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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Coronavirus Im Nordwesten: Haben Kinder mit Asthma ein erhöhtes Risiko ?

25.04.2020
Frage: Herr Dr. Köster, ganz generell: Wie hoch ist das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs bei einer Corona-Infektion für Kinder?

Köster: Prinzipiell kann man erst einmal sagen, dass Kinder nach Zahlen der Johns-Hopkins-University oder des Robert-Koch-Instituts sowieso ganz selten an Covid erkranken. Kinder haben prozentual deutlich seltener eine nachgewiesene Infektion. Wenn man davon ausgeht, dass man in der Bevölkerung 20 Prozent Kinder hat, sind ein bis zwei Prozent nachgewiesen infiziert.

Dazukommt, dass schwere Verläufe die absolute Ausnahme zu sein scheinen. Man sieht zwar immer mal Berichte über Einzelfälle, dass Kinder in Frankreich oder den USA gestorben ist – aber das sind weltweit gesammelte Einzelfälle. Das beunruhigt aber natürlich die Menschen, weil sie das nicht zuordnen können. Sie sehen nur, dass da ein Kind gestorben ist und denken dann, dass es auch das Nachbarkind sein könnte. Das macht natürlich Sorgen, ist aber nicht gedeckt durch das reale Risiko für ein Kind, zu erkranken.

Frage: Gerade vor der schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen fragen sich trotzdem viele Eltern, ob sie ihr an Asthma erkranktes Kind in den Unterricht schicken dürfen. Was sagen Sie?

Köster: Bis jetzt gibt es weltweit, aber auch in Deutschland keine Berichte oder Hinweise, dass Asthma und Allergien bei Kindern tatsächlich ein Risikofaktor sind. Das gilt selbst für andere schwere Erkrankungen, wie beispielsweise Mukoviszidose. Es gibt in Deutschland 8000 Mukoviszidose-Betroffene – die Erkrankungsfälle kann man an zwei Händen abzählen.

Frage: Warum ist das Risiko nicht erhöht?

Der Experte

Dr. Holger Köster ist Leitender Arzt der Abteilung für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie am Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin (Elisabeth-Kinderkrankenhaus) in Oldenburg.

Zudem ist der 60-Jährige Facharzt für Kinderheilkunde mit Zusatzbezeichnungen Kinderlungenheilkunde und Allergologie sowie Zentrumsleiter der zertifizierten Mukoviszidose-/CF-Ambulanz.

Köster: Da sind die Fachleute noch am Spekulieren und Forschen. Es gibt also Hinweise, dass Kinder gar nicht so oft infiziert sind. Allerdings kann man nur darüber spekulieren, warum das der Fall ist. Ich habe gerade eine Studie gesehen, die besagt, dass wenn man die Verbreitung untersucht, der Anteil der infizierten Kinder trotzdem sehr gering ist. Das mag auch mit den Eigenschaften des Virus zusammenhängen. Das Virus braucht Bindungsstellen im Körper, wo es sich festsetzen kann. Diese sind vielleicht bei den Kindern noch nicht vorhanden. Das ist allerdings reine Spekulation.

Das Zweite ist, dass die Kinder eben zum Teil keine oder nur leichte Symptome haben, bei denen man gar nicht unbedingt an Covid denkt. Deswegen werden Kinder eventuell einfach auch weniger getestet. Deswegen gibt es die Sorge, dass mehr Kinder als vielleicht vermutet doch infiziert sind und das Virus weiterverbreiten. Dazu fehlen aber noch epidemiologische Daten.

Frage: Hilft es trotzdem, wenn Kinder Medikamente nehmen?

Köster: Zunächst einmal ist Asthma eine chronische Atemwegserkrankung, die mit einer Überempfindlichkeit der Atemwege einhergeht. Und wenn das Asthma schlecht eingestellt ist, sind die Betroffenen anfälliger, Infekte zu entwickeln. Bei Kindern äußert sich das typischerweise in der Weise, dass sie häufiger Infekte haben und diese leichter auf die Bronchien schlagen. Deswegen verordnen wir eine Dauertherapie, um das Asthma zu stabilisieren. Insofern ist eine Dauertherapie ein guter Infektionsschutz. Gerade jetzt in der Zeit sollte die Therapie also so fortgeführt werden wie gehabt. Wenn man aber plant, die Medikamente abzusetzen, kann man das trotzdem machen.

Frage: Wie sinnvoll sind Grippe-Impfungen?

Köster: Man empfiehlt bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen sowieso die jährliche Grippeimpfung. Für diese Saison ist sie nicht mehr sinnvoll, weil die Grippewelle vorbei ist, aber im nächsten Herbst sollte man auf jeden Fall eine Grippe-Impfung vornehmen lassen – Covid wird uns schließlich weiter begleiten.

Frage: Und die Impfung gegen Pneumokokken?

Köster: Hier gilt das Gleiche: Nach der ständigen Impfkommission ist diese Impfung indiziert bei chronischen Atemwegserkrankungen. Von daher sollte man die Chance dann auch nutzen und sich impfen lassen. Ob das notwendig ist, ist wegen der geringen Erfahrungswerte schwer zu sagen.

Frage: Was können Sie den Eltern also abschließend raten?

Köster: Man kann sagen, dass bei einem stabilen Asthma – und dazu zählt auch ein dauerbehandeltes Asthma – kein erhöhtes Risiko für die Kinder besteht. Das ist eine sehr resolut formulierte Aussage. Natürlich fehlen noch Langzeiterfahrungswerte, aber nach bisherigem Kenntnisstand kann man sagen, dass es keinen Grund gibt, warum man sein Kind nicht zur Schule schicken darf. Die Frage ist auch: Wie ist die Perspektive – sollen wir die Kinder dauerhaft von der Schule fernhalten? Eine Ausnahme mag sein, wenn das Kind einen sehr schweren Asthma-Verlauf hat, was aber sehr selten auftritt. Dann sollte das Vorgehen noch einmal mit dem Kinderarzt oder anderen Experten besprochen werden.

NWZonline.de/gesundheit
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Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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