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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Schlachthof Vion erstattet Anzeige wegen Flugblätter-Aktion

17.01.2019

Emstek Das Unternehmen Vion hat Daniela Reim, Beraterin bei der niedersächsischen Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg, angezeigt. Sie hatte nach Bekanntwerden der Tuberkulose-Fälle bei rumänischen Werkvertragsarbeitern vor dem Emsteker Schlachthof Flugblätter verteilt.

Daniela Reim war, wie bereits berichtet, beim Verteilen der Flugblätter am 27. Dezember des Betriebsgeländes verwiesen worden. Die Polizei Cloppenburg bestätigt, dass noch am selben Tag eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs einging. Als die Anzeige die Beraterin am 7. Januar erreichte, sei sie „ziemlich überrascht“ gewesen. Es sei ja nicht das erste Mal gewesen, dass sie bei Vion Flugblätter verteilte. „Die Anzeige betrachte ich als skandalös und lächerlich“, sagt Reim. Die Flugblätter, die sie auf dem Parkplatz verteilt habe, sollten über den Schutz vor der Lungenkrankheit aufklären. „Natürlich werde ich weiter Flyer verteilen“, sagt die Beraterin. Sie gehe auch zu den Arbeitern, in die Unterkünfte: „Da können sie mich nicht wegschicken. So schnell werden sie mich nicht los.“

Die Verteilaktion sei nicht abgestimmt gewesen, hatte das Unternehmen kurz nach dem Vorfall erklärt. Die Betriebsleitung habe Daniela Reim nicht wegen des Verteilens von Flugblättern angezeigt, sagte Pressesprecher Karl-Heinz Steinkühler am Mittwoch auf NWZ-Anfrage. Aus Sicherheitsgründen habe Vion sie aufgefordert, das Betriebsgelände zu verlassen. Reim habe sich geweigert, daraufhin folgte die Anzeige.

Vion habe seit Beginn des ersten TBC-Verdachtsfalls alle Mitarbeiter in den jeweiligen Landessprachen umfassend über den Hergang und die möglichen gesundheitlichen Konsequenzen informiert, so Steinkühler. Gemeinsam mit den zuständigen Gesundheitsbehörden habe das Unternehmen zu jeder Zeit offen kommuniziert. Laut Daniela Reim haben die Mitarbeiter nur mündliche Informationen bekommen. Sie findet es aber wichtig, dass sie auch schriftliche Informationen zum Nachlesen erhalten.

Ein Schlachthof-Mitarbeiter war Mitte Dezember gestorben, weitere Mitarbeiter waren an offener TBC erkrankt. Es hatte im Kreis Cloppenburg insgesamt 60 TBC-Verdachtsfälle gegeben.

Inga Wolter stv. Ltg. / Online-Redaktion
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