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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Auch Torsten Maus verzichtet auf Chefposten

20.06.2017

Oldenburg Der Oldenburger Energieversorger EWE steht bei der Kandidatensuche für seine Chefetage wieder ganz am Anfang: Nach Timo Poppe, der in der vergangenen Woche seinen Rückzug ankündigte, hat am Montag auch Torsten Maus seinen Verzicht auf einen Vorstandsposten erklärt. Der 54-jährige Maus (EWE Netz) und der 37-jährige Poppe (Stadtwerke Bremen) galten als Wunschkandidaten des Aufsichtsrat für den ausgedünnten EWE-Vorstand, der seit Monaten nur aus der vorgeschriebenen Mindestzahl von zwei Personen besteht. Vorgesehen sind eigentlich fünf Vorstände.

„Vor dem Hintergrund ernstzunehmender Vorwürfe gegen EWE Netz ist durch die Diskussion um meine Person sehr viel Unruhe entstanden“, sagte Maus. Diese Unruhe habe das Unternehmen stark belastet, so Maus weiter, „und nicht zuletzt natürlich auch mein persönliches Umfeld, meine Familie und mich“. Er stehe deshalb nicht für eine Aufgabe im Vorstand der EWE AG zur Verfügung.

Maus und Poppe wurden seit Monaten als Vorstandskandidaten gehandelt. Beide gelten als regional bestens vernetzt; Maus arbeitet seit 26 Jahren im Konzern, Poppe auch schon seit fast zwei Jahrzehnten. Nachdem Berichte über Korruptionsverdacht gegen einzelne Mitarbeiter bei EWE Netz und über Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Schichtzulagen bekannt wurden, gerieten auch Maus als Geschäftsführer und Poppe als EWE-Netz-Aufsichtsrat unter Beschuss.

Maus betonte am Montag, dass EWE allen Vorwürfen „vorbehaltlos und umfassend“ nachgehe. „Derzeit gibt es weder ein endgültige Ergebnis dieser Untersuchungen noch eine juristische Würdigung der Sachverhalte“, sagte er. Die trotzdem seit Monaten anhaltenden Spekulationen beschädigten das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Maus sagte, für ihn sei es „schwer auszuhalten“, alle 2000 EWE-Netz-Mitarbeiter unter einem Generalverdacht zu sehen.

Der Vorsitzende des EWE-Aufsichtsrats, Bernhard Bramlage, sagte auf Nachfrage, er respektiere die Entscheidung von Maus. „Es ist zu begrüßen, dass sich Herr Maus in dieser Situation hundertprozentig auf seine Aufgaben bei EWE Netz konzentriert“, so Bramlage weiter. Er kündigte ein „offenes Verfahren“ an zur Wiederbesetzung der offenen Vorstandsposten.

Nach Informationen der NWZ hat der EWE-Aufsichtsrat am Montag darüber diskutiert, ob der Vorstand künftig von fünf auf vier Köpfe verkleinert werden soll. Nach intensiver Beratung entschied das Gremium, es bei fünf Vorständen zu belassen. Die Personalberatungsfirma Egon Zehnder soll nun geeignete Kandidaten für die drei vakanten Stellen rekrutieren. In einem Interview im konzerneigenen Intranet warnte Bramlage die EWE-Mitarbeiter aber vor, dass die Suche „natürlich einige Monate dauern“ werde.

Der 9000 Mitarbeiter starke EWE-Konzern befindet sich seit Monaten in der Krise. Seit September 2016 hat das Unternehmen im Zuge verschiedener Affären und Unstimmigkeiten drei Vorstände verloren. Zuletzt musste im Februar Vorstandschef Matthias Brückmann gehen, weil er auf einer Gala in Kiew eigenmächtig eine 253.000-Euro-Spende an die Stiftung der Box-Brüder Klitschko zugesagt hatte.