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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Interview: Faszination für Feuer, glühenden Stahl und Metall

26.03.2012

TelefonDie Freude bei Heinrich Ehnert über die Auszeichnung „1. Bundessieger der Handwerkskammer Oldenburg“ ist groß. Er freue sich riesig darüber. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung, in denen er versucht habe, so viel wie möglich an Wissen von seinem Lehrmeister Alfred Bullermann aus Friesoythe mitzunehmen, sei dies ein toller Abschluss der Ausbildung, sagt der 23-jährige gebürtige Dresdener. Nach dem Abitur 2006 und seinem Zivildienst in einer heilpädagogischen Schule, begann Heinrich Ehnert im September 2007 seine Ausbildung bei Alfred Bullermann im Atelier Eisenzeit. Frage: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Interesse für das Schmiedehandwerk entwickelt haben? Gab es diesbezüglich schon Berührungspunkte in der Kindheit? Welchen Antrieb hatten Sie? Ehnert:Ich bin mit dem Handwerk groß geworden. Mein Vater selbst ist auch Metallgestalter und führt gemeinsam mit meiner Mutter einen Handwerksbetrieb in Dresden. Dadurch lag die Entscheidung für diese Ausbildung sehr nahe, wurde mir aber nie aufgedrängt. Spielerisch durfte ich mich als Kind das ein oder andere Mal an Hammer und Amboss versuchen. Ganz bewusst entschied ich mich erst während meines Zivildienstes dafür. Ich wollte sehr gern kreativ arbeiten und unbedingt mit meinen Händen Dinge entstehen lassen, also schöpferisch tätig sein. All das erfüllte mir die Ausbildung. Hinzu kam die Faszination für Feuer, glühenden Stahl und Metall als Werkstoff an sich: eine Welt, die voller spannender Kontraste steckt. Frage: Gab es ein Vorbild? Ehnert: Ich denke, ich hatte während der Ausbildung mehrere Vorbilder: nicht nur Alfred Bullermann und meinen Vater, auch Schmiede und Gestalter, die ich während der Ausbildung kennenlernte und von denen ich lernen konnte. Am meisten beeindruckt hat mich aber immer wieder die erlebte Einstellung der Gestalter zu ihrer Tätigkeit. Nie zum „Stillstand“ zu kommen. Frage: Was ist für Sie das Faszinierende an diesem Handwerk? Ehnert: Um hier nur einiges aufzuzählen: die gestalterische Freiheit, die Form der Dinge in den meisten Fällen selbst bestimmen zu dürfen. Die Vielseitigkeit der Möglichkeiten und Techniken, die der Werkstoff Metall in sich birgt. Die Individualität der Kundenwünsche und die so entstehenden Produkte. Dadurch stellen sich immer neue spannende Aufgaben. Nicht nur traditionelle Techniken wie das Schmieden werden dann gefordert, auch moderne Verfahren werden eingesetzt. Das ganzheitliche Arbeiten: vom Entwurf bis zur Ausführung. Frage: Wie war der erste Tag der Ausbildung? Ehnert: Sehr spannend, denn natürlich war ich aufgeregt. Aber ich wurde sehr freundlich und herzlich begrüßt, nicht zuletzt mit einer Zuckertüte, die alles Nötige für meinen Start im Atelier Eisenzeit enthielt. Viel gut verpackter Humor mit einem Fingerzeig zur nötigen Ernsthaftigkeit für die Ausbildung: ein kleiner Sack Kohle. Frage: Was haben Sie während Ihrer Ausbildung gelernt bzw. für Ihren weiteren Werdegang mitnehmen können? Ehnert: Das selbstständige Arbeiten und die Möglichkeit mich selbst in einer Tätigkeit zu entfalten. Mit Misserfolgen konstruktiv umzugehen. Wie wichtig die richtige Einstellung und Herangehensweise zu meiner Tätigkeit ist. Verantwortung übernehmen wollen und können – daraus Ansporn bekommen, weiter zu lernen. Und nicht zuletzt Entscheidungen im Arbeits- und Gestaltungsprozess zu treffen und umzusetzen. Frage: Welche Techniken haben Sie erlernt? Ehnert: Grundlegend natürlich die metallbauerischen Techniken wie Sägen, Bohren, Fräsen, Drehen, Schweißen (mit Elektrodenschweißen, MAG, WIG, Gas-Sauerstoffschweißen), Löten, Schleifen, Polieren, Gewindeherstellung und Nieten. Wärmebehandlungsverfahren von Metallen, wie beispielsweise Weichglühen, Härten und Anlassen, waren Grundlagen für die erlernten verschiedensten freiformenden Schmiedetechniken mit dem Handhammer am Amboss, unter dem Lufthammer und unter der hydraulischen Schmiedepresse. Im Speziellen auch das Feuerschweißen und Damaszieren, und eine japanische Buntmetallverbindungstechnik namens Mokume Gane. Auch die chemische Bearbeitung wie Beizen und Brünieren (Färben) konnte ich lernen. Frage: Was erfordert der Beruf des Schmieds? Ehnert: Liebe zum Material Metall! Neben handwerklichem Geschick, das zum gewissen Teil erlernbar ist, braucht man Eigeninitiative und die Neugierde, sich Techniken anzueignen und zu üben – auch über das in der Schule geforderte hinaus. Im Grunde arbeitet man nicht nur mit dem Metall, sondern auch sehr an sich selbst. Stillstand im Sinne von „fertig sein“ gibt es nicht. Auch die Entwicklung eines Gespürs für das Material Metall ist wichtig. Da Schmied sein auch heißt zu gestalten, sollte man Freude am kreativen Arbeiten haben. Zuletzt natürlich die körperliche Kondition und Ausdauer, auch mal ordentlich (mit dem Hammer) zuschlagen zu können. Das entwickelt sich während der Ausbildung. Es gibt aber auch feine Arbeiten, wie zum Beispiel das Punzieren, die Fingerspitzengefühl erfordern. Frage: Was für Fertigkeiten muss man als Schmied mitbringen? Ehnert: Eine gute Kombination aus den Techniken und den Erfordernissen. Frage: Welche Auszeichnungen haben Sie während der Ausbildung erhalten? Ehnert: Am Ende der Ausbildung aufgrund des sehr guten Abschlusses immer wieder Urkunden. Dann die Auszeichnungen zum 1. Kammersieger und 1. Landessieger von Niedersachsen. Im Herbst letzten Jahres fand dann der Bundesleistungswettbewerb in Northeim statt. Neben dem Gesellenstück, das zu 30 Prozent in die Bewertung einfloss, mussten wir Teilnehmer (die jeweils ersten Landessieger) eine zusätzliche Arbeitsprobe vor Ort innerhalb von sechs Stunden anfertigen. Daraus ging ich als 1. Bundessieger hervor. Frage: Was mussten Sie im praktischen und theoretischen Teil der Prüfung ablegen? Welche Noten gab es? Ehnert: Beim Bundesleistungswettbewerb musste ein Element eines Baumschutzes geschmiedet werden. Darin waren verschiedene Schmiedetechniken wie Lochen, Absetzen, Breiten und Tordieren sowie das Schweißen gefordert. Natürlich war hier die exakte Maßhaltigkeit von größter Wichtigkeit. Die Gestaltung des einen Endes war uns freigestellt, sollte aber schmiedetechnisch umgesetzt werden. Die Überlegungen zur Ideenfindung und die Zeichnung dafür waren der theoretische Teil. Eine Benotung wurde uns nicht mitgeteilt. Es wurde aber nach Punkten von der Prüfungskommission bewertet. Daraus gingen dann erste, zweite und dritte Bundessieger hervor. Frage: Was waren Schwerpunkte der Ausbildung? Ehnert: Einerseits alle theoretischen Grundlagen und vertiefendes Wissen im Bereich Metall und der Bearbeitung dessen. Das wurde in der Berufsschule vermittelt. Im Atelier bei Alfred Bullermann wurden mir dann im Dialog die zwei „Standbeine“ des Metallgestalters beigebracht: das Handwerk an sich, also das praktische Umsetzen der Techniken, und die Gestaltung. Ich durfte selbst am Entwurfsprozess teilhaben und so ganzheitlich vom Entwurf bis zur Umsetzung die Vielseitigkeit des Berufs kennenlernen. Als wichtigsten Schwerpunkt würde ich das eigenständige, verantwortliche und reflektierte Arbeiten festhalten. Frage: Welches berufliche Ziel haben Sie sich gesetzt? Ehnert: Ich studiere seit Oktober 2011 Produktdesign an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Ich verspreche mir davon, später ganzheitlicher auch in Verbindung mit anderen Materialien gestalten zu können. Das Studium dauert bis zum Masterabschluss wenigstens fünf Jahre. Der Wunsch ist aber da, später mit meinem Bruder Johannes (auch Metallgestalter und damaliger 1. Bundessieger), der bereits Meister ist, gemeinsam und selbstständig zu gestalten. Was und in welcher Form, ist noch offen. Frage: Was haben Sie von Ihrem Lehrmeister Alfred Bullermann mitnehmen können? Ehnert: Die richtige Einstellung zu meiner Tätigkeit zu haben. Alles Erlernte im Praktischen sowie Gestalterischen. Alfred hat während Ausbildung mit seiner vollen Unterstützung meine eigenen Herangehensweisen gefördert. Das hat mich selbstständig und sicher in vielen Gestaltungsfragen gemacht. Er hat mir die Vielseitigkeit dieses Handwerks aufgezeigt und nahe gebracht. Sich immer voll aktiv, begeisternd, hochwertig und mit Eindruck mit Gestaltung auseinandersetzend – etwas, das ich sehr gern mitgenommen habe. Ich bin ihm sehr dankbar für die Zeit! Frage: Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Handwerks? Ehnert: Als ein kreativ tätiges Handwerk waren und sind Metallgestalter kulturell und gesellschaftlich von großem Wert. Allerdings ist die Situation in der Ausbildung sehr schwierig. Eine sehr gute metallgestalterische Ausbildung bekommt man in eher kleinen Betrieben. Allerdings bedeutet das Ausbilden für kleine Firmen weniger Nutzenvorteile als vielmehr Idealismus zur Erhaltung des Handwerkszweigs. Wirtschaftlich gesehen hat das Ausbilden mehr Nachteile. Das ist schade, denn viele gute Ausbildungsbetriebe überlegen gerade aus diesen Gründen, nicht mehr auszubilden. Der Metallgestalter ist sehr wichtig für Menschen, die Wert auf Individualität legen. Ich denke, das Bewusstsein für Individuelles nimmt stark zu. Dabei können Metallgestalter vielleicht sogar die Rolle der Exoten nutzen und einen wichtigen Gegenpol zur „genormten Produktion“ bilden. Das setzt natürlich eine gute junge Nachfolge der alten Meister voraus.

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Friedhelm Müller-Düring

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