möglich.

Stolberg und drei weitere Beluga-Manager müssen sich seit Januar vor Gericht verantworten. Die Anklage wirft ihnen im Zusammenbruch mit dem Zusammenbruch der Beluga-Reederei im Jahr 2011 Kreditbetrug, Bilanzfälschung, Untreue und Betrug vor. Stolberg selbst hatte immer einen Teil der Vorwürfe zugegeben, einen Großteil der Anklagepunkte aber zurückgewiesen.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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Beluga | Staatsanwaltschaft

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