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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wissenschaft: Die Welt hört auf Oldenburg

22.04.2016

Oldenburg Als die Hörforschung 1993 als neues Projekt an der Universität Oldenburg in Angriff genommen wurde, waren die Anfänge eher bescheiden. „Wir waren damals 16 Leute und haben in einem Container gesessen“, sagt Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier. Heute, gut 20 Jahre später, stellen sich mehr als 300 Frauen und Männer mit ihrer Forschungsarbeit in den Dienst eines Zieles: Hören für alle. Oldenburg ist das Silicon Valley für Hörhilfen.

„Wir wollen in den nächsten zehn Jahren das Problem lösen. Dabei geht es zum einen darum, den Schwerhörigen zu helfen, ihr Kommunikationsvermögen nicht zu verlieren. Aber zum anderen wollen wir diejenigen mit der von uns entwickelten Technik unterstützen, die nicht mehr richtig hören können, sich das aber nicht so richtig eingestehen – und sich viel zu spät professionelle Hilfe holen“, so Kollmeier, der führende Kopf der Oldenburger Hörforscher.

Die weltweit den Markt beherrschenden Firmen, die ihre Produkte wie Hörgeräte und Implantate vermarkten, gehen alle bei Birger Kollmeier und seinen Kollegen ein und aus. Denn die Teile der komplizierten Software, das Herzstück der modernen Hörhilfen, stammen aus Oldenburg. In 80 Prozent aller weltweit verkauften Hörgeräte steckt Technik Made in Oldenburg.

„Im ersten Schritt mussten wir zunächst die komplexen Abläufe des natürlichen Hörens verstehen und darauf aufbauend erste Rechenverfahren für Hörsysteme entwickeln, die diese Prozesse für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung übernehmen“, beschreibt Kollmeier.

Die Forscher gehen immer weiter voran. „Durch eine Verbesserung der individualisierten Hör-Diagnostik und der darauf angepassten Versorgung mit persönlichen Hörhilfen wollen wir die Kommunikationssituation der Betroffenen entscheidend verbessern – sei es bei der Arbeit, im Verkehr oder zu Hause. Dazu werden innovative Verarbeitungskonzepte für Hörgeräte und Hörimplantate ebenso weiterentwickelt wie ,assistive’ Technologie für jedermann – also das Hörgerät in jedem Smartphone, Fernseher oder Autoradio“, so Kollmeier.

„Wir wollen zu den Besten der Welt auf unserem Gebiet gehören. Das Ziel erscheint uns durchaus machbar“, betont der Physiker und Arzt Kollmeier. Mit Verlaub: Es ist längst erreicht. Die Welt hört auf Oldenburg.

Durchdachtes System

Denn es ist ein durchdachtes System: die Grundlagenforschung findet an der Universität statt, Biologen und Psychologen sind genauso dabei wie Kollegen der Jade Hochschule, es gibt das Haus des Hörens, das Hörzentrum, Hörtech, Fraunhofer und letztendlich die HNO-Klinik am Evangelischen Krankenhaus.

Für das Programm „Hören für alle“ erhielt das Wissenschaftler-Team um Birger Kollmeier zusammen mit Partnern aus Hannover 28 Millionen Euro. Und es geht weiter. Der Exzellenzcluster Hearing4all war jetzt bei dem Wettbewerb „Spitzenforschung in Niedersachsen“ des Wissenschaftsministeriums und der Volkswagen-Stiftung erfolgreich. Mit der Fördersumme in Höhe von einer Million Euro wollen die Wissenschaftler neue Forschungsfelder erschließen – und so zugleich die Chancen auf eine Verlängerung des Clusters im Nachfolgeprogramm der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern erhöhen.

„Wir möchten sowohl die modernsten Diagnosemethoden als auch verschiedene Typen von Hörhilfen weiterentwickeln und noch stärker miteinander verzahnen“, kündigt Kollmeier an. Er spricht von einem Drei-Säulen-Modell. Die audiologische Präzisionsmedizin hat zum Ziel, die Hördiagnostik wesentlich genauer auf die individuellen Bedürfnisse bei der Anpassung von Hörhilfen auszurichten. So soll ein bedeutend vielschichtigeres Bild von Patienten mit Hörverlust entstehen – mit neuen Einblicken in dessen Ursachen und ihre Zusammenhänge.

Neuer Maßstab

Unter der Überschrift „Hörunterstützung und Sprache“ streben die Oldenburger Wissenschaftler danach, natürliche Sprache in natürlicher Umgebung als neuen Maßstab in der Hörforschung zu etablieren. Die dritte Säule des neuen Verbunds, „Hörhilfen und Gehirn“, soll den Weg zu umfassender Hörunterstützung aller Patienten in allen Situationen ebnen und bisherige Ansätze zur Schnittstelle zwischen Gehirn und Hörhilfe mit neuen Konzepten der Hörhilfe verschmelzen.

Norbert Wahn Redakteur / Politikredaktion
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