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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Gutachter geraten ins Straucheln

25.01.2019

Bremerhaven Im Prozess um den Schwerlasthafen für Windenergieanlagen in Bremerhaven sind die Sachverständigen bei kritischen Nachfragen des Verwaltungsgerichts Bremen ins Straucheln geraten. Die beiden Berater hatten Gutachten im Auftrag des Bremer Senats und der Hafengesellschaft Bremenports erstellt, auf deren Grundlage der umstrittene Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) geplant worden war. Bei der Verhandlung am Donnerstag konnten die Experten ihre sehr positiven Prognosen aus dem Jahr 2015 zum Teil nicht belegen.

Der Vorsitzende Richter Peter Sperlich wollte wissen, wie sie zu der Annahme gekommen seien, dass sich der Anteil der Bremerhavener Produzenten Senvion und Adwen am Bau von Windparks in der Nordsee innerhalb von kürzester Zeit verdoppeln sollte. Ihm fehlten entsprechende Nachweise. „Sie müssen sich doch gefragt haben, wie belastbar die Aussage ist“, sagte Sperlich.

Offenbar seien als Grundlage nicht Verträge, sondern nur unverbindliche Absichtserklärungen genommen worden, sagt der Vorsitzende Richter. Unter anderem sei aber schon zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens 2015 bekannt gewesen, dass Adwen einen Auftrag für einen großen Windpark nicht bekommen habe. Vonseiten der Gutachter gab es dazu keine konkrete Antwort.

Der Streit um den OTB schwelt bereits seit Jahren. Von der Hafenanlage an der Außenweser sollen riesige Anlagen zu Windparks auf hoher See verschifft werden. Der Umweltverband BUND klagt gegen den 180 Millionen Euro teuren Hafen. Er bezweifelt den Bedarf und kritisiert die erheblichen Eingriffe in ein Naturschutzgebiet.

Bremerhaven galt lange als Hochburg der Offshore-Windenergie. Der BUND hatte zum Beginn der Planungen den OTB noch unterstützt. Dann sahen sie aber die Ausgangsbedingungen verändert: Der Siemens-Konzern siedelte ein neues Offshore-Turbinenwerk nicht in Bremerhaven, sondern in Cuxhaven an. Der frühere Hersteller Adwen konzentriert sich nur noch auf Wartung und Service. Das Werk des Rotorblattherstellers Power-Blades machte dicht.

Nach Genehmigung des Planfeststellungsbeschlusses sollte eigentlich 2016 mit dem Bau begonnen werden. Im Eilverfahren verhängte das Verwaltungsgericht aber einen vorläufigen Baustopp, der bis heute anhält.

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