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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Einzelhandel zieht Touristen an

01.04.2014

Oldenburg /Jever Eine malerische Altstadt, viele historische Gebäude und verwinkelte Gassen – Oldenburg könnte alleine mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten tausende Touristen aus ganz Deutschland und dem Ausland anlocken. Doch es gibt noch einen gewichtigen Grund, aus dem vor allem Tagesausflügler die Huntestadt besuchen. Wichtigstes Argument für eine Reise nach Oldenburg sei der inhabergeführte Einzelhandel, sagt die Geschäftsführerin der Oldenburger Tourismus und Marketing GmbH, Silke Fennemann.

Und damit steht Oldenburg im Nordwesten nicht alleine da. Etwas weiter nördlich in Jever etwa, locken nicht nur das Schloss mit dem auffälligen Zwiebelturm und die einladenden Grünflächen in die Innenstadt. „Inhabergeführte Geschäfte sind auch unser Plus“, erklärt Dirk Eden, Vorsitzender des Vereins „Jever aktiv“. Man habe es geschafft, den Einzelhandel in der Stadt zu konzentrieren und eine Abwanderung an den Stadtrand zu verhindern.

Ausflug zum Einkauf

Auch in Ostfriesland nutzen die Touristiker zunehmend den Trend zum Stadturlaub und rücken das Shopping in den Mittelpunkt ihrer Werbung um Tagesgäste. Einen „Landgang mit vielfältigen Möglichkeiten“ preist die Ostfriesland Tourismus GmbH. Fast jede Stadt in Ostfriesland habe eine Fußgängerzone mit kleinen individuellen Shops und namhaften Boutiquen, heißt es da.

Der Kölner Tourismusexperte und Marktforscher Jan Kobernuß hat sich mit dem Trend beschäftigt und kann ihn erklären. Es gebe genügend Untersuchungen über das Freizeitverhalten der Menschen, sagt Kobernuß. Gerade bei Tagesausflügen stehe dabei das Einkaufen mit zehn Prozent der Aktivitäten ganz weit oben – gleichauf mit dem Besuch von Veranstaltungen. „Die Leute fahren gerne nach Oldenburg oder Bremen zum Bummeln.“ Diese Tagesgäste würden wiederum 38 Prozent ihres Geldes für Einkäufe ausgeben. „Das ist erstaunlich viel“, meint der Fachmann. Und es ist ähnlich viel, wie in Essen und Getränke investiert wird. Bei Übernachtungsgästen seien es allerdings nur 15 Prozent.

Kobernuß betont, dass Tagesgäste meist aus dem unmittelbaren Umland kommen. Schon eine Fahrt in der Freizeit von Oldenburg nach Bad Zwischenahn zähle als Tagesausflug.

Aber was macht den Unterschied zwischen einer normalen Fußgängerzone und einer attraktiven Innenstadt? Warum lockt gerade Oldenburg die Tagestouristen in Scharen an? Kobernuß nennt dafür mehrere Gründe. „Die Besucher lieben historische Kulissen.“ Architektonisch herausragende Städte seien gefragt, mit kleinen, gebogenen Straßen. Zum anderen gehe es den Tagestouristen nicht um den großen Einkauf, nicht um Hochpreisiges, sondern um originelle Dinge, die oft spontan mitgenommen würden. „Inhabergeführte Geschäfte bieten in der Regel die bessere Betreuung“, sagt Kobernuß. Auf der Einkaufliste der Kunden stehen vor allem Bekleidung, Schuhe und Bücher.

In Zeiten von Städten, die durch die Ausbreitung von Filialisten immer gleichförmiger werden, versuchen einige Kommunen mit einem Gegentrend zu punkten. In Niedersachsen gibt es dafür sogar politisch unterstützte Konzepte. „Ab in die Mitte“, heißt eines davon, mit dem Land und Wirtschaft die Innenstädte lebendiger machen wollen. Zu den Preisträgern 2014 gehören unter anderem Friesoythe und Nordenham. SPD-Wirtschaftsminister Olaf Lies (Sande) lobte alle Preisträger. Sie hätten die Zeichen der Zeit erkannt und mit „vielen pfiffigen Ideen“ Werbung für ihre Innenstädte gemacht.

In der Initiative aboutcities.de, die ebenfalls finanziell vom Land unterstützt wird, werben 17 niedersächsische Städte im Internet um Städtetouristen. Mit dem Blog, an dem sich auch Oldenburg und Wilhelmshaven beteiligen, sollen Menschen angesprochen werden, die das besondere für ihren Kurzurlaub suchen, bisher aber niedersächsische Städte nicht so recht auf dem Schirm haben. So die Botschaft der Initiatoren.

Enge Zusammenarbeit

Die Zahlen der Tourismus Marketing Niedersachsen GmbH belegen den Trend zu Kurzreisen in Städte. So konnte etwa Emden 2013 im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 16,7 Prozent bei den Übernachtungen verbuchen, Oldenburg drei Prozent mehr und Wilhelmshaven 2,3 Prozent plus.

Zurück nach Oldenburg. In der Stadt übernachten vor allem Geschäftsreisende, weiß Silke Fennemann. Mit rund zwölf Millionen Gästen jährlich sei Oldenburg aber weiterhin stark durch den Tagestourismus geprägt, sagt sie. „Wir wissen, dass den Gästen das Thema Einkaufen wichtig ist.“ Der Bruttoumsatz des Tourismus betrage rund 380 Millionen Euro jährlich, etwa die Hälfte davon fließe in den Einzelhandel.

Weil man in Oldenburg um die Stärken weiß, arbeiten hier laut Fennemann Tourismusmarketing, City-Management und Einzelhandel bei der Werbung eng zusammen. Der inhabergeführte Einzelhandel sei das „Aushängeschild der Stadt“, erklärt Rolf Knetemann, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Einzelhandel Nordwest. Dass sich die Filialisten in Oldenburg nicht so ausbreiten können wie anderswo, führt Knetemann auf die „historisch bedingte Nachfolgekultur“ zurück. Geschäfte würden über Generationen in der Familie weitergegeben. „Papier-Onken“ sei nur ein Beispiel dafür. Das Geschäft gibt es seit 1869.

Zum Schluss noch einmal Tourismusexperte Kobernuß: „Alles in Summe macht die Aufenthaltsqualität einer Stadt aus.“

Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008

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