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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Minibrauereien: Auf den Hopfen kommt es an

12.11.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-21T19:49:49Z 280 158

Minibrauereien:
Auf den Hopfen kommt es an

Bremen „Bier hat Seele“, glaubt Markus Freybler. Und die erhalte es vom Hopfen, mit dem es gebraut werde. Daher spart der Bremer Brauer auch nicht daran, wenn er seinen Gerstensaft zubereitet. „Bei manchen Fernsehbieren kostet der Kronkorken auf der Flasche mehr als der Hopfen in der Flasche“, beklagt der Schwabe, der seit 17 Jahren in Bremen lebt, lange bei Beck´s gearbeitet und sich vor etwa zwei Jahren selbstständig gemacht hat. Exotisch klingende Sorten wie Amarillo, Cascade und Simcoe kommen in sein „Indian Pale Ale“. Es schmeckt intensiv – und für viele Biertrinker erst einmal gewöhnungsbedürftig.

Freybler möchte der hansestädtischen Brautradition zu neuem Glanz verhelfen. Sein Vorhaben treibt der 52-Jährige mit Leidenschaft voran – und das, obwohl die Absatzzahlen für Bier seit Jahren sinken: Trank jeder Deutsche Anfang der 1990er Jahre noch rund 140 Liter, waren es laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr nur noch knapp 107 Liter. Auch wenn dem Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Getränketechnologie sein neues Aufgabengebiet „richtig viel Spaß“ macht, so ist das Geschäft nach Freyblers Worten „schwierig“. Eine Hürde stelle es insbesondere dar, „einen Fuß in die Bremer Vertriebsstrukturen zu bekommen“.

In der Region werden Zahlreiche Biersorten gebraut

Auf der Bremer Messe „Fisch & Feines“ vom kommenden Freitag, 14., bis Sonntag, 16. November, gibt es erstmals einen Schwerpunkt zu handwerklichem Bier. 17 Brauereien sind vertreten. Die Messe ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

In der Region gibt es zahlreiche weitere kleine Brauereien. Zu ihnen gehören etwa die Oldenburger OLs Brauerei GmbH und die Privatbrauerei Thomas Bannas in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg). In Varel (Kreis Friesland) gibt es das TIDE-Bier, in Jever das Marienbräu und in Vechta das Stierbräu.

Auch in Ostfriesland wird nicht nur Tee getrunken. Hier, genauer in Bagband (Gemeinde Großefehn/ Landkreis Aurich), gibt´s ein frisches Ostfriesen Bräu.

Dennoch gehört Markus Freybler mit seiner Bremer Braumanufaktur einer wachsenden Branche an: Es gibt immer mehr kleine Brauereien. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Statistische Bundesamt rund 1350, Mitte der 1990er Jahre waren es noch gut 1280.

Gut die Hälfte dieser Betriebe produziert allerdings weniger als 1000 Hektoliter pro Jahr. Mengenmäßig fallen die Mikrobrauereien also kaum ins Gewicht – und dennoch machen einige derzeit von sich reden. Weil sie sich, wie Freybler, dem „Craft Bier“ verschrieben haben.

Vor einigen Jahren schwappte der Trend bereits aus den USA über Skandinavien und Großbritannien ins Ursprungsland des Reinheitsgebots. Inzwischen hat das Produkt eine Nische besetzt. Geschützt ist der Begriff „Craft Bier“ nicht. Generell bedeutet er nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier. Inzwischen sammeln sich unter diesem Begriff aber vor allem Privatbrauereien, die Wert auf Regionalität, Experimentierfreude und Transparenz bei der Herstellung legen.

„Es sind vor allem junge, motivierte Brauer, die ein Bier abseits des Mainstreams kreieren wollen“, sagt Boris von Schaewen. Er unterrichtet am Schulzentrum Rübekamp in Bremen, Norddeutschlands einziger Berufsschule für Brauer und Mälzer. Er ist durchaus ein Fan der Bewegung. Schließlich setzt er selbst gern mit seinen Schülern einen Sud an, um ihnen daran die Kunst des Brauens nahezubringen. Um einen intensiven Geschmack zu kreieren, gehen die Hersteller ins Extrem, sagt er: Die Biere werden häufig „hochgehopft“ oder mit sehr stark gemälztem Getreide gebraut. Geschmackszusätze sind hingegen selten.

„Wir machen ein einfaches Bier. Qualitativ hochwertig, aber ohne Schnickschnack“, sagt Markus Freybler. Wie fast alle Craft-Brauer hält auch er sich an das Reinheitsgebot, das schon zu Zeiten Martin Luthers (1483-1546) nur wenige Zutaten im Bier erlaubte: Wasser, Hopfen und Malz. Später kam noch Hefe hinzu. Der Reformator selbst galt als ein leidenschaftlicher Biertrinker: „Gott selbst hat den Menschen im Getreide die beiden Grundformen der Nahrung gegeben, Brot und Bier. Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken“, soll er gesagt haben.

Aus Sicht des Deutschen Brauer-Bundes stellt das fast 500 Jahre alte Reinheitsgebot nicht nur die älteste und heute noch geltende Lebensmittelgesetzgebung der Welt dar. „Durch diese Rezeptur ist eine einzigartige Genusskultur entstanden, die ihresgleichen in der Welt sucht“, sagt Sprecher Marc-Oliver Huhnholz. Daher hat der Verband auch vorgeschlagen, es in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufzunehmen.

Aber nicht nur auf dem Papier, auch im Alltag soll das kulturelle Erbe lebendig bleiben. Pils, Porter, Export, Hefeweizen oder Ale – rund 100 unterschiedliche Sorten Bier ließen sich aus den vier Zutaten herstellen, sagt Berufsschullehrer Schaewen. Sie alle unterscheiden sich nach Farbe und Geschmack – je nachdem, aus welchem Getreide das Malz hergestellt oder welche Hefe verwendet wird. Um die Genussvielfalt zu beschreiben, sprechen Biersommeliers gern vom vollmundigen Körper und einer cremigen Struktur, fruchtigen und würzigen Aromen oder einem bitteren Abgang.

Die Entwicklung der Branche geht auch an den großen Brauereien nicht spurlos vorüber. Branchenkenner gehen davon aus, dass einige internationale Bierkonzerne bald in die Produktion von „Craft Bier“ einsteigen. Beim Verband wird die Entwicklung begrüßt. Sie sorge für „mehr Bewegung in den Markt“, sagt Huhnholz.

Den will Brauer Markus Freybler nun mit seinem „Ale No 2“ erobern. Es ist das vierte Bier seiner Marke „Hopfenfänger“. Eines ist bereits ausverkauft: Das Sommerbier gibt es erst wieder im nächsten Jahr.