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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Bis zu 5 Jahre Haft für Stolberg gefordert

01.06.2017

Bremen /Oldenburg Zwischenbilanz im Bremer Beluga-Prozess: Nach Meinung der Staatsanwaltschaft sollte Ex-Reeder Niels Stolberg mit Gefängnis „nicht unter vier bis fünf Jahren“ bestraft werden, während die Verteidigung eine Bewährungsstrafe für angemessen hält.

In dem seit knapp eineinhalb Jahren dauernden Prozess vor dem Bremer Landgericht um den Zusammenbruch der Beluga-Reederei hatten am Mittwoch die Anklage und die Stolberg-Verteidigung zur Bewertung des aktuellen Verhandlungsstands das Wort. Dabei handelte es sich nicht um die offiziellen Plädoyers vor der Urteilsfindung, sondern um Erklärungen im Rahmen einer Zwischenbilanz.

Nach Anklage und Verteidigung will auch das Gericht selbst eine Einschätzung zum möglichen Strafmaß abgeben – danach soll geprüft werden, ob es zu einer Verständigung der Beteiligten kommen kann. Möglicherweise könnte der Prozess dann im Juli beendet werden.

Bewährung für Mitarbeiter

In ihrer Zwischenbilanz ging Staatsanwältin Silke Noltensmeier zunächst auf die drei mitangeklagten Beluga-Manager ein. Ihre Schuld sei deutlich geringer als die des Unternehmenschefs Stolberg. Schließlich seien sie weisungsgebundene Mitarbeiter gewesen, die für ihren Chef und das Unternehmen durchs Feuer gegangen wären. Außerdem hätten sie tatkräftige Hilfe bei der Aufklärung der komplexen Vorgänge geleistet. Deshalb sei für alle drei eine Bewährungsstrafe von weniger als zwei Jahren Haft denkbar.

Für Stolberg komme ein Strafmaß in dieser Größenordnung jedoch nicht in Betracht. Zwar müsse berücksichtigt werden, dass auch er teilgeständig gewesen sei und ebenfalls an der Aufklärung mitgewirkt habe. Auch sei er durch den Verlust seines Lebenswerks sowie extrem hohe zivilrechtliche Forderungen sowie durch seine schwere Erkrankung belastet. Dennoch sei bei den insgesamt 35 einzelnen Straftaten ein solches Maß krimineller Energie deutlich geworden, dass eine höhere Strafe nötig sei.

Bereits im Jahr 2006, als es dem Unternehmen noch gut gegangen sei, habe Stolberg begonnen, Zahlungsströme zu verschleiern und Täuschungsmanöver vorzunehmen. Dabei seien nicht wirtschaftliche Not, sondern Ehrgeiz und Geltungsdrang die Triebfeder für sein Handeln gewesen. Bei den Täuschungen der Banken im Rahmen von Kreditverhandlungen für Schiffsneubauten sei es um mehr als 100 Millionen Euro gegangen.

„Akribisch gefälscht“

Dabei seien die Zahlen mit außerordentlicher Akribie gefälscht worden. Zu berücksichtigen sei auch, dass Stolberg von den Taten am meisten profitiert hätte, wenn sie denn erfolgreich gewesen wären. Angesichts dieser Tatsachen müsse das Strafmaß mindestens vier bis fünf Jahre Gefängnis sein.

Zerrbild von Stolberg

Stolberg-Verteidiger Bernd Groß wies die Darstellung energisch zurück. Die Anklage habe ein komplettes Zerrbild von Stolberg gezeichnet. Stolberg sei kein eigennütziger und selbstsüchtiger Straftäter, sondern habe sein Unternehmen durch die Krise bringen wollen. Dabei habe er durchaus zu falschen Mitteln gegriffen. Ehrgeizig sei er gewesen, aber nicht größenwahnsinnig.

Dass Stolberg sich nicht bereichern, sondern seine Firma retten wollte, sei auch durch die Tatsache deutlich geworden, dass er sein Privatvermögen in das Unternehmen gesteckt habe, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Deshalb sei eine Bewährungsstrafe durchaus angemessen.

Der Prozess wird am 21. Juni fortgesetzt.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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Beluga | Staatsanwaltschaft | Bremer Landgericht

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