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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wer kontrolliert die EWE?

16.02.2017

Oldenburg Die Klitschko-Spendenaffäre und die empfohlene Abberufung von Vorstandschef Matthias Brückmann hat der EWE in den vergangenen Tagen viele Schlagzeilen beschert. Wirklich überraschend ist das nicht. Denn das Oldenburger Energieunternehmen ist nicht nur das umsatzstärkste Unternehmen in Weser-Ems, sondern spielt auch aufgrund seiner stark kommunal geprägten Anteilseignerstruktur und engen regionalen Verflechtungen eine besondere Rolle im Nordwesten. Selbst wer kein Strom-, Gas- oder Telekommunikationskunde bei EWE ist, hat somit doch irgendwie mit dem Konzern zu tun. Fragen und Antworten:

Welche Rechtsform hat die EWE?

Die EWE ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft (AG). Das heißt, dass der Konzern einige aktienrechtliche Verpflichtungen hat, etwa regelmäßig Geschäftszahlen vorzulegen und für die Finanzmärkte relevante Informationen per Pflichtmitteilung zu veröffentlichen, wie etwa kürzlich die Empfehlung des Aufsichtsratspräsidiums, den Vorstandschef abzuberufen. Es gibt aber keinen Streubesitz der Aktie und auch keinen Handel an der Börse.

Wem gehört die EWE?

Anteile der Kommunen im EWE-Verband

21 Kreise und Städte: Stadt Oldenburg: 11,51 % Kreis Friesland: 10,61 % Kreis Cloppenburg: 10,26 Kreis Wesermarsch: 9,84 Stadt Delmenhorst: 8,64 Kreis Vechta: 6,53 Kreis Emsland: 5,18 Kreis Oldenburg: 5,06 Kreis Ammerland: 4,85 Stadt Leer: 4,02 Kreis Harburg: 3,59 Kreis Stade: 2,90 Kreis Aurich: 2,85 Kreis Rotenburg: 2,74 Kreis Cuxhaven: 2,59 Kreis Verden: 2,02 Kreis Osterholz: 1,73 Kreis Leer: 1,67 Stadt Cuxhaven: 1,28 Kreis Heidekreis: 1,25 Kreis Wittmund: 0,88

Die Mehrheit der Anteilseigner sind 21 Landkreise und Städte aus dem Ems-Weser-Elbe-Gebiet, die derzeit zusammen 84 Prozent der Anteile halten. Sie sind in zwei Verbänden organisiert: die Weser-Ems-Energiebeteiligungen GmbH (WEE) hält 64 Prozent der Kapitalanteile, die Energieverband Elbe-Weser Beteiligungsholding GmbH (EEW) 20 Prozent. Gemeinsam bilden sie den Ems-Weser-Elbe Versorgungs- und Entsorgungsverband. EWE selbst hält zehn Prozent der Anteile. Die verbleibenden sechs Prozent liegen noch in Händen des Karlsruher Energieunternehmens EnBW.

Wird sich an dieser Struktur etwas ändern?

Ja. EnBW war 2009 bei EWE eingestiegen und hatte einen 26-Prozent-Anteil erworben. 2015 verständigte man sich auf ein kompliziertes Tauschgeschäft. Im Kern sieht dies vor, dass EnBW sich in Etappen von seinem EWE-Anteil trennt und im Gegenzug von EWE deren 74,2-Prozent-Anteil am Leipziger Ferngashändler VNG übernimmt. 20 Prozent der Anteile hat EnBW schon abgegeben – jeweils zehn Prozent an die kommunalen Anteilseigner und zehn Prozent an EWE. Von den verbleibenden sechs Prozent wird sich EnBW 2019 trennen. Die kommunalen Anteilseigner haben aber bereits angekündigt, das EnBW-Paket nicht dauerhaft halten zu wollen, sondern dafür einen strategischen Partner zu suchen. Heiner Schönecke, Geschäftsführer des EWE-Verbandes, deutete an, dass es auch möglich sein könnte, dass einzelne Kommunen selbst zusätzliche Anteile erwerben könnten.

Wer führt die EWE AG?

Die Geschäfte der EWE werden von einem Vorstand geführt. Laut Satzung der EWE AG muss dieser „aus mindestens zwei Personen“ bestehen. Die Bestimmung der Anzahl und die Bestellung der Vorstände erfolgt durch den Aufsichtsrat. Zuletzt bestand der EWE-Vorstand aus fünf Personen – eigentlich. Zwei Vorstände schieden Ende 2016 jedoch vorzeitig aus, Personalvorstand Nikolaus Behr im Zuge der sogenannten Spitzelaffäre und drei Monate später auch Technikvorstand Ines Kolmsee, die zuletzt offenbar wenig Rückhalt im Vorstand hatte. Da Vorstandschef Brückmann im Zuge der Spendenaffäre sein Amt zurzeit ruhen lässt, sind die einzigen verbliebenen aktiven Vorstände Marktvorstand Michael Heidkamp und Finanzvorstand Wolfgang Mücher.

Wie ist der Status von EWE-Boss Brückmann?

Arbeitsrechtlich ist Brückmann immer noch EWE-Vorstandschef. Das Präsidium des Aufsichtsrats hat zwar in der vergangenen Woche seine Ablösung empfohlen, endgültig darüber entscheiden wird aber erst der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 22. Februar. Bis dahin lässt Brückmann seine Ämter ruhen. Das heißt, dass er nicht ins Büro kommt und auch keine Termine für EWE wahrnimmt, aber weiter seine Bezüge erhält. Wie es nach dem 22. Februar finanziell für Brückmann weitergeht, hängt von der Entscheidung des Aufsichtsrats ab.

Wer kontrolliert den EWE-Vorstand?

Wie bei Aktiengesellschaften üblich ist dies ein Aufsichtsrat. Orientiert am Aktienrecht ist dieser bei EWE paritätisch besetzt mit je zehn Anteilseigner- und zehn Arbeitnehmervertretern. An der Spitze des Gremiums steht noch Dr. Stephan-Andreas Kaulvers (60), Ex-Vorstandschef der Bremer Landesbank. Eigentlich wäre dessen Amtszeit noch bis Mai 2018 gegangen. Nach Gesprächen mit den kommunalen Anteilseignern hat er kürzlich aber seinen Rücktritt angeboten und wird mit der EWE-Hauptversammlung am 9. Mai sein Mandat vorzeitig niederlegen. Neuer Aufsichtsratschef soll nach NWZ -Informationen Bernhard Bramlage (67), von 2001 bis 2016 Landrat im Landkreis Leer, werden.

Was bringt die EWE den Kommunen finanziell?

Zunächst vor allem eine millionenschwere Dividende. Für das Geschäftsjahr 2015 schüttete die EWE – wie in den Vorjahren auch – 88 Millionen Euro an die Aktionäre aus. Die Ausschüttung bemisst sich an der zur Hauptversammlung gültigen Anteilseignerstruktur. Da der EWE-eigene 10-Prozent-Aktienanteil bei der Ausschüttung nicht berücksichtigt wird, ist das Geld – abzüglich des Sechs-Prozent-Anteils von EnBW und der Verwaltungskosten fast vollständig an die 21 Landkreise und Städte im Nordwesten geflossen. Wie viel Geld jeder einzelne Landkreis bekommt, hängt von der jeweiligen Höhe des Anteils an der EWE AG ab. Die größten Anteile unter den Kommunen halten zurzeit die Stadt Oldenburg (11,51 Prozent) und der Kreis Friesland (10,61). Kleinster Anteilseigner ist der Kreis Wittmund (0,88 Prozent/siehe Infokasten). Sprich, die an Kreise und Städte ausgeschütteten Summen variieren zwischen mittleren sechsstelligen Beträgen und höheren einstelligen Millionenbeträgen.

Welche Besonderheit gab es 2016?

Auf der Hauptversammlung im Frühjahr 2016 hat der EWE-Vorstand vorgeschlagen, aus dem Bilanzgewinn neben der 88-Millionen-Euro-Dividende auch noch eine Sonderzahlung von 137,5 Millionen Euro nur an die kommunalen Anteilseigner auszuschütten. Hauptgrund war das aus EWE-Sicht finanziell sehr erfolgreiche Tauschgeschäft mit EnBW um VNG. Die Hauptversammlung hat diesem Vorschlag zugestimmt

Welche Rolle spielt EWE als Wirtschaftsfaktor?

Neben der Dividende ist die EWE auch ein bedeutender regionaler Wirtschaftsfaktor etwa in Sachen Beschäftigung und Wertschöpfung. 2015 untersuchte das Forschungsunternehmen Conoscope auf Basis der Zahlen von 2012 die regionalwirtschaftlichen Effekte der EWE für das Ems-Weser-Elbe-Gebiet, Bremen/Bremerhaven und Brandenburg/Rügen. Ergebnisse: Auf die damals 7746 EWE-Vollzeitarbeitplätze in den drei Gebieten kommen durch Investitionen von EWE und die Kaufkraft der Belegschaft 17 043 weitere Stellen, in Summe also fast 25 000. Die gesamte Wertschöpfung (direkt und indirekt) betrug laut Conoscope 1,85 Milliarden Euro.

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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