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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Die erste Sitzung nach dem Rauswurf von Brückmann

25.04.2017

Oldenburg Es wird eine lange Sitzung werden, wenn an diesem Dienstag ab 17 Uhr der EWE-Aufsichtsrat zum ersten Mal seit der spektakulären Entlassung von EWE-Chef Matthias Brückmann tagt; sogar die Mitternachtssuppe soll bereits bestellt sein. Tatsächlich liegt dem 20-köpfigen Gremium „eine ellenlange Liste“ vor, wie ein Teilnehmer im Vorfeld stöhnt. Schlagzeilenträchtige Entscheidungen stehen aber in der EWE-Akademie an der Oldenburger Amalienstraße nicht auf der Tagesordnung.

Worum geht es in der Aufsichtsrats-Sitzung?

Vor allem Formalien sind es, die der Aufsichtsrat turnusmäßig abzuarbeiten hat. Im Mittelpunkt steht der Jahresabschluss des Konzerns, den der EWE-Vorstand dann am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz der Öffentlichkeit vorstellen wird. Die Zahlen sind teilweise bekannt: EWE schloss das Jahr 2016 mit einem Gewinn von 333 Millionen Euro ab. Aufsichtsratschef Dr. Stephan-Andreas Kaulvers erwartet vor diesem Hintergrund eine „normale“ Sitzung.

Bestimmt das Gremium einen neuen EWE-Chef?

Es gibt keine Beschlussvorlage zur Nachfolge des geschassten Vorstandschefs Brückmann, ebenso wenig wie zur Besetzung der zwei anderen vakanten Posten im EWE-Vorstand. Bis auf Weiteres müssen die verbliebenen Vorstände Michael Heidkamp und Wolfgang Mücher die Aufgaben des eigentlich fünfköpfigen Gremiums zu zweit bewältigen.

Wird der Fall Brückmann überhaupt Thema sein?

Den Teilnehmern liegt der Abschlussbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu den Vorwürfen gegen Brückmann vor. Laut Aufsichtsratschef Kaulvers gibt es mittlerweile „ein sehr klares Bild“. Neue Erkenntnisse hat das aber wohl nicht gebracht. „Unsere Entscheidung ist ja gefallen“, sagt Kaulvers mit Blick auf den einstimmig gefällten Beschluss zum Rauswurf des Vorstandschefs, „alles andere ist nun Sache des Gerichts.“

Brückmann hat inzwischen gegen seine fristlose Entlassung geklagt und fordert – zunächst – die Auszahlung eines ausstehenden Monatsgehalts in Höhe von 60 000 Euro. Sollte er damit vor Gericht Erfolg haben, dürften weitere finanzielle Ansprüche laut werden. Vermutlich wird der EWE-Vorstand dem Aufsichtsrats seine Einschätzung zu dem Gerichtsverfahren geben.

Welche Rolle spielen die Korruptionsvorwürfe?

Im Zuge der Affäre Brückmann war bekannt geworden, dass es interne und externe Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht bei der Konzerntochter EWE Netz gibt. KPMG wird den Aufsichtsratsmitgliedern am Dienstag einen Zwischenbericht dazu vorlegen. Entschieden werden soll laut Kaulvers auch bei diesem Thema nichts; belastbare Ergebnisse erwartet er frühestens im Juni.

Möglicherweise gibt der EWE-Vorstand aber einen Ausblick auf Konsequenzen, die das Unternehmen aus den Vorgängen bei EWE Netz und dem Fall Brückmann ziehen will: EWE überarbeitet aktuell die sogenannten Compliance-Regeln, die internen Verhaltensvorschriften. Das wird dann vermutlich auch Thema auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag sein.

Bei welchem Thema könnte es Streit geben ?

Aufsichtsratsmitglied Peter Meiwald, Bundestagsabgeordneter der Grünen, will auf jeden Fall das Thema Managergehälter ansprechen. Er hat an seine Kollegen im Aufsichtsrat ein Diskussionspapier verschickt, in dem er mit Blick auf die „unschönen Entwicklungen im Vorstand“ fordert, „bei den nun anstehenden Neuberufungen in den Vorstand mit etwas mehr Bescheidenheit ans Werk zu gehen“. Ganz konkret empfiehlt Meiwald eine „Orientierung der Vorstandsbezüge an der aktuell auch im Bundestag diskutierten Grenze steuerlicher Abzugsfähigkeit der Gehälter als Betriebsausgaben nur bis zu einer Höhe von 500 000 Euro/Person“.

2015 hatte EWE den fünf Vorständen insgesamt 3,8 Millionen Euro gezahlt.

Was könnte Thema auf den Gängen werden?

Außerhalb der Tagesordnung wird sich der Aufsichtsrat sicherlich mit sich selbst beschäftigen. Zuletzt zeigten sich einige Mitglieder unzufrieden mit dem eigenmächtigen Vorgehen des achtköpfigen Aufsichtsratspräsidium im Fall Brückmann. Zudem stehen Personalveränderungen nicht nur im Konzernvorstand an – auch mehrere Aufsichtsratsmitglieder, darunter der Vorsitzende Kaulvers, geben ihr Mandat im Mai auf.

Als Nachfolger von Kaulvers gilt zwar der frühere Landrat des Landkreises Leer als ausgemacht, Bernhard Bramlage (SPD). Das stößt nach NWZ-Informationen aber nicht überall auf Gegenliebe. Kaulvers, ehemals Chef der Bremer Landesbank, war als externer Wirtschaftskenner in das Gremium geholt worden. Mit Bramlage soll jetzt wieder ein „interner“ Vertreter der Anteilseigner folgen (EWE gehört zu 84 Prozent den Landkreisen und Städten). Zuletzt hatte etwa die Oldenburger FDP „mehr Kompetenz statt Repräsentanz“ gefordert – und empfohlen: „Der Aufsichtsrat sollte weniger Sitze für Politiker und stattdessen mehr für Expertinnen und Experten bereitstellen.“

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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