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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Kein Handschuhfach, dafür viel frische Luft

07.06.2019

Bockhorn /Varel Der Einstieg in die „Oldtimerei“ war für Hannes Müller (72) wie bei vielen Liebhabern historischer Fahrzeuge ein VW Käfer. Seine Frau und er gewöhnten sich vor 25 Jahren das Rauchen ab. Für jeden Tag, den sie ohne Zigarette überstanden, kamen fünf DM in ein Sparschwein. Nach einem Jahr konnte davon ein alter VW Käfer gekauft werden – ein Cabriolet, wie sich der Vareler erinnert. Seither sind eine ganze Reihe schöner historischer Fahrzeuge durch Müllers Hände gegangen, Vorkriegs- und Nachkriegsmodelle, zuletzt eine Reihe von Ford-Modellen. Mit einem seltenen Ford A Phaeton (ein offener Viersitzer) aus dem Jahr 1931 ist Müller bei der Frieslandrallye am Sonntag, 16. Juni, dabei, einer der Höhepunkte des Oldtimermarkts in Bockhorn. Von Freitag, 14. Juni, bis Sonntag, 16. Juni, treffen sich Tausende von Besitzern historischer Fahrzeuge und Zehntausende von Liebhabern in Bockhorn auf dem Veranstaltungsgelände an der B 437. Die Rallye startet am Sonntag, 16. Juni, pünktlich um 9.30 Uhr. Wer Hannes Müllers Ford A oder andere seltene Vorkriegs- und Nachkriegsfahrzeuge sehen möchte, muss früh aufstehen (es lohnt sich).

Müller setzt auf gutes Wetter beim Oldtimermarkt und bei der Rallye, denn das Verdeck seines Ford A ist noch nicht einsatzfähig. „Man fährt ja nur, wenn gutes Wetter ist, der hat ja nicht mal einen Scheibenwischer“, sagt Müller zu seinem Ford A.

Beinfreiheit garantiert

Überhaupt ist ein Ford A ein Auto pur. Bequeme Polster, Beinfreiheit – ja; weiterer Komfort – überschaubar. „Man sitzt sehr gut“, lobt Hannes Müller seinen Phaeton. Das Armaturenbrett ist klein. Einen Tacho hat der Ford A immerhin, ferner ein Ampèremeter, das den Ladestrom der Batterie zeigt, eine Tankanzeige. Der Füllstand des Tanks (direkt vor der Windschutzscheibe) wird mechanisch übertragen. Auf dem Kraftstoff schwimmt ein Korken, der mechanisch verbunden ist mit der Anzeige im Armaturenbrett. Am Lenkrad ist der Lichtschalter untergebracht, außerdem zwei Hebel, mit denen der Zündzeitpunkt verstellt werden kann, wichtig für den Startvorgang (zum Starten auf Spätzündung). Der Starterknopf liegt im Fußraum, von dort geht der Impuls direkt zum Anlasser, der den Vierzylindermotor startet. Eine kleine Benzinwolke erhebt sich, wenn Müller das Fahrzeug startet und losfährt. Das fast 90 Jahre alte Fahrzeug macht das alles mit. Synchrongetriebe oder Lenkhilfe – alles Fremdwörter im Automobilbau der Endzwanziger. Immerhin – der Ford A war wesentlich komfortabler als das erste Fordmodell (der legendäre Ford T, Tin-Lizzy oder Blechliesel). Ford A hatte drei Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang, zu schalten über einen langen Hebel rechts neben dem Fahrer. „Man muss vorausschauend fahren. Ich fahre immer mit großem Abstand“, sagt Hannes Müller zum Bremsverhalten des Ford A. Robust war der Ford A. 4,3 Millionen Exemplare wurden zwischen 1928 und 1931 gebaut, 600 000 sollen weltweit noch unterwegs sein. Der Wagen mit vier Zylindern und 3,3 Litern Hubraum leistete 40 PS. Obwohl er sehr preisgünstig war, genügte er bald nicht mehr den Ansprüchen der Käufer in den USA. Ford A wurde vom leistungsstärkeren Ford B abgelöst. Man kann den Ford A auch nicht unbedingt als Raumwunder bezeichnen. Es gibt keine Ablagefläche, kein Handschuhfach. Wer Gepäck mitnehmen will, muss es im Heck in einem Extra-Koffer auf dem Gepäckhalter unterbringen. Simpel, aber zweckmäßig ist auch die Motorkonstruktion. Ein Metallblock, darauf die Zündkerzen, die mit kleinen Messingplatten (keine Kabel) am Zündverteiler angeschlossen sind.

Von Hannes Müller wäre noch einiges zu erzählen. Beispielsweise über seine Leidenschaft für Borgward-Fahrzeuge. Die haben bekanntlich Bezug zu Varel, weil bis 1930 in Varel die Hansa-Automobilfabrik bestand, die im Borgward-Konzern aufging (freilich wurde der Standort Varel geschlossen, nur der Name Hansa bleib als Modell erhalten). Müller hat einen (Borgward-) Hansa 1700 aus den 30er Jahren besessen. Ein Freund in Lübeck fährt ihn nun.

In TV-Doku zu sehen

Zu sehen waren auch mehrere Borgward-Fahrzeuge von Hannes Müller in dem ARD-Dokudrama über Carl Borgward, das am Jahresanfang ausgestrahlt wurde. Carl Borgwards dicke Limousine (Hansa 2400), die im Film mehrfach zu sehen ist, gehört Müller, auch der Borgward-Lastwagen und ein Borgward-Bus. In der Anfangsszene des Films geht es um den Kleinwagen Arabella, mit dem Borgward wieder in wirtschaftliche Erfolgsspur wollte. Auch Hannes Müller besitzt eine von 1960 im Originalzustand. Borgward brachte das Modell kein Glück. Fehlerhafte Abdichtung des Fußraums machten die Arabella zum Pannenauto, in das Feuchtigkeit eindrang. Die Boulevard-Zeitungen machten daraus gnadenlos „Aquabella“. Borgward schlitterte in den Konkurs.

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