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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Banker auf Zeugenstuhl statt am Konferenztisch

08.04.2016

Bremen /Oldenburg Ein wenig ist es wie vor zehn Jahren. Damals standen die Banken in Konkurrenz zueinander, wenn es darum ging, die zahlreichen Schiffsneubauten der Bremer Beluga-Reederei zu finanzieren. Anlässlich neuer Kreditabschlüsse ließen die Banker schon mal die Korken knallen und feierten mit Empfang und festlichem Essen.

Jetzt kommen die Vertreter der Banken alle wieder – nur diesmal nicht aus eigenem Antrieb und nicht ins feine Besprechungszimmer. Diesmal haben sie statt millionenschwerer Vertragsunterlagen eine richterliche Ladung in der Tasche und sitzen nicht am eleganten Konferenztisch, sondern auf dem Zeugenstuhl im Schwurgerichtssaal 231 des Bremer Landgerichts.

Bremer Landesbank, Nord LB, Commerzbank, Dresdner Bank, HSH Nordbank – es ist eine stattliche Liste von Bankmitarbeitern, die nun Woche für Woche vor der großen Wirtschaftsstrafkammer Auskunft geben in dem Prozess gegen den inzwischen in Oldenburg lebenden Ex-Reeder Niels Stolberg, der sich gemeinsam mit drei weiteren Beluga-Managern in einem riesigen Verfahren für den Zusammenbruch der Reederei im Jahr 2011 verantworten muss. Lang ist auch die Liste der Vorwürfe, die von der Staatsanwaltschaft vorgelegt wurde. Kreditbetrug, Bilanzfälschung, Untreue und Betrug – die Anklageschrift ist 800 Seiten lang, allein das Verlesen einer Kurzfassung von zwei Staatsanwälten im Wechsel dauerte im Januar zweieinhalb Stunden.

Verhandelt wurde bisher ausschließlich das Thema Kreditbetrug. Dabei geht es darum, dass Stolberg bei der Finanzierung von 16 Schiffen den kreditgebenden Banken einen höheren Eigenanteil vorgegaukelt habe als tatsächlich bezahlt. Dazu ließ er sich bezahlte Werftrechnungen teilweise zurücküberweisen. Während die Anklage das Verfahren Kreditbetrug nennt, spricht Stolberg von branchenüblicher kreativer Eigenkapitaldarstellung. Die Meinung des Gerichts ist noch nicht erkennbar.

Das Prozessende ist für Oktober vorgesehen.


Lesen Sie ein Spezial unter   www.nwzonline.de/beluga-krise 
Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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