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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Mit Prothese den Milchlaster voll im Griff

17.10.2019

Edewecht /Oldenburg Pro Schicht fahren die Milchsammelwagen vom Deutschen Milchkontor (DMK) etwa 20 landwirtschaftliche Betriebe an. Jedes Mal heißt es für die Fahrer: raus aus dem Führerhaus, mit dem Schlauch die Milch tanken, rein ins Führerhaus. Für Alfred Frericks ist das kein Problem, was manch einen verwundern dürfte. Denn der 55-Jährige hat nur noch ein Bein, was man so allerdings kaum bemerkt: Dank einer hochmodernen Knieprothese hat er keinerlei Probleme zu laufen und die Anforderungen zu erfüllen, die die DMK-Gruppe an ihre Berufskraftfahrer stellt.

Seit Mai arbeitet Frericks am Standort Edewecht für das Unternehmen, das an mehr als 20 Standorten in Deutschland und den Niederlanden rund 7700 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 396 Schwerbehinderte und Gleichgestellte. Frericks selbst brachte viel Berufserfahrung mit. Unter anderem absolvierte er den Meister als Landmaschinenmechaniker, arbeitete einige Zeit selbstständig und machte den Busführerschein. Mit seinem positiven Beispiel vor Augen, hat sich das Deutsche Milchkontor entschieden, bei der Suche nach Auszubildenden zum Berufskraftfahrer bewusst auch Menschen mit Behinderungen anzusprechen. Hintergrund ist auch der Fachkräftemangel, der die Logistikbranche ebenso wie viele andere Branchen trifft.

Integrationsamt hilft

Dirk Rosenthal, Leiter des Fuhrparks im Werk in Edewecht, stellt klar: „Nicht jede körperliche Behinderung lässt es zu, dass man einen Lkw fährt, aber viele.“ Jeder Berufskraftfahrer müsse alle fünf Jahre zur medizinischen Untersuchung. „Wenn der Betriebsarzt die Eignung des Mitarbeiters für die Aufgabe bestätigt, spielt eine Behinderung für uns keine Rolle.“ Hinderlich sei eine Beeinträchtigung des Seh-und Hörvermögens. Ein amputiertes Bein, eine Fuß- oder Armprothese schließe aber nicht aus, dass man Lkw fährt.

Für Alfred Frericks mussten die Laster nicht extra umgerüstet werden. Sei eine Sonderausstattung erforderlich, könne man auf die Unterstützung vom Integrationsamt zählen, berichtet Rosenthal. Er selbst hat sehr positive Erfahrungen mit der Behörde gemacht und weiß von einem Beispiel aus der Baumaschinenbranche, in dem für einen querschnittsgelähmten Mitarbeiter sogar eine herunterfahrbare Fahrerkabine gefördert wurde. Das ist wohl eher eine Ausnahme. Die gängigsten Umbauten für Kraftfahrer mit Amputationen seien die Umsetzung des Gaspedals auf die linke Seite und der Einbau von Lenkhilfen am Steuer.

Bewerber gesucht

Frericks räumt ein: Jede Fahrerkabine käme für ihn nicht infrage. Die Laster im Fernverkehr haben höhere Führerhäuser, da würde das Ein- und Aussteigen mit Prothese, die er seit einem Motorradunfall mit 28 Jahren trägt, doch schwierig werden. Beim Vorstellungsgespräch hat er gleich darauf hingewiesen, dass er vielleicht ein paar Sekunden länger benötigt. „Das beeinträchtigt ja aber nicht die Qualität seiner Arbeit“, sagt Rosenthal. Für ihn steht fest: Man muss bei jedem Arbeitnehmer individuell schauen und ausprobieren, was er kann.

Wichtig sei aber, und das ist das Hauptanliegen von Rosenthal und Frericks, der daher so offen über seine Behinderung berichtet: Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen erst einmal auf die Idee kommen, was auch mit einer Beeinträchtigung alles geht. In der Speditionsbranche seien Fahrer mit Amputationen bisher eher unüblich, sagt Rosenthal. Das Deutsche Milchkontor hat neben Frericks bisher nur einen Mitarbeiter mit Prothese, ihm fehlt ein Arm. „Wir haben uns dafür geöffnet und sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Rosenthal. „Jetzt hoffen wir bei unseren Stellenausschreibungen auf weitere Bewerber, die die notwendigen Voraussetzungen im Hinblick auf die Fahrerlaubnis mitbringen.“


Mehr Infos zur Ausbildung beim DMK unter   www.dmk.de/karriere 
Unterstützung bei Inkulsion:   www.unternehmens-netzwerk-inklusion.de 
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Irmela Herold Redakteurin / Online-Redaktion
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