• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Dreieinhalb Jahre Haft – Schock für Niels Stolberg

16.03.2018

Bremen /Oldenburg Das war ein sichtlicher Schock für Niels Stolberg. Als Richterin Monika Schaefer den Schuldspruch und das Strafmaß von drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verkündete, musste der frühere Chef der Bremer Beluga-Reederei um Fassung ringen.

Mit dem Urteil war das Verhandlungsziel des inzwischen in Oldenburg lebenden Unternehmers, nämlich eine Bewährungsstrafe von weniger als zwei Jahren, geplatzt – und auch nach der etwa einstündigen Urteilsbegründung konnte Stolberg sich nicht äußern. Nahezu fluchtartig verließ er wortlos das Bremer Landgericht.

Im Gerichtssaal kommentierte Stolbergs Verteidiger Bernd Groß das Urteil als zu hart. Er hatte zuvor in seinem Plädoyer eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten beantragt. Ob es einen Antrag auf Revision des Urteils durch den Bundesgerichtshof geben werde, wolle man in den nächsten Tagen prüfen, erklärte der Anwalt.

Ähnlich äußerte sich auch ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren für Stolberg gefordert hatte.

Das Gericht sah Stolberg und die drei mitangeklagten Beluga-Manager in 18 Fällen des Kreditbetrugs überführt sowie in mehreren Fällen der Bilanzfälschung und der Untreue. Dabei wurde es als besonders schwer bewertet, dass die ersten Straftaten schon zu einer Zeit begangen wurden, als es der Beluga-Reederei noch gut gegangen sei.

In den Jahren 2006 und 2007 hätten bereits mehr als 50 Schiffe und etwa 400 Mitarbeiter zu dem damals florierenden Unternehmen gehört. Bei den ersten Fällen von Kreditbetrug sei es darum gegangen, mit einem gewaltigen Programm von Schiffsneubauten Weltmarktführer bei Schwertransporten zu werden.

Da das Eigenkapital zur Finanzierung der riesigen Investitionen nicht ausgereicht hätte, habe Stolberg ein kompliziertes System von fingierten Rechnungen und vorgetäuschten Leistungen entwickelt, das von den Banken nicht habe durchschaut werden können.

Die Beweisaufnahme habe keine Hinweise darauf ergeben, dass die Banken das System erkannt und geduldet hätten. Auch der Großinvestor Oaktree habe das komplizierte Fälschungsgeflecht zunächst nicht erkennen können.

Nach Überzeugung des Gerichts sei eine Bewährungsstrafe nicht in Betracht gekommen – auch wenn es viele Aspekte zur Strafmilderung gegeben hätte – darunter auch die Tatsache, dass er sein gesamtes Vermögen verloren und nun 2,2 Milliarden Euro Schulden habe

Chronologie: Beluga-Geschichte endet vor Gericht

Dezember 1995: Niels Stolberg und ein Partner gründen die Reederei Beluga Shipping GmbH

1998: Erstes eigenes Schiff „Beluga Performa“ wird in Dienst gestellt

2002: Beluga eröffnet Niederlassungen u.a. in Brasilien und Singapur, später folgen Peking, Houston und Shanghai

Sommer 2010: Der US-Hedgefonds Oaktree Capital Management übernimmt ein Drittel der Anteile, später 49,5 Prozent, und stellt laut Stolberg ein Darlehen von 130 Millionen Euro zur Verfügung

2010/2011: Die Beluga-Flotte hat 72 Schiffe und über 2000 Mitarbeiter auf See und an Land, der Umsatz beträgt 500 Millionen Euro

1. März 2011: Oaktree erhebt schwere Betrugsvorwürfe gegen Stolberg, dieser muss als Geschäftsführer zurücktreten und die Firma verlassen

16. März 2011: Als erste Beluga-Sparte meldet die Tochter „Chartering“ Insolvenz an, es folgen weitere Insolvenzen von Unternehmen der weit verzweigten Gruppe

4. April 2011: Stolberg meldet Privatinsolvenz an

23. Mai 2011: Insolvenzverwalter Edgar Grönda verkündet das endgültige Aus für Beluga

27. Dezember 2012: Erste Anklageschrift mit Vorwurf des gemeinschaftlichen Kreditbetruges in 16 Fällen

26. März 2013: Zweite Anklageschrift mit Vorwurf des Kreditbetruges und der Untreue

13. Januar 2014: Dritte Anklageschrift mit Vorwurf des Betruges

20. Januar 2016: Prozessauftakt vor dem Landgericht Bremen, angesetzt sind zunächst 56 Hauptverhandlungstage

2017: Stolberg erkrankt schwer an Krebs - Die Verhandlungstage müssen auf eine Stunde pro Termin begrenzt werden

08. März: Stolberg hat das letzte Wort: „Ich habe alles verloren - mein Lebenswerk, meine Reputation, meine Gesundheit. Ich hoffe, dass das Gericht eine Bewährungsstrafe für angemessen hält.“

15. März 2018: Am 68. Verhandlungstag endet der Prozess mit Urteilsverkündung. Stolberg muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Die drei mitangeklagten Ex-Beluga-Manager werden zu Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und einem Jahr und sieben Monaten verurteilt.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.