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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Notfälle: Dramatischer Kampf um Baby-Leben

07.07.2011

DELMENHORST Diagnose, Entscheidung, Abfahrt. „Es ging alles so schnell, als unsere Jana ins Klinikum nach Oldenburg musste“, erzählt Volker Joritz aus Delmenhorst. Die Sauerstoffversorgung des Babys reichte nicht aus, nur wenige Stunden nach der Geburt wurde Joritz’ erste Tochter von Delmenhorst nach Oldenburg verlegt. Der Vater legt beide Handflächen aufeinander, hält sie vor seinen Mund und spricht langsam weiter: „Das sind die Stunden im Leben, die man nicht vergisst. Alles dreht sich nur um das Wohl des Kindes.“

2845 Gramm Leben

Keine drei Kilo wiegt die kleine Jana Joritz, als sie in den Baby-Notarztwagen geladen wird. Sie liegt in einem Baby-Inkubator, ein medizinischer „Brutkasten“, der aussieht, als sei er dem Labor eines drittklassigen Science-Fiction-Films entliehen. Schläuche hängen heraus, das Beatmungsgerät an der Seite des gläsernen Kastens bläht sich auf. Durch eine Spritzenpumpe fließen Medikamente in den Körper des Kindes. In diesem Kasten kämpft Jana Joritz, 2845 Gramm Menschenleben, während des Transports um ihr Leben.

Es muss schnell gehen, der Rettungsassistent gibt Gas. Hinten im Wagen wirken Beschleunigungskräfte auf den Inkubator. „Optimal wäre ein neuer, quer zur Fahrtrichtung stehender Inkubator im Baby-Notarztwagen“, erklärt Rettungsassistent Dirk Junkmann. Bei einem solchen Modell würden die Beschleunigungskräfte nicht so stark auf die kleinen Frühchen und kranken Neugeborenen wirken, auf so kleine Menschen wie Jana Joritz.

Das Klinikum besitzt aber nicht das neueste Modell. Es ist zu teuer. Die Anschaffung und Ausrüstung eines Baby-Notarztwagens inklusive eines Baby-Inkubators kostet rund 200 000 Euro.

Die Wände des Ruheraums der Station 151 leuchten in einem hellen Orangeton. Professor Jürgen Seidenberg, Direktor der Kinderklinik, sitzt in einem hellbraunen Rattansessel der Neugeborenenintensivstation. Er berichtet, dass der Baby-Inkubator und der Baby-Notarztwagen aus den 1990er Jahren stammen.

Was das für die Sicherheit der Neugeboren bedeutet, veranschaulicht er mit einem Vergleich: „So wie sich Autos durch ESP, Airbags und weitere Sicherheitsfunktionen seit den 90ern technisch verbessert haben, gab es auch für Inkubatoren Verbesserungen beim Federungssystem.“

Erschwerte Bedingungen

Weil die Klinik aber nicht die Mittel für die Anschaffung eines neuen Inkubators und Rettungswagens hat, findet der Transport von kranken Neugeborenen oder Frühchen unter erschwerten Bedingungen statt.

In Delmenhorst kann der Vater der kleinen Jana, Volker Joritz, die fehlende Neuanschaffung nicht fassen. Mit der geballten Faust schlägt der 40-jährige Techniker auf den Esszimmertisch. „Das kann doch nicht angehen! In der Medizin muss alles auf dem neuesten Stand sein: Es geht doch um Menschenleben!“

Genau das ist das Anliegen der Björn-Steiger-Stiftung aus Baden-Württemberg, „weil Inkubator und Fahrzeug offiziell nicht Bestandteil des Rettungsdienstes sind und deshalb von den Krankenkassen nicht bezuschusst werden“, wie es auf der Homepage der Stiftung heißt. Damit die Krankenhäuser trotzdem besser ausgestattet werden können, sammelt die Stiftung Spenden – auch für das Klinikum Oldenburg.

Die Stiftung wurde vor genau 42 Jahren, am 7. Juli 1969, gegründet. Ute und Siegfried Steiger entschlossen sich damals nach dem Unfalltod ihres Sohnes Björn, mit dem gemeinnützigen Verein den Aufbau der Notfallhilfe in Deutschland anzuregen – dazu gehören auch Inkubatoren.

Allein im Jahr 2010 wurden mehr als 130 Frühchen ins Klinikum Oldenburg transportiert und anschließend im Perinatalzentrum „Level eins“ betreut. „Level eins“ bedeutet die höchste Versorgungsstufe bei Krankenhäusern. Ein solches Zentrum versorgt Früh- und Neugeborene mit höchstem Risiko. Aufgrund der Spezialisierung ist der Einzugsbereich des Oldenburger Klinikums groß: Neugeborene aus Geburtskliniken in Meppen oder Leer, aus Papenburg, Aurich oder Nordenham werden hierher gebracht.

Hoffnung auf Spenden

Dr. Matthias Viemann geht zügig durch die Flure der Station 151. Er trägt eine rahmenlose Brille und kurze Haare. Mit seiner blauen Medizinerkleidung wirkt der junge Oberarzt der Kinderintensivstation sehr akkurat. Er erklärt: „Eltern registrieren vor allem die Arbeit auf der Station und nicht so sehr das, was im Rettungswagen geschieht. Sie dann nach der überstandenen Krankheit ihres Babys an die Situation im Rettungswagen zu erinnern und auf die Spende hinzuweisen, wäre taktlos.“ Bei so einer zurückhaltenden Werbung wird die Spendenkasse natürlich nicht so schnell voll: 11 124 Euro hat das Klinikum Oldenburg bisher gesammelt, knapp 190 000 Euro fehlen, um Neugeborene mit neuestem Inkubator und entsprechendem Notarztwagen in das Klinikum zu bringen.

Happy End

Die kleine Jana Joritz ist mittlerweile drei Monate alt. Sie hat den Transport nach ihrer Geburt heil überstanden. Fröhlich lächelnd sitzt sie auf dem Schoß ihrer Mutter Anja Joritz (39). Die Mutter stupst mit ihrer Nase an die Stirn des Kindes. „Ja, du bist ein Sonnenschein, nicht wahr?“, flüstert die Mutter zärtlich. Janas braune Augen weiten sich, sie jauchzt auf. Jana ist ein fröhliches, lebendiges Mädchen.

Evelyn Eveslage Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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