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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Beluga-Informant angeblich in Todesangst

08.06.2016

Bremen /Oldenburg Plötzlich wurde es still im Gerichtssaal. Der 36-jährige Zeuge – ein Finanzexperte des US-amerikanischen Investment-Unternehmens Oaktree – berichtete, unter welchen dramatischen Bedingungen er von Unregelmäßigkeiten in der Bremer Beluga-Reederei erfahren habe.

An einem Montag, so sagte der Zeuge am Dienstag vor dem Bremer Landgericht aus, sei er von einem jungen Mitarbeiter aus der Controllingabteilung der Beluga-Reederei in London angerufen worden.

Am folgenden Tag habe man sich in Hamburg bei einem Rechtsanwalt getroffen. Dort habe der Beluga-Mitarbeiter von Falschbuchungen und gefälschten Rechnungen innerhalb des Unternehmens berichtet.

Durch die Aussage des Hinweisgebers sei für Oaktree dann erklärbar geworden, warum bei Beluga neuer Finanzbedarf entstanden sei, obwohl das Investment-Unternehmen der Reederei wenige Monate zuvor insgesamt 175 Millionen Euro an Kapital zur Verfügung gestellt habe.

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Der Controlling-Mitarbeiter habe unter extremem psychischen Druck gestanden, als er die illegalen Aktionen offenbart habe. „Er hatte Angst um sein Leben und um seine Familie“, berichtete der Zeuge vor Gericht. Daraufhin habe Oaktree Personenschützer für den Hinweisgeber engagiert und ihn „in Sicherheit gebracht“. Nachdem man bereits vorher von Liquiditätsengpässen überrascht worden sei, sei man in die Detailanalyse gegangen und habe bald darauf die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Den wirtschaftlichen Verlust für Oaktree schätzte der Zeuge auf 100 bis 120 Millionen Euro, nachdem man zuvor eine Rendite von 20 bis 30 Prozent für die Investition erwartet habe. Schließlich habe Beluga als Unternehmen mit großen Zukunftsaussichten dagestanden.

Diese Darstellung des Zeugen geriet später gehörig ins Wanken, als er von Verteidigern des damaligen Beluga-Chefs, Niels Stolberg, befragt wurde. Seine Dauerantwort lautete plötzlich: „Daran kann ich mich im Detail nicht mehr erinnern.“

Auch, dass die von Oaktree in Auftrag gegebene Beluga-Überprüfung durch die Wirtschaftsprüfer von „Ernst & Young“ ergeben habe, dass Beluga tatsächlich wirtschaftlich mit dem Rücken an der Wand und kurz vor der Zahlungsunfähigkeit gestanden habe, wisse er im Detail nicht mehr.

Die Erinnerungslücken des Zeugen sorgten dafür, dass einem Stolberg-Anwalt der Kragen platzte: „Der erzählt uns hier was vom Pferd“, schimpfte er – und wurde daraufhin vom Gericht sanft gerügt.


     www.nwzonline.de/beluga-krise 
Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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