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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Das ist der Öl-Prinz aus der Schweiz

01.08.2015

Brake /Knonau Da sitzen die Braker Ratsleute und wissen gar nicht recht, wie ihnen geschieht. Drei schneidige Geschäftsleute präsentieren ihnen gerade das Modell einer Super-Firma. Mit einer einzigartigen Technik will die Firma Alsoil in der Stadt an der Unterweser Altöle recyceln. 39 Millionen Euro wollen die Manager in die bettelarme Stadt stecken, 50 Arbeitsplätze könnten geschaffen werden. Mancher Ratsherr rechnet sich bereits aus, wie viele Löcher in den holprigen Straßen mit den Einnahmen aus der Gewerbesteuer endlich geflickt werden können.

Doch plötzlich steht das Projekt auf wackeligen Füßen. Es gibt viele Fragen, die sich rund um das Unternehmen ranken. Die NWZ  beleuchtet die einzelnen Akteure.

Die Firma

Wer etwas über die Firma Alsoil in Erfahrung bringen will, muss lange suchen. Eine Internetseite hat das High-Tech-Unternehmen aus der Schweiz nämlich nicht. Eine Telefonnummer übrigens auch nicht. Laut Schweizer Handelsregister ist die Firma am 11. April 2012 mit einem Eigenkapital von 100 000 Schweizer Franken eingetragen worden. Das Unternehmen residiert auf dem schweizerischen Schloss Knonau im Kanton Zürich. Das kleine, hübsch restaurierte Gemäuer war Sitz des Landvogts und wurde um 1525 errichtet.

Laut Internet-Registerauskunft bezweckt die Gesellschaft: „Handel mit Öl-Produkten, Metallen, Edelmetallen und deren Derivate und der Vertrieb von chemischen Produkten, Rohstoffen und Waren aller Art.“ Auf den Fluren des kleinen Schweizer Schlösschen muss reger Betrieb herrschen. Denn offenbar residiert dort nicht nur die Öl-Firma. Bei Recherchen stößt die NWZ  auf eine stattliche Reihe von Firmen, die dort ebenfalls gemeldet sind. Etwa die Atlas Portfolio Management AG, eine Finanzberatungsgesellschaft, oder die Copper Laureus AG, ein Experte für „Finanzierungsdienstleistungen“, und die Cross-Reference Ag. Was die macht? „Die Gesellschaft bezweckt Dienstleistungen für internetbasierende Suche anzubieten“, heißt es im Handelsregister. Früher hieß die Firma mal Kaper Bau AG. Ob sie da schon am Internet-Geschäft gebaut hat, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen.

Zu dieser Runde gesellt sich auf Schloss Knonau noch eine weitere Unternehmung. Sie heißt Etikettenschule. Für 5000 Schweizer Franken am Tag können sich dort Vip’s im Umgang mit anderen Hochkarätern schleifen lassen. „Unsere Referenten halten die Etikette seit vielen Jahren ein“, verspricht die Firma.

Der Mann im Hintergrund

Der Mann, der hinter all den Firmen steckt, nennt sich selbst Jörg Wolfgang Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, Herzog zu Sachsen. Wer Prinz Jörg Wolfgang wirklich ist, ist schwer zu beantworten. Auf NWZ -Nachfrage lässt die Herzogliche Hauptverwaltung Coburg wissen: „Jörg Wolfgang von Sachsen ist kein Mitglied der Familie.“ Wie er zu dem erlauchten Namen gekommen ist, kann in Coburg niemand sagen. „Das ist in den seltensten Fällen herauszufinden“, teilt eine Sprecherin der Sachsen-Prinzen mit.

Durch Adoption können in Deutschland Titel wie Nachnamen übertragen werden – meist im Gegenzug für eine stattliche Summe. Einige „Spezialisten“, so die Sprecherin, füllen in der Hauptverwaltung bereits Aktenordner. Auch Jörg Wolfgang sei bekannt. Für die NWZ  ist Jörg von Sachsen nicht zu erreichen.

Die Geschäftspartner

Als Verhandlungsführer treten im Braker Rathaus drei Männer auf: Christian Geistmann, Dietmar Priewe und Horst Schuebel, der sich als Ingenieur und Technischer Direktor der Firma Alsoil vorstellt. Zwei Firmen, die Alsoil Environment und die Alsoil Engineering, sollen in Brake gegründet werden. Bei beiden soll die Alsoil-Beteiligungs-AG Gesellschafterin sein.

Christian Geistmann (34) ist Geschäftsführer der „Christian Geistmann Dienstleistungs GmbH“ mit Sitz in Bremen. Geistmann ist offenbar Versicherungsmakler. In der Zeitung will er lieber als „Energieunternehmer“ bezeichnet werden. Auf Geistmanns Internetseite kann man günstige Autoversicherungen miteinander vergleichen. Michael Kurz (SPD), dem Braker Bürgermeister, stellt er sich als Bevollmächtigter für Finanzierungsfragen des 39-Millionen-Euro-Geschäfts vor. Von 2000 bis 2005 war Geistmann offenbar Handelsvertreter des AWD, jener skandalträchtigen Firma des Kanzler-Freunds Carsten Maschmeyer.

Dem Bürgermeister erklärt Geistmann, dass er und seine Geschäftspartner 20 Prozent Eigenkapital in das Projekt fließen lassen wollen, rund acht Millionen Euro. Einen belastbaren Finanzplan hat Geistmann bis jetzt jedoch nicht vorgelegt. Die NWZ  will von Geistmann Fragen zur Finanzierung, zur Struktur der Firmen und der Rolle des Prinzen aus der Schweiz beantwortet haben. Geistmann möchte sich dazu nicht äußern. Nach weiteren NWZ -Recherchen gibt Geistmann tags darauf bekannt, dass er sich aus dem Projekt zurückziehen will. Gründe dafür nennt er nicht. Der zweite Verhandlungsführer ist der Bremerhavener Dietmar Priewe. Es gibt eine Reihe Firmen, bei denen Priewe zeichnungsberechtigt war. Immer wieder taucht als Geschäftspartner auch der Schweizer Prinz auf. Im Rathaus stellt sich Priewe als Mitarbeiter einer Bremerhavener Firma namens „Neue Energien Deutschland“ vor. Im Impressum auf der Firmen-Homepage steht allerdings Ulrich Klußmann, der laut Internet einen Hausmeisterservice in Bremerhaven betreibt. Unter der angegebenen Handynummer der Firma erreicht man jedoch Dietmar Priewe. Im Handelsregister ist Alexandra Priewe (34), geborene Klußmann, als Geschäftsführerin der vor wenigen Wochen registrierten Firma eingetragen. Dietmar Priewe war nach einem anfänglichen Kontakt für die NWZ  telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Horst Schuebel ist nach eigenen Angaben der technische Direktor der Firma Alsoil. Er ist der Einzige, der mit der NWZ  reden will. Schuebel legt Wert auf die Feststellung, dass Priewe und Geistmann mit der Idee, in Brake ein gemeinsames Projekt zu stemmen, auf ihn zugekommen seien. Die Firma Alsoil sei nicht der Investor. „Wir sind nur Technik- und Know-how-Geber“, sagt Schuebel. Alsoil vertreibe als Generalunternehmer die Anlagen und sei hinterher an der neuen Firma über eine Beteiligungs-AG Mitgesellschafter. Nach NWZ -Recherchen hat Alsoil bisher keine derartige Anlage vertrieben.

Man brauche im Übrigen keine Homepage, weil man das „gar nicht nötig habe“. Auf das Firmengeflecht in Knonau angesprochen sagt Schuebel, dass es mehrere Büroräume gebe, in denen Firmen untergebracht seien. Über Dietmar Priewe lässt Schuebel wissen, dass er ein Freund des Prinzen sei. Von Sachsen habe mit dem Geschäft in Brake aber nichts zu tun. Auf den Einwand, dass von Sachsen als allein Zeichnungsberechtigter das Geschäft irgendwann besiegeln müsse, weicht Schuebel aus. Das könne auch ein „Vorstand“ tun. Wer das ist, sagt er nicht.

Tobias Schwerdtfeger Leitung / Regionalredaktion
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