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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

„Einwanderung ist keine Bedrohung“

26.04.2012
NWZonline.de NWZonline 2015-07-24T14:53:00Z 280 158

Olb-Forum:
„Einwanderung ist keine Bedrohung“

OLDENBURG Für eine neue Sichtweise der Einwanderungsproblematik in Deutschland plädierte der Integrationsforscher Prof. Dr. Klaus J. Bade im Rahmen des OLB-Forums „Wissen und Zukunft“ in der Oldenburger Weser-Ems-Halle.

Zuwanderung dürfe nicht mehr als Bedrohung, sondern müsse als Chance und wichtige Zukunftsaufgabe gesehen werden. Bade: „Es gibt keinen Anlass für hysterische Zukunftsängste.“ Tatsächlich habe der globale Wettbewerb um die besten Köpfe bereits begonnen.

Um in diesem Konkurrenzkampf bestehen zu können, müssten langfristige Konzepte entwickelt werden. So sei es besser, umfassende Orientierungskurse statt isolierten Sprachunterricht anzubieten. Mit hektischen Drehbewegungen am Steuerrad sei ein großer Tanker nicht wirksam zu lenken. „Wir machen vieles ganz gut in Deutschland, aber oft erst zu spät“, unterstrich der Professor, der jetzt nach seiner Osnabrücker Hochschularbeit in Berlin lebt. Schon vor Jahrzehnten habe er gefordert, die beruflichen Qualifikationen der Zuwanderer anzuerkennen.

Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Ost-West-Zuwanderung und der notwendigen Roma-Integration forderte Bade die Bundesregierung auf, die Kommunen nicht allein zu lassen. Ohne eine wirksame Unterstützung durch den Bund könnten die anstehenden Fragen nicht sachgerecht beantwortet werden. Bade lobte in diesem Zusammenhang, dass in vielen Städten bereits interessante Konzepte zur Integration von Zuwanderern entwickelt worden seien.

Grundsätzlich, so der Wissenschaftler, der auch Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) ist, müsse schon aus Eigennutz ein wirksames System zur Integration von Migranten entwickelt werden. Es gelte, die gegenwärtige „Gnadenerlass-Mentalität“ bei den Behörden zu überwinden und eine tatsächliche Willkommenskultur zu entwickeln. Bade: „Einwanderung soll Spaß machen – zum Nutzen für alle Beteiligten.“

Als hoffnungsvolles Zeichen wertete der Referent die Tatsache, dass sich deutsche Behörden zunehmend über die Einwanderungspraxis von Ländern wie Kanada oder den USA informierten. Dort sei jeweils ein faires System entwickelt worden, bei dem klar und deutlich auch die Kriterien aufgelistet seien, die ein Einwanderer erfüllen müsse.

Bei der Integration könnten übrigens Netzwerke von Patenschaften zur Unterstützung der Einwanderer helfen. Die Bereitschaft kompetenter Menschen zur Mitarbeit sei größer als von vielen erwartet.