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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Ex-Politiker des Betrugs schuldig

28.06.2006

OLDENBURG /HUDE Der Huder hatte sich als Reisejournalist ausgegeben und kostenlos mit Begleitung in Hotels übernachtet. Er soll 900 Euro zahlen.

Von Kerstin Buttkus OLDENBURG/HUDE - Schuldig des Betrugs in zwei Fällen: So lautet das Urteil, das gestern gegen den ehemaligen niedersächsischen CDU-Landtagsabgeordneten Thorsten Thümler gesprochen wurde. Der Oldenburger Amtsrichter Georg Fuhrmann sah es als erwiesen an, dass sich der heute 35-jährige Huder im Sommer 2005 bei Hotels in Mecklenburg-Vorpommern als Reisejournalist ausgegeben und auf diese Weise kostenlose Übernachtungen erschlichen hatte. So zum Beispiel geschehen im Kempinski-Grand-Hotel Heiligendamm an der Ostsee. Thümler soll nun 900 Euro (30 Tagessätze à 30 Euro) Geldstrafe zahlen.

Das tut er vorerst allerdings nicht. Sein Verteidiger Jens-Peter Gieschen, der auf Freispruch plädiert hatte, kündigte an, Berufung einlegen zu wollen. Zuvor hatte Oberstaatsanwalt Thomas Sander eine Strafe von 2100 Euro (30 Tagessätze à 70 Euro) gefordert.

Zu Beginn des von vielen Medienvertretern beobachteten Prozesses verlas Thümler, der nach Bekanntwerden der Affäre seine politischen Ämter aufgegeben hatte und nach eigenen Angaben derzeit weitgehend vom Einkommen seiner Verlobten lebt, eine Erklärung. Darin hieß es, dass er bei den Hotels vorstellig geworden sei, um seiner Verlobten den Weg in den Journalismus zu bahnen. Sie habe ihn, den gelernten Journalisten, um Hilfe gebeten. Dem Wunsch sei er nachgekommen, indem er die Hotels angerufen habe. Weiteres habe die Lebensgefährtin

organisiert.

So faxte sie eine Kopie von Thümlers Presseausweis, den er aus seiner Zeit in der Pressestelle des Bauernverbandes besaß. Auf Nachfrage legte sie auch Artikel vor. Diese aber stammten nicht aus der Feder des damaligen Abgeordneten, sie waren dem Reiseteil der NWZ entnommen. Es habe sich nicht um Arbeitsproben gehandelt. Man habe nur Beispiele liefern wollen, wie die Berichterstattung aussehen könnte, sagten beide.

Warum sie die Namenszeilen der tatsächlichen Verfasser auf den Faxen entfernt hatte, konnte sich die 27-Jährige gestern nicht mehr erklären. Ihr Lebensgefährte habe davon nichts gewusst, betonte sie mehrfach.

Der Amtsrichter äußerte Zweifel an dieser Version; Auswirkungen auf das Urteil hätten die aber nicht. „Die Hotels fühlten sich getäuscht. Herr Thümler hatte den Kontakt zu ihnen aufgenommen. Er hatte gesagt ,Ich bin Reisejournalist, ich will berichten‘. Das stimmte nicht. Er wäre nicht zu den kostenlosen Übernachtungen gekommen, wenn er gesagt hätte, dass er seiner Freundin den Einstieg in den Journalismus verschaffen will.“ Thümler habe sich in zwei Fällen des Betrugs schuldig gemacht. Zwei weitere Anklagepunkte wurden fallen gelassen.

Zu dem Prozess war es gekommen, weil der 35-Jährige Einspruch gegen einen im Februar ausgestellten Strafbefehl über 6000 Euro eingelegt hatte. Nach der Ankündigung seines Anwalts, Rechtsmittel einzulegen, wird der Fall in die zweite Instanz gehen. Gegen die Verlobte soll die Staatsanwaltschaft ein gesondertes Verfahren eingeleitet haben.

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