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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Ohne Festmacher geht im Hafen nichts

17.09.2019

Bremerhaven Das Containerschiff „X-Press Elbe“ soll pünktlich um 11.30 Uhr ablegen. Es hat im Bremerhavener Überseehafen Container an Bord genommen, die von größeren Seeschiffen auf das nur 150 Meter lange Feederschiff umgeladen worden sind. Frachtschiffe dieser Länge können in kleinere Häfen wie Helsinki oder Riga einlaufen – was die Giganten nicht können. Die „X-Press Elbe“ will nach Stockholm, und Jürgen Thiermann sorgt dafür, dass sie abfahren kann. Er schickt ein Team an den Liegeplatz: Festmacher, die in diesem Fall das Schiff allerdings nicht fest-, sondern losmachen.

„Bei der Größe des Schiffes reichen vier Leute“, sagt Thiermann, der bei der Festma Vertäugesellschaft mbH als stellvertretender Betriebsleiter arbeitet. Im zweiten Stock der rund um die Uhr besetzten Bremerhavener Zen­trale nahe dem Kreuzfahrtterminal hat er auf zwei Bildschirmen genau im Blick, wann und wo welche Frachter an- und ablegen wollen. Auf Echtzeitkarten stehen neben den Schiffsnamen „A“ für auslaufend oder „E“ für einlaufend sowie die Zeiten.

„Heute ist es ruhig“, sagt der 60-Jährige. An anderen Tagen gerät er ins Rotieren: Das ist der Fall, wenn mehrere Schiffe unvermittelt gleichzeitig startklar sind, weil sich eines verspätet, ein anderes zu früh kommt und eines gerade ablegen will. Dann ruft er auch schon mal beim Hafenamt an: „Ich bitte dann darum, dass ein ankommendes Schiff etwas langsamer fährt.“ Das tut es dann auch, denn: „Ohne uns kann es nicht anlegen.“

Die „X-Press Elbe“ ist das zwölfte Schiff, das an diesem Tag abgefertigt wird. Für diese Schicht hat Thiermann acht Festmacher zur Verfügung. Sollte das nicht reichen, kann er den Bereitschaftsdienst anrufen. „Der Bereitschaftsdienst dauert sechs Tage am Stück, rund um die Uhr“, sagt Festma-Geschäftsführer An­dreas Dentler. Denn wann ein Schiff ab- oder anlegt, das hängt von vielen Faktoren ab und steht manchmal erst eine gute Stunde vorher fest. Der Hafen sei ja kein Bahnhof mit festen Abfahrts- und Ankunftszeiten, so Thiermann.

Die beiden Festmacher Peter Münchhoff und Jörg Hedenus, die von Thiermann zur „X Press Elbe“ geschickt werden, haben kein Problem mit den unregelmäßigen Arbeitszeiten und Bereitschaftsdiensten. Sie kennen es nicht anders, beide kommen aus der Seefahrt. Hedenus ist hauptberuflich Bootsmann auf einem Mehrzweckschiff in Cuxhaven, bei Festma arbeitet er als Minijobber, um sich was dazuzuverdienen. Aber auch, weil der Hafen seine Welt ist: „Die Leute hier haben das Herz am rechten Fleck“, sagt der 56-Jährige.

Der 76-jährige Münchhoff fuhr fünf Jahrzehnte zur See. Nun bessert er sich die Rente auf, um weiterhin Seeluft schnuppern zu können: Vom Zuverdienst macht er mit seiner Frau Kreuzfahrten: „Da steht man mal auf der anderen Seite und kann sich bedienen lassen.“

Münchhoff ist nicht der älteste Festmacher im Hafen. „Eine Aushilfe ist 82 Jahre alt“, sagt Dentler. Auch junge Leute sind dabei. „Bei uns arbeiten viele Seefahrtschüler. Manche bleiben, wenn sie fertig sind.“ Die rund 60 festangestellten Festmacher besitzen mindestens einen Matrosenbrief, viele sind Schiffsmechaniker oder haben ein Kapitänspatent. „Bei uns haben sie den Vorteil, dass sie nicht monatelang von zu Hause weg sind“, sagt Dentler.

Auch immer mehr Frauen sind dabei. Bei der Arbeit komme es nicht auf die Kraft, sondern auf Geschicklichkeit an den Geräten und die Erfahrung an, sagt Dentler. „Bei 400 Meter langen Schiffen sind die Leinen oberschenkeldick, das zieht keiner mit der Hand. Dafür gibt es Maschinen.“ Festma nutzt Unimogs mit hy­draulischen Winden mit bis zu 1,5 Tonnen Zugkraft.

Auch Münchhoff und Hedenus sind mit einem Unimog zum Heck der „X-Press Elbe“ gefahren, vorbei an den Containerstapeln im Hafen. Die Handgriffe sitzen, die Leine liegt bald locker um den Poller. Trotz aller Routine sei Wachsamkeit geboten, betont Dentler. Wenn eine Leine sich losreiße, könne es gefährlich werden. Wer zehn Meter entfernt stehe, könne vom gerissenen Tau getroffen werden. Schwere Unfälle gab es schon.

Inzwischen legt die „X-Press Elbe“ ab. Am Liegeplatz gleich nebenan wartet schon das Containerschiff „Baltic Petrel“. Es will nach Riga. Routiniert machen die Festmacher das Schiff los, dann haben sie wieder Pause. Der nächste Frachter kommt erst in einer Stunde.

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