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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Anklage: Stolberg frisierte Auftragsbücher

23.04.2013

Oldenburg /Bremen Mit Scheinumsätzen in zweistelliger Millionenhöhe und gefälschten Frachtaufträgen soll Niels Stolberg vor dem Einstieg des US-Finanzinvestors Oaktree die Geschäftszahlen seiner Beluga-Reederei frisiert haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft Bremen am Montag zur Begründung der zweiten Anklage gegen Stolberg mit (die NWZ  berichtete). Neben Firmengründer Stolberg müssen sich zwei weitere Beluga-Verantwortliche vor Gericht verantworten.

Die Beschuldigten hätten den Auftragsbestand für das Jahr 2010 um mindestens 189 Millionen US-Dollar (145 Mio. Euro) und für 2011 um mindestens 316 Millionen Dollar (245 Mio. Euro) überhöht dargestellt, sagte Behördensprecher Frank Passade. Oaktree habe sich daraufhin mit Darlehen in Höhe von 188 Millionen Euro an Beluga beteiligt.

Angeklagt werden die Beluga-Verantwortlichen nun wegen Bilanzfälschung und Kreditbetrugs. Eine Anklage wegen Betrugs im besonders schweren Fall sei wegen fehlender Schadensbezifferung derzeit nicht möglich, so Passade weiter, zu einem späteren Zeitpunkt aber denkbar.

Niels Stolberg wird zudem schwere Untreue in 14 Fällen vorgeworfen. Weil er Rechnungen ohne Gegenleistung bezahlt habe, sei Oaktree ein Schaden von 5,4 Millionen Euro entstanden, so Passade.

Als „nicht mehr nachvollziehbar“ bezeichnet die Verteidigung von Stolberg die Aussagen der Staatsanwaltschaft. „Fakt ist, dass die Staatsanwaltschaft nach zwei Jahren Ermittlungen keinen Schaden feststellen konnte“, heißt es in einer Erklärung der Kanzlei Feigen Graf (Frankfurt). Passades Überlegungen zu einer Anklage wegen schweren Betrugs mögen theoretisch zutreffen, sie gingen aber „in geradezu absurder Weise an der Praxis des Strafverfahrens vorbei“. Die Darstellung des Sprechers sei „einseitig und verzerrend“.

Ob der Vorwurf des Kreditbetrugs greife, sei ebenfalls fraglich, so Verteidiger Hanns W. Feigen: Der entsprechende Paragraf schütze nur inländische Kreditgeber – Oaktree sei aber über eine Luxemburger Tochterfirma bei Beluga eingestiegen. Zum Untreue-Vorwurf sagte ein Stolberg-Sprecher: „Wir gehen davon aus, dass ein tatsächlicher Schaden nicht eingetreten ist.“


Spezial zum Thema unter:   www.nwzonline.de/beluga-krise 
Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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