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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Eiswette: Keine reine Männerrunde mehr in Bremen

20.01.2020

Bremen Erstmals seit 190 Jahren haben auch Frauen am Bremer Eiswettfest teilgenommen. Rund 30 Damen in schwarzer Abendgarderobe mischten sich am Samstag unter die etwa 770 Männer in Frack und Smoking. „Die Rolle der Frauen in der Gesellschaft ist eine ganz andere als früher, deshalb ist es heute richtig, dass sie dabei sind“, sagte der Präsident der Eiswette, Patrick Wendisch, mit Blick auf die veränderten Regularien.

Die Öffnung der traditionell nur für Männer zugelassenen Veranstaltung auch für Frauen war nach erheblichem politischen Druck erst im vergangenen Jahr erfolgt: Als Bremens damaliger Regierungschef Carsten Sieling (SPD) seine Teilnahme an dem Essen wegen einer Trauerfeier absagte, bekam seine Vertreterin, die damalige Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne), keine Einladung. Das löste einen Aufschrei der Empörung aus – Sieling forderte daraufhin, die Regularien zu überdenken.

Und obwohl nun beim Eiswettfest erstmals Frauen zugelassen waren, gab es weiter Kritik, etwa von der Bremer Landesfrauenbeauftragten Bettina Wilhelm. „Die Entscheidung, dass Frauen teilnehmen können, klingt nach mehr als es derzeit ist“, sagte Wilhelm. Wenn von 800 Gästen gerade mal 30 weiblich seien, liege die Frauenquote bei vier Prozent, rechnete Wilhelm vor. „Da gibt es nichts zu schönzureden. Die Herren sind von vorgestern – und viel zu spät dran“, kritisierte sie.

Beim Eiswettfest treffen sich Vertreter der Wirtschaft und Gesellschaft, um nach einem traditionellen Ablauf zu essen, zu trinken und zu singen – Ehrengastredner war diesmal FDP-Chef Christian Lindner. Zudem werden Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gesammelt. Die Veranstaltung folgt auf die Eiswettprobe, bei der jährlich am 6. Januar geprüft wird, ob die Weser zugefroren ist.

Aus Sicht der Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky wird der Druck auf gesellschaftlich bedeutende Vereine und Veranstaltungen, die Frauen ausschließen, weiter steigen. „Es hat sich eine gesellschaftliche Aufmerksamkeit entwickelt – da gibt es, glaube ich, kein Zurück mehr“, sagte die Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Man verliert unheimlich viel Expertise, Einblick, Erfahrungen, Können und Potenzial, wenn man Frauen ausschließt, nur weil sie Frauen sind.“

Dass es auch anders geht, zeigt etwa das Matthiae-Mahl in Hamburg, das seit 1356 gefeiert wird. Nach Angaben des Hamburger Senats sind Frauen dort seit dem 17. Jahrhundert als gleichberechtigte Teilnehmer zugelassen.

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Bei der seit rund fünf Jahrhunderten ausgerichteten Bremer Schaffermahlzeit wollten die Männer auch lange unter sich bleiben. Dort sind Frauen seit 2015 regulär als Gäste zugelassen.

Beim Eiswettfest waren dieses Jahr erstmals auch keine Senatsmitglieder eingeladen – der Bremer Landtag hatte im vergangenen Jahr Männer in Senat, Bürgerschaft und Verwaltung dazu aufgefordert, so lange nicht an dem Fest teilzunehmen, bis Frauen dabei sein dürften. Die Eiswettgesellschaft empfand dies als übergriffig und lud für dieses Jahr erstmals seit Jahrzehnten kein Bremer Senatsmitglied ein.

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