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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Corona-Ausbruch Im Kreis Leer: Auch Besuchern von Restaurant droht Geldstrafe

26.05.2020

Leer /Moormerland Wegen etlicher Corona-Infektionen nach dem Eröffnungsabend des Restaurants „Alte Scheune“ in Jheringsfehn drohen nicht nur dem Betreiber, sondern auch den Besuchern Strafen. Das kündigte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Montag in Hannover an. „Sollte sich der begründete Verdacht bestätigen, dass mit dieser Veranstaltung gegen die Corona-Auflagen verstoßen wurde, werden die Behörden vor Ort nicht nur gegen die Organisatoren, sondern auch gegen die Besucherinnen und Besucher Ordnungswidrigkeiten einleiten mit empfindlichen Geldstrafen als Folge.“

Im Restaurant im Landkreis Leer sei es offenbar zu mehreren Verstößen gegen die Auflagen gekommen, unter anderem habe es Händeschütteln und Umarmungen gegeben, sagte die Ministerin. Die Kontaktnachverfolgung habe inzwischen ergeben, dass der Teilnehmerkreis an der geschlossenen Gesellschaft größer war als zunächst angenommen. „Das, was wir da gesehen haben, war eine Veranstaltung.“ Diese seien nach der Corona-Verordnung nicht erlaubt, es habe sich nicht um einen gewöhnlichen Restaurantbetrieb gehandelt. Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen, die am 15. Mai im Lokal in Moormerland waren, ist am Montag indes auf 18 gestiegen. Hinzu kamen vier weitere Personen, die sich in der Folge angesteckt hatten. Für 133 Menschen wurde häusliche Quarantäne angeordnet.

Stephan Weil nennt Vorfall im Kreis Leer ein „Lehrstück“

Ministerpräsident Stephan Weil bezeichnete den Vorfall als Lehrstück bezeichnet. „Es ist nämlich ein Lehrstück, was passieren kann, wenn man die Vorgaben nicht berücksichtigt“, sagte der SPD-Politiker am Montag in Wunstorf (Region Hannover). Er sei aber weit davon entfernt, wegen dieses einen Beispiels Kritik an der niedersächsischen Gastronomie insgesamt zu üben. Weil hoffe, nun sei deutlich geworden, dass die Vorgaben „nicht dafür gedacht sind, Gastronomen zu ärgern, sondern im Gegenteil die Voraussetzung dafür sind, dass das Geschäft wieder losgehen kann.“

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Der Landkreis prüft Hinweise darauf, dass es in der „Alten Scheune“ Verstöße gegen die Corona-Auflagen gab. Einen Zwischenstand teilte der Landkreis dazu am Sonntag nicht mit. „Das müssen wir abwarten“, sagte der Sprecher. Den Hinweisen werde in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren nachgegangen, einschließlich einer Anhörung des Betreibers Arendt Kampen. Der Inhaber hatte am Samstag gesagt, es seien alle Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten worden.

Auch die Papenburger Meyer Werft betroffen

Von dem Corona-Ausbruch ist auch die Führungsebene der Papenburger Meyer Werft betroffen, wie Florian Feimann von der Pressestelle gegenüber der NWZ bestätigte. An der Veranstaltung hatte auch die Personalchefin der Meyer Werft teilgenommen. Weil sie danach an Sitzungen beteiligt war, seien Mitglieder der Werft-Geschäftsführung und große Teile des Betriebsrats in Quarantäne. Eine genaue Zahl der betroffenen Beschäftigen nannte Feimann noch nicht, man sei noch dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Betroffen ist auch eine Oldenburger Politikerin: Bis zum 2. Juni befindet sich SPD-Ratsfrau Nicole Piechotta (33) in Quarantäne. Somit blieb sie auch der Ratssitzung am Montagabend fern.

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Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) sieht durch diesen Fall in Moormerland keine Notwendigkeit begründet, vom Lockerungskurs für Gaststätten abzurücken. „Nach ersten Erkenntnissen ist das Infektionsgeschehen nicht auf einen normalen Restaurantbesuch zurückzuführen, stattdessen wurde dort offenbar eine private Party gefeiert“, hatte sie bereits am Samstag gesagt. Ansteckungen seien nicht vollständig zu verhindern. Entscheidend sei in einem solchen Fall, dass von den Behörden vor Ort konsequent alle Kontakte nachverfolgt würden, um das Infektionsgeschehen so eng wie möglich einzugrenzen.

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Die Gesundheitsministerin mahnte gleichwohl, dass das Virus nicht besiegt sei. „Es ist noch da und wir müssen weiterhin sehr wachsam sein, um die großen Fortschritte der letzten Wochen nicht zu gefährden.“ Sie forderte alle auf, die Lage weiterhin ernst zu nehmen und sich an die Abstands- und Hygieneregeln sowie die geltenden Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung zu halten. „Insbesondere an Orten, an denen nun wieder mehr Publikumsverkehr möglich ist, gilt es für uns alle, besonders vorsichtig und umsichtig zu sein.“

Hotel- und Gaststättenverband fordert lückenlose Aufklärung

Der Hotel- und Gaststättenverband Niedersachsen hat den Landkreis aufgefordert, für Aufklärung zu sorgen. „Wichtig ist jetzt, dass der Landkreis Leer den Infektionsfall in dem meldenden Restaurant lückenlos aufklärt, um genaue Kenntnis von den Ursachen der Infektionskette herzustellen“, sagte der Präsident des Dehoga Niedersachsen, Detlef Schröder. Der Verband wolle zudem verstärkt darauf aufmerksam machen, „dass Gastwirte und ihre Gäste nur gemeinsam die strengen Vorgaben der gesetzlichen Abstands- und Hygieneregeln umsetzen können“.

Alle Entwicklungen zur Corona-Krise im Liveblog

Ministerpräsident Stephan Weil sagte laut „Hannoverscher Allgemeiner Zeitung“ über die Infektionen bei Leer und zuvor in Dissen, „dass wir nach wie vor sehr vorsichtig sein und die Vorgaben beachten müssen“. In Dissen bei Osnabrück waren Dutzende Corona-Fälle bei einem Fleischunternehmen festgestellt worden. Der SPD-Politiker ergänzte, dass Niedersachsen die Lockerungen „nur Schritt für Schritt ausweiten“ wolle, „ohne den Bogen zu überspannen“.

Inhaber der Gaststätte „Alte Scheune“ hatte 40 Gäste eingeladen

Für den Betreiber der Gaststätte „Alte Scheune“ in der Gemeinde Moormerland im Kreis Leer ist die Entwicklung fatal. Monatelang hatte er das Restaurant renoviert und sich auf die Eröffnung vorbereitet, wie er erzählte. Der erste Abend sollte rund 40 ausgewählten Gästen gehören - darunter Vertreter von Firmen, die ihn unterstützt hatten. Der Inhaber stand zunächst als Koch in der Küche. Später gesellte er sich nach eigenen Angaben zu den Gästen, um mit ihnen anzustoßen. Die Abstands- und Hygieneregeln seien eingehalten worden, sagte er. Ob sich das Virus am 15. Mai beim Eröffnungsabend für Unterstützer seines Lokals verbreitet habe, wisse er nicht. Es sei auch möglich, dass sich die Menschen vor oder nach dem Abend infiziert hätten. Eine Party sei der Abend sicher nicht gewesen, sondern eine Art Testlauf für ihn und sein Team. Denn am kommenden Tag öffnete das Restaurant regulär.

Landrat Groote warnt: Corona ist nicht vorbei

Der Landrat von Leer, Matthias Groote, warnte die Bürger der Landkreis-Mitteilung zufolge: „Dieser Ausbruch führt uns deutlich vor Augen: Corona ist nicht vorbei, das Virus kann sich jederzeit weiter verbreiten.“ In einem auf der Twitterseite des Landkreises veröffentlichten Video sagte Groote, die Zahl der Quarantäne-Fälle werde weiter „extremst“ ansteigen, da die aktuellen Fälle „im Rahmen eines Zusammentreffens“ entstanden seien. Im Landkreis Leer war zuvor eigenen Angaben zufolge mehr als eine Woche lang überhaupt keine bestätigte Neuinfektion gemeldet worden.

Die „Alte Scheune“ hat der Betreiber vorsorglich geschlossen. Nach seiner Quarantäne will er am 4. Juni wieder öffnen. „Vorausgesetzt alle Tests sind negativ“, sagte er. „Ich möchte auf Nummer sicher gehen.“ Um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, braucht es aus seiner Sicht mehr Tests. Hätte ein Gast des Abends sich nicht umgehend testen lassen, hätte er von seiner Infektion wahrscheinlich nichts mitbekommen, erzählt der Inhaber. Diesem einen Gast sei es zu verdanken, dass die anderen Infektionen entdeckt wurden.

Virologe Drosten von der Charité Berlin rät: Außenbereiche nutzen

Nach Ansicht des Chefvirologen der Berliner Charité, Christian Drosten, sollten Gäste wenn möglich nur den Außenbereich eines Lokals nutzen, notfalls mit Decken. Ansonsten gelte: „Fenster aufreißen, gerade im Sommer, dann kann man wahrscheinlich auch drinnen sitzen. Aber drinnen sollte man eher mit einer Abstandsregel arbeiten.“

Angesichts der wirtschaftlichen Lage schlug Drosten bereits Mitte Mai in einem NDR-Podcast aber auch Hilfen für Lokale vor. „Warum erlaubt man nicht Gastronomien, auch die Bürgersteige mitzubenutzen?“, fragte er. Das könne vorübergehend geschehen und natürlich nur, wenn die Fußgänger dann nicht auf die Straße ausweichen müssten.

Niedersachsen ließ Restaurants relativ früh wieder öffnen

Niedersachsen zählte zu den ersten Bundesländern, in denen Restaurants wieder geöffnet werden durften - seit dem 11. Mai. In den Tagen darauf folgten nach und nach auch fast alle anderen Bundesländer. Ausnahmen gelten für Bayern, wo vorerst nur Biergärten und Außenbereiche aufmachen dürfen, Innenräume ab dem 25. Mai. Bundesweiter Vorreiter war Mecklenburg-Vorpommern, wo die Restaurants bereits am 9. Mai wieder öffnen durften.

Einige Experten hatten vor Restaurantbesuchen in geschlossenen Räumen gewarnt. So sagte Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Universitätsmedizin Rostock, der Deutschen Presse-Agentur, die Gäste von Restaurants sollten möglichst draußen sitzen. „Da kommt es praktisch nicht zu Infektionen. Das Coronavirus wird ganz maßgeblich über die Luft übertragen.“ Dagegen schütze draußen der Luftzug. In Innenräumen von Restaurants oder Cafés werde es allerdings problematischer. Selbst bei ausreichendem Luftaustausch alle sechs bis zehn Minuten gebe es keine hundertprozentige Garantie.

Restaurants und auch Kneipen waren Mitte März geschlossen worden, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Unter Einhaltung von Abstandsregeln und Hygienevorschriften durfte die Gastronomie schrittweise wieder öffnen, vor dem Hintergrund des jeweiligen Infektionsgeschehens in den Ländern und landesspezifischer Besonderheiten. So müssen sich Gäste mancherorts vorher mit Adresse und Telefonnummer anmelden. In manchen Restaurants werden Gästen Sitzplätze zugeteilt. Bedient werden darf häufig nur am Tisch. An Theken darf vielerorts niemand Platz nehmen.

Die Dehoga hatte die Situation von Gastronomie und Tourismus Anfang Mai als „dramatisch“ bezeichnet. Eine Umfrage bei den Betrieben habe ergeben, dass ein Drittel von der Insolvenz bedroht sei - 70.000 der 220.000 Unternehmen.

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