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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Klitschko weist „Deal“ mit Oldenburger Konzern zurück

02.02.2017

Oldenburg Handballerinnen pfui, Boxer hui? Diese Frage wird heiß diskutiert, seit bekannt geworden ist, dass die EWE im Oktober 2016 eine Spende in Höhe von 253 000 Euro an die Stiftung der Klitschko-Brüder überwiesen hat – nur einen Monat, bevor der Konzern sein finanzielles Engagement für den VfL Oldenburg drastisch zurückfuhr. Künftig müssen die Bundesliga-Handballerinnen jährlich auf eine hohe sechsstellige Summe verzichten.

Was ändert sich beim EWE-Sponsoring?

Die EWE will viele Sponsoring-Aktivitäten zurückfahren. Bislang unterstützte EWE die Handballerinnen als größter Sponsor mit rund 500.000 Euro pro Saison. Ab der Saison 2017/18 sollen es nach NWZ -Informationen nur noch 350.000 Euro sein, im Anschluss daran sogar nur noch 50.000 Euro. Fraglich ist auch, ob die EWE ihr Sponsoring-Engagement beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen über die Saison 2017/18 hinaus fortsetzen wird. Zuletzt unterstützte der Konzern die Bremer Fußballer dem Vernehmen nach mit rund 3,5 Millionen Euro.

Bereits Anfang November 2016 hatte das Unternehmen nach 15 Jahren die Auflösung des EWE-Sailing-Teams, in dem erfolgreiche Segler gefördert wurden, beschlossen. Auch der in der 2. Bundesliga spielende Oldenburger Tennisverein muss in diesem Jahr mit der Hälfte des bislang von der EWE zur Verfügung gestellten Summe auskommen.

Was steckt hinter der Klitschko-Spende?

Offenbar ging EWE-Chef Matthias Brückmann davon aus, dass es für die großzügige Spende eine Art Gegenleistung geben würde: Boxer Wladimir Klitschko, mit Brückmann offenbar persönlich bekannt, sollte für PR-Veranstaltungen nach Oldenburg kommen. Der EWE-Chef hat das auch mehrfach kommuniziert: Nach NWZ -Informationen sprach Brückmann über den möglichen Klitschko-Besuch sowohl mit den EWE Baskets, deren Sponsor EWE ist, als auch mit Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. So sollte sich Klitschko unter anderem ins Goldene Buch der Stadt eintragen, was zuvor beantragt werden muss. Nach Auskunft der Stadtverwaltung hat es aber nie eine offizielle Anfrage dazu gegeben.

Wladimir Klitschko war bis heute nicht in Oldenburg.

Dürfen Gegenleistungen für Spenden verlangt werden?

Nein. Spenden sind Schenkungen, steuerrechtlich setzen sie Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit voraus. Anders verhält es sich beim Sponsoring: Hier wird normalerweise vertraglich geregelt, dass Leistung mit Leistung vergolten wird. Soll heißen: Ein Unternehmen zahlt beispielsweise Geld dafür, dass es eine Werbewirkung erhält – so wie EWE im Fall der EWE Baskets.

Im Verhaltenskodex der EWE heißt es dazu: „Spenden sind Ausdruck unseres gesellschaftlichen Engagements und haben das alleinige Ziel, den Spendenempfänger zu unterstützen.“ Sponsoring diene „im Gegensatz“ dazu, „das EWE-Leistungsangebot (...) gegenüber bestehenden und potenziellen Kunden zu kommunizieren“. Sponsoring darf auch nur auf Grundlage eine schriftlichen Vertrags erfolgen.

Im Fall Klitschko gab es nach NWZ -Informationen keinen Vertrag und keine schriftliche Vereinbarung, allenfalls mündliche Absprachen.

Was sagt das Management von Klitschko dazu?

Bernd Bönte von der Klitschko Management Group GmbH in Hamburg bestätigt, dass es im Oktober 2016 „eine Spende der EWE AG“ in Höhe von 253.000 Euro an die „Klitschko Foundation“ gegeben hat. Der „Managing Director“ betont, dass an diese Summe keine Bedingungen für Sponsoringleistungen geknüpft gewesen seien „Dementsprechend kann es auch nie eine Erwartung entsprechender Gegenleistungen geben haben“, so Bönte.

Kann die Spende strafrechtliche Folgen haben?

EWE-Chef Brückmann steht in Verdacht, gegen die konzerneigenen Verhaltensregeln verstoßen zu haben. Die externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG untersucht derzeit, ob Brückmann möglicherweise die Transparenz- und Dokumentationsvorschriften verletzt hat. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht aber die Frage, ob er seine Kompetenzen überschritten hat: Laut EWE-Vorgabe darf der Vorstandschef lediglich über Spenden in Höhe bis zu 50.000 Euro freihändig entscheiden – Brückmann sagte Klischko aber eine mehr als fünf Mal so hohe Summe zu.

Dass so etwas auch strafrechtlich relevant sein könnte, ist zumindest nicht „völlig abwegig“, meint der Oldenburger Rechtsanwalt Hans-Henning Adler. Adler, ehemaliger Landtagsabgeordneter für die Linke, hatte 2011 bereits Strafanzeige gegen Brückmanns Vorgänger Werner Brinker gestellt; damals ging es um den Vorwurf der Untreue vor dem Hintergrund von Millionen-Zahlungen für das Schul-Projekt „Sign“.

Allerdings weist Adler darauf hin, dass sich der Untreue-Verdacht gegen Brückmann wohl erledigen würde, wenn ein zweites Vorstandsmitglied die Spendenanweisung unterschrieben habe. Nach NWZ -Informationen hat EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp im Fall Klitschko die erforderliche zweite Unterschrift geleistet.

Wie handlungsfähig ist der EWE-Vorstand noch?

Vorstandschef Brückmann ist nicht das einzige Mitglied aus der EWE-Führung, das zuletzt in die Schlagzeilen geraten ist. Im September 2016 war Personalvorstand Nikolaus Behr zunächst beurlaubt worden und verließ kurze Zeit später den Konzern, weil er einen früheren Angestellten illegal überwachen ließ. Die Ermittlungen in der Spitzel-Affäre laufen noch. Mit Wirkung zum 31. Dezember 2016 verließ Technikvorstand Ines Kolmsee offiziell auf eigenen Wunsch das Energieunternehmen. Nach NWZ -Informationen soll die 46-Jährige in der EWE-Führung zuletzt aber auch nur noch wenig Rückhalt gehabt haben.

So gehören aktuell dem normalerweise fünfköpfigen Vorstand nur noch drei Mitglieder an. Neben dem angezählten Vorsitzenden Brückmann sind dies Finanzvorstand Wolfgang Mücher, der erst seit März 2016 in EWE-Diensten steht, und Marktvorstand Michael Heidkamp, seit November 2015 Vorstandsmitglied.

Vor wenigen Tagen wurde zudem bekannt, dass EWE-Aufsichtsratschef Dr. Stephan-Andreas Kaulvers auf Wunsch der kommunalen Anteilseigner sein Mandat am 9. Mai 2017 – und damit ein Jahr früher als vorgesehen – niederlegen wird. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020
Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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