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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Aus dem U-Boot in die Politik

17.04.2013

Bremen Reinhard Hardegen stutzt ein wenig. So, als hätte er mit der Frage überhaupt nicht gerechnet. „Wer mich versorgt? Selbstverständlich ich selbst.“ Er wohne hier allein in seinem schönen Haus, und es gehe ihm wunderbar. „Na ja“, fügt er dann hinzu, „das Mittagessen lasse ich mir halt bringen, aber fürs Frühstück und Abendessen sorge ich selbst.“ Und eine Putzhilfe gibt es außerdem, die ihn dabei unterstützt, das Haus in Ordnung zu halten.

Besondere Feier

Warum das Ganze erwähnenswert ist? Reinhard Hardegen, der als U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg Schlagzeilen machte und später in Bremen eine bemerkenswerte Karriere als Kaufmann und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft absolvierte, hat eine besondere Geburtstagsfeier hinter sich. Es ging um einen runden Geburtstag der ganz seltenen Art, denn Reinhard Hardegen ist inzwischen 100 Jahre alt – aber kein bisschen greisenhaft.

Pralles Leben

Der Seeoffizier Reinhard Hardegen wurde ein berühmter U-Boot-Kommandant, später Kaufmann und Politiker in Bremen

Als Rentner reiste er später an Süd- und Nordpol, umrundete Australien und bewältigte die Nordwest-Passage. Jetzt feierte er mit Familie und Freunden den 100. Geburtstag.

Wer ihn nicht kennt, mag das Alter zunächst nicht glauben, wenn er mit ihm ins Gespräch kommt. Lebhaft, präsent und immer wieder herzhaft lachend erzählt er von den unterschiedlichen vielen Leben, die er in den 100 Jahren genossen und manchmal auch erlitten hat. Immer wieder scheint der Haudegen durch, der er offenbar mal gewesen sein muss, aber auch eine gehörige Portion Mutterwitz und Schlagfertigkeit, gepaart mit starker Willenskraft.

Paukenschläger

1933, als er in Stralsund Seekadett auf der damals neuen „Gorch Fock“ wurde, hatte er bereits die ersten beiden Leben hinter sich, nämlich die Kindheit in der Familie und die Ausbildung auf der Zinzendorf Schule, dem Internat der für die christlichen Tageslosungen berühmten Herrnhuter Brudergemeine.

Das Leben als Seeoffizier begann nach der Kadettenzeit mit einer Ausbildung zum Marineflieger, bevor er später zum U-Boot-Fahrer ausgebildet wurde. Dabei kaschierte er, dass er formal nicht borddienstfähig war, weil das rechte Bein seit einem Flugzeugabsturz im Krieg etwas kürzer war. Als ihm später vorgeworfen wurde, er habe seine Vorgesetzten in der Frage belogen, antwortete er trocken: „Die haben nicht nach Borddienstfähigkeit gefragt, sondern wollten von mir nur wissen, ob ich zur See fahren könne.“

Schlagzeilen machte er als U-Boot-Kommandant bei einer „Paukenschlag“ genannten Operation in unmittelbarer Nähe von New York. Für den Einsatz gab es später das Ritterkreuz mit Eichenlaub und gefunktes Lob von Großadmiral Karl Dönitz: „An den Paukenschläger: Bravo! Gut gepaukt!“

Absoluter Wille

Nach dem Krieg begann das Leben des Zivilisten Reinhard Hardegen. Eine Fortsetzung der Marinelaufbahn kam für ihn nicht infrage, weil er wegen des kürzeren Beins auch in der neuen Marine hätte an Land bleiben müssen: „Und dann hätte ich womöglich Vorgesetzte gehabt, die selbst noch nicht auf See gewesen wären.“

Weil er das nicht wollte, schlug der Haudegen sich zunächst als Vertreter einer dänischen Farbenfirma durchs Leben – bis er feststellte, dass das richtige Geld von den anderen verdient wurde. Also kündigte er, um sich selbstständig zu machen. „Als mich meine Chefs erstaunt fragten, ob ich denn Geld zur Unternehmensgründung hätte, hab ich ihnen gesagt: Nein, aber den absoluten Willen, vorwärts zu kommen und etwas zu leisten.“

Es folgte das Leben des Kaufmanns Hardegen. Er baute einen Ölhandel auf. Schmieröl für Schiffe wurde für ihn zum wichtigen Betriebsstoff. Bis er 70 wurde. „Da hatte ich genug verdient und konnte die Firma aufgeben,“ erzählt Hardegen im Gespräch mit dieser Zeitung.

Parallel zu seiner Arbeit als Kaufmann gab es auch noch ein politisches Leben. In den 50er Jahren gehörte er zu den Mitbegründern der Bremer CDU. Damals war er von Freunden angesprochen worden, die der Meinung waren, man müsse etwas gegen die vielen Sozis in Bremen unternehmen. Die Folge: Von 1959 bis 1979 war er Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, zeitweise als stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender und einige Jahre als Schriftführer des Parlaments. Häfen, Schifffahrt und Verkehr waren seine Hauptthemen.

Abends ein Glas Wein

In den 80er Jahren gab es wieder einen Anfang für Reinhard Hardegen, diesmal begann das Leben als Ruheständler. Das Reisen geriet stärker als vorher in den Mittelpunkt. Wer jedoch glaubte, er werde jetzt mal die Welt umrunden, sah sich getäuscht. Seine Ziele waren viel anspruchsvoller: Australien wurde umrundet, Nord- und Südpol besucht, die Nordwestpassage absolviert. Gelegentlich gewann er auch noch Pokale beim Golf – und den Automatik-Mercedes steuert er selbstverständlich noch selbst.

Gemeinsam mit den in Deutschland verstreut lebenden Kindern und Enkeln, Freunden und politischen Weggefährten feierte er jetzt den Beginn des Lebens als Hundertjähriger – „und abends genieße ich ein Glas Wein“. Davon hat er jede Menge zum runden Geburtstag geschenkt bekommen.

Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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