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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Fehlende Erdung

09.02.2017

Oldenburg Das Präsidium des EWE-Aufsichtsrats hat einen Schlussstrich unter die sogenannte Spendenaffäre gezogen: Der umstrittene Vorstandschef Matthias Brückmann soll gehen. Das ist unangenehm für das Unternehmen und erst recht für Brückmann, aber es ist richtig und wichtig so. Denn der Imageschaden für die EWE ist schon jetzt beträchtlich.

Man muss es deutlich sagen: Matthias Brückmann war nicht mehr zu halten als EWE-Chef. Und das liegt gar nicht zuvorderst an seinem (Fehl-)Verhalten in Sachen Klitschko-Spende – gestolpert ist er vielmehr darüber, dass er zu wenig Rückhalt hat in der Region und im Unternehmen.

Brückmann ist ein Mann, der Glamour mag. Er schmückt sich mit prominenten Freunden (Wladimir Klitschko ist einer davon), er schätzt schicke Autos und teure Uhren. Das muss nicht gegen ihn sprechen, es passt aber nicht unbedingt zu einem regionalen Energieversorger mit kommunalen Anteilseignern. Als Brückmann unlängst ankündigte, die strittige Spendensumme von 253 000 Euro aus eigener Tasche zu erstatten, kochte der Zorn in den Sozialen Netzwerken im Internet und auch im unternehmenseigenen Intranet hoch. Statt Beifall bekam Brückmann eine Gehaltsdebatte, die gut gemeinte Geste wurde als Beweis für seine fehlende Erdung interpretiert.

Brückmann ist 2015 als Erneuerer bei der EWE angetreten. Er wollte für einen Kulturwandel sorgen, für mehr Transparenz, für neue Umgangsformen, für flachere Hierarchien. Bei vielen Mitarbeitern kam das offenbar nicht an: Die Zeichen deuten darauf hin, dass der Vorstandschef als abgehoben wahrgenommen wurde, mitunter auch als brüsk und selbstgefällig. Als Symbol für Letzteres steht die eigenmächtig veranlasste Klitschko-Spende.

Es sieht so aus, als lägen beim EWE-Chef öffentliche Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung weit auseinander. Für einen Kulturwandel in einem Unternehmen genügt es nicht, wenn der Chef die Krawatte abnimmt. Er muss gut zuhören – und sich dann an die passende Stimmlage herantasten. Matthias Brückmann ist es nicht gelungen, den Ton der Region zu treffen.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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