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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

„So was wollen wir nie wieder haben“

09.09.2017
Oldenburg Frage:  – Herr Bramlage, monatelang haben externe Prüfer die verschiedenen Vorwürfe gegen die EWE untersucht, jetzt liegen die Abschlussberichte vor. Wie schlimm steht es um das Unternehmen?
Bramlage: Es steht nicht schlimm um die EWE. Die Berichte haben Licht- und Schattenseiten gezeigt: Erfreulich ist, dass sich die gegen einzelne Personen erhobenen Korruptionsvorwürfe im Bereich der EWE Netz nicht bestätigt haben. Deutlich geworden ist aber auch, dass das interne Kontrollsystem bei EWE dringend einer Nachbearbeitung bedarf, weil es sich in bestimmten Fällen nur als beschränkt wirksam herausgestellt hat.
Frage: Es gab ganz konkrete Anschuldigungen: Mitarbeiter von EWE Netz sollen als Gegenleistung für die Vergabe von Aufträgen Geld kassiert oder Einladungen zu Essen und sogar Reisen angenommen haben…
Bramlage: … das hat sich alles nicht bestätigt. Anonym lässt sich viel behaupten, wir haben uns die Fakten angesehen. Wir haben keine Korruptionsvorgänge festgestellt. Es gibt damit auch keine Notwendigkeit, personelle Konsequenzen zu ziehen.
Frage: Vor allem die Namen von zwei EWE-Führungskräften waren im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten: SWB-Vorstand Timo Poppe und EWE-Netz-Geschäftsführer Torsten Maus. Den beiden wird zudem vorgeworfen, bei einem anderen Thema ihre Pflichten verletzt zu haben: EWE Netz soll bei der Gewährung von Zulagen für Schichtarbeiter Steuern fehlerhaft abgeführt haben.
Bramlage: Ja, die steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Zuschlägen war fehlerhaft. Der Finanzverwaltung wird aber kein Geld vorenthalten. EWE arbeitet mit dem Finanzamt an einer abschließenden Lösung. Der Ursprung des Problems liegt aber nicht in der EWE Netz, sondern in der EWE AG. Den Details werden Aufsichtsrat und Vorstand noch nachgehen und dabei auch nach persönlichen Verantwortungen fragen.

Bernhard Bramlage

Den Job des EWE-Aufsichtsratsvorsitzenden hat Bernhard Bramlage mitten in der größten Krise des Energieversorgers übernommen: am 1. Juni 2017. Er folgte auf Stephan-Andreas Kaulvers; der ehemalige Chef der Bremer Landesbank hatte den Posten vorzeitig geräumt.

Der 68-Jährige stammt aus Friesoythe (Landkreis Cloppenburg). Nach dem Jura-Studium arbeitete er u.a. in Konstanz und Delmenhorst, zuletzt war der SPD-Politiker Landrat des Landkreises Leer.

Frage: Meinen Sie die damit Verantwortung von Timo Poppe und Torsten Maus?
Bramlage: Nein. Ich kann keine Pflichtverletzung von Herrn Poppe feststellen. Und bei Herrn Maus sehe ich, wenn überhaupt, einen formalen Pflichtverstoß.
Frage: Was bedeutet das: „formaler Pflichtverstoß“?
Bramlage: Das bedeutet, dass jemand nach außen noch formal zuständig war, intern aber die Aufgabe schon verlagert war. Aber dort wurde sie dann nicht wahrgenommen. Die Ursachen dafür werden wir im Detail noch klären. Das sind Defizite, die man dem Geschäftsführer von EWE Netz nicht anlasten kann. Jetzt geht es eher um die Frage, wie man solche Probleme für die Zukunft abstellen kann. Es ist Sache des Vorstands, das aufzuarbeiten.
Frage: Was bedeutet das für die genannten Personen? Würden Sie sagen, Herr Poppe, der ja auch wegen einer Fahrt in den Skiurlaub in die Kritik geraten war, ist voll und ganz rehabilitiert?
Bramlage: Ja, das ist mein Ergebnis. Zu der besagten Fahrt für 300 Euro gab es ja bereits einen Prüfbericht, laut dem ihm nichts vorzuwerfen ist. Aber dazugelernt haben hier die Beteiligten sicher auch.
Frage: Und was bedeuten die Prüfergebnisse für Herrn Maus?
Bramlage: Formal war Herr Maus als Geschäftsführer natürlich für die ordnungsgemäße Abführung von Steuern verantwortlich, aber das Problem lag woanders. Ich sehe insoweit keinen Pflichtverstoß, der irgendwelche Konsequenzen für ihn haben sollte.
Frage: Sowohl Poppe als auch Maus wurden als Kandidaten für den EWE-Vorstand gehandelt – und haben dann im Zuge der öffentlichen Diskussion über die Vorwürfe gegen sie ihren Verzicht auf einen Chefposten erklärt. War das ein Fehler aus heutiger Sicht?
Bramlage: Ich habe die Situation für Herrn Poppe und Herrn Maus so empfunden, dass sie sehr belastend für sie war. Da kann man nicht mehr in den Kategorien richtig oder falsch urteilen.
Frage: Dann frage ich anders: Bedauern Sie die Entscheidung von Poppe und Maus?
Bramlage: Ich schätze beide sehr, daraus habe ich nie einen Hehl gemacht.
Frage: Glauben Sie, dass die beiden noch einmal eine Rolle spielen werden als Kandidaten für den EWE-Vorstand?
Bramlage: Das weiß ich nicht, ich kenne deren Lebensplanung ja nicht.
Frage: Auslöser der EWE-Krise war die sogenannte Klitschko-Spende, die der mittlerweile entlassene Vorstandschef Matthias Brückmann veranlasst hatte. Wie ist da der Stand der Dinge?
Bramlage: Der Fall Brückmann spielte in den aktuellen Berichten fast keine Rolle mehr. Da geht es vor Gericht weiter. Einen Termin haben wir aber noch nicht, kurzfristig wird es auch keinen geben.
Frage: Wir haben es in den vergangenen Monaten mit einem ganzen Bündel an Vorwürfen gegen die EWE und EWE-Führungskräfte zu tun gehabt. Was sagt der Aufsichtsratschef: Hat der Aufsichtsrat immer seine Arbeit getan?
Bramlage: Der Aufsichtsrat ist nicht für die nachgeordneten Bereiche zuständig, er ist primär für die Vorstandsebene zuständig. Und da sind wir in der Vergangenheit sehr schnell tätig geworden: Wir sind schnell tätig geworden, als Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden erhoben wurden. Wir haben uns auch mit Personen beschäftigt, die in die Vorstandsebene kommen konnten. Und wir sind den Korruptionsvorwürfen unverzüglich nachgegangen.
Frage: Und beim Thema Steuern und Sozialabgaben?
Bramlage: Die Verantwortung für die fehlerhafte steuerliche Behandlung der Zuschläge werden wir gemeinsam mit dem Vorstand weiter klären und uns auch noch einmal mit der möglichen Verantwortung ehemaliger Vorstandsmitglieder beschäftigen. Die darunter liegenden Ebenen sind Sache des Vorstands. Und der wird die Mängel in den internen Kontrollsystemen und der Compliance-Überwachung nun abstellen. Wir wollen eine solche Situation wie in den vergangenen Monaten nie wieder haben.
Frage: Apropos Vorstand: Die externen Prüfer haben sich auch mit der Rolle des aktuellen Vorstandsmitglieds Michael Heidkamp bei der Klitschko-Spende beschäftigt, auch die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen ihn. Gibt es da neue Erkenntnisse?
Bramlage: Nein. Der Aufsichtsrat hatte Herrn Heidkamp aufgrund der Prüfberichte ja bereits entlastet.
Frage: Jetzt gibt es zentimeterdicke Berichte, in denen die verschiedenen Vorwürfe gegen die EWE aufgearbeitet worden sind. Engagiert und bezahlt hat die Prüfer: die EWE. Wie glaubwürdig sind solche Berichte?
Bramlage: Wir haben nicht eingewirkt auf die Prüfer. Wir haben KPMG als externe Wirtschaftsprüfungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft beauftragt. KPMG war deshalb sehr eigenständig unterwegs und hat sehr umfassend ermittelt, was für die Mitarbeiter zeitweise sehr belastend war. Der Aufsichtsrat der EWE AG wollte eine umfassende Prüfung. KPMG ist kein Unternehmen, bei dem man einen Persilschein bestellen kann.
Frage: Noch immer besteht der eigentlich fünfköpfige EWE-Vorstand nur aus zwei Personen. Wann werden die offenen Posten besetzt?
Bramlage: Ich hoffe, dass die notwendigen Entscheidungen zur Besetzung der vakanten Stellen bis Jahresende fallen.
Frage: Und wer wird Chef?
Bramlage: Den Namen sage ich Ihnen, wenn der Aufsichtsrat eine Entscheidung getroffen hat.
Frage: Mit dem Verzicht von Poppe und Maus sind Ihnen zwei interne Vorstandskandidaten verloren gegangen, die das Unternehmen und den Nordwesten sehr gut kennen. Gibt es unter den aktuellen Bewerbern aussichtsreiche regionale Kandidaten?
Bramlage: Darüber können wir uns dann unterhalten, wenn der Aufsichtsrat entschieden hat.
Frage: Letzte Frage: Können Sie die größte Krise in der Geschichte der EWE jetzt für beendet erklären?
Bramlage: Ich weiß nicht, ob es die größte Krise war. Es war auf jeden Fall eine sehr belastende Zeit für die Mitarbeiter und das gesamte Unternehmen. Ich habe oft den Satz gehört: Mein Gott, wann können wir endlich wieder normal arbeiten? Ich glaube, dass ein großer Teil dieser Belastung jetzt weg ist.
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
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