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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

In Varel sollen Hunderte Bäume gefällt werden

29.09.2018

Friedrichsfeld Ein kleiner Pfad, der sich aus dem Wald heraus durch Wiesen schlängelt, zwei Eichen stehen majestätisch am Wegesrand. Es ist still bis auf einen Traktor, der in der Ferne brummt. Ein Idyll ist das in Friedrichsfeld. Das soll auch so bleiben, sagt die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Das ist bald vorbei, fürchten die Kritiker, die Friedrichsfeld gern so hätten, wie es jetzt ist: eine naturnahe Fläche mit vielen seltenen Pflanzenarten und mit einigem Freizeit- und Erholungswert.

Viel Fläche für Vögel

Baumfällarbeiten in Friedrichsfeld sind gestoppt worden. BILD: Thomas Coldewey
Widderchenart, wie sie zu Tausenden auf dem Gelände des ehemaligen Standortübungsplatzes Friedrichsfeld vorkommt. BILD: Thomas Coldewey
Sogar ein Schäfer nutzte das weitläufige Areal mit seiner Herde. BILD: Archiv

Was ist geplant?

Die Straßenbauverwaltung des Landes Niedersachsen will die Fläche des ehemaligen Standortübungsplatzes der Bundeswehr in Friedrichsfeld als Ausgleichsfläche für die geplante Küstenautobahn 20 entwickeln und die öffentliche Nutzung als Naherholungsgebiet drastisch einschränken.

Das Areal in Friedrichsfeld liegt zwischen Varel und Bockhorn und ist rund 300 Hektar groß. Der südliche Teil des ehemaligen Militärflugplatzes soll in sogenanntes Offenland verwandelt werden. Dafür müssen Bäume und Sträucher weichen, die nach der Zerstörung des Militärflugplatzes nach Kriegsende gewachsen waren. Im Norden werden Schotterstraßen angelegt auch für Land- und Forstwirte, dazu Pfade für die Allgemeinheit, teilweise mit Reitverbot. Das „Offenland“ im Süden, rund 130 Hektar, wird ganzjährig komplett abgesperrt. Kiebitze und große Brachvögel sollen kommen, alle Bäume werden abgeholzt, Wasser gestaut für Feuchtgebiete, extensive Landwirtschaft wird eingeführt.

In Friedrichsfeld will die Straßenbaubehörde einen großen Teil des ehemaligen Standortübungsplatzes der Bundeswehr in eine Ausgleichsfläche umwandeln. Ausgleich für den Landschaftsverbrauch beim Bau der Küstenautobahn 20, durch die das Brutgebiet von Kiebitz und Brachvogel verringert wird. Und dafür soll das Gebiet des ehemaligen Militärflugplatzes und Standortübungsplatzes als Ausgleichsfläche verwendet werden. Auf 20 oder 30 Brutpaare hoffen die Planer – 135 Hektar Land werden dafür „offengehalten“.

Einzigartiges Biotop

Thomas Coldewey ist stellvertretender Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Friesland. „Es gibt durchaus Befürworter der Küstenautobahn, die aber gegen die Entwicklung in Friedrichsfeld sind“, bestätigt er. Autobahnbefürworter wie der Vareler Ratsherr Karl-Heinz Funke spotten: „Auf trockenem sandigen Boden sollen Kiebitze angesiedelt werden; das ist so, als wolle man im Wattenmeer nach Edelweiß suchen.“ Und der Blogger und frühere Vareler Ratsherr Djure Meinen (und Autobahngegner) sagte schon bei Bekanntwerden der Planung 2012: „Eine Fläche, die für Menschen wertvoll ist, wird umgestaltet, um für Vögel ein bisschen mehr wertvoll zu sein.“

Coldeweys Naturschutzorganisation hatte kürzlich eine Mahnwache in Friedrichsfeld organisiert. Menschen protestierten dort gegen die Umwandlung eines Biotops. „Wir verlieren einen Biotopverbund, der für unsere Region einzigartig ist“, sagt Coldewey. Der BUND hat vorerst einen Stopp der Baumfällungen in Friedrichsfeld erwirkt, er sieht den Planfeststellungsbeschluss verletzt, der der Straßenbaubehörde eigentlich das Recht gäbe, mit den vorbereitenden Arbeiten zu beginnen. Jetzt sind nicht nur die Baumfällungen gestoppt, auch muss erst einmal Gefährliches aus dem Boden geräumt werden: Munition aus den Kriegsjahren.

14 Bomben gefunden

Eigentümer der Fläche ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Bei der Kampfmittelräumung wurden jetzt 14 Bomben unterschiedlicher Größe gefunden, eine Brandbombe sowie neun Gewehr- und Panzergranaten. Die Bomben mussten alle gesprengt werden. Mit der Munition waren im Krieg die Militärflugzeuge bewaffnet worden. Diese Munition wurde laut Bima bei der Vorbereitung der Kompensation auf Rückewegen gefunden. „Mit Funden in diesem Ausmaß hat keiner gerechnet“, teilte die Bima auf Anfrage mit. Noch nicht ganz abgearbeitet ist die Liste der 17 Blindgängerverdachtspunkte, die nach Auswertung von alliierten Luftbildern, die nach einem Bombenangriff im März 1945 entstanden, angefertigt wurden. Die Bima rechnet damit, dass die Räumung der gesamten Fläche noch Jahre dauern werde. Jetzt seien ja nur ein paar Rückewege für den Holzeinschlag abgesucht worden.

Im Plan festgeschrieben

Ob das Vorhaben aber generell gestoppt werden kann? Die Naturschützer wollen nicht aufgeben. Andere Gegner der Umwandlung in Offenland zweifeln, ob dies noch gelingen kann. Für den Vorhabenträger, so nennt sich die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau, ist das Gelände in Friedrichsfeld bevorzugt als Ausgleichsfläche zu nutzen. „Es gehört dem Bund, sonst müssten wir ja Landwirten Land wegnehmen“, sagt Joachim Delfs, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Oldenburg. Er kann die Argumente der Gegner auch nachvollziehen, gibt aber zu bedenken, dass ein großflächiger Ausgleich für den Bau der Küstenautobahn nötig sei. Durch die Verwirklichung der Maßnahme in Friedrichsfeld greife man nicht ins Eigentum anderer ein. Und im Planfeststellungsbeschluss, der für den Abschnitt der A 20 ergangen ist, wird die Umwandlung in Friedrichsfeld festgeschrieben.

Mit der von vielen Hundehaltern und Freizeitreitern erhofften Freizeitnutzung des Areals könnte sich Thomas Coldewey (BUND) anfreunden, „aber eine Regelung in unserem Sinne müsste getroffen werden. Das Gelände wird ja als Naherholungsgebiet genutzt. Dadurch liegt da ein Freizeitdruck drauf.“ Aufgeben wollen die BUND-Aktivisten nicht: „Wir bleiben am Ball.“

Chronik

Flugplatz undFreizeitareal

Aus dem Militärflugplatz Friedrichsfeld wurde ein Barackenlager für ehemalige Zwangsarbeiter, ein Standortübungsplatz sowie nach Abzug der Bundeswehr ein Freizeitgelände.

1936 Beginn der Arbeiten für einen Militärflugplatz auf dem Gelände zwischen Altjührden und Osterforde. Militärische Nutzung bis 1945. Beim Bau werden auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Während des Krieges fallen 1000 schwere Bomben auf Friedrichsfeld. Davon, rechnen Experten, waren 10 Prozent Blindgänger. Anschließend Zerstörung der militärischen Infrastruktur durch dänische Pioniere. Lager für ehemalige Zwangsarbeiter (Displaced Persons).

1961 Stationierung des motorisierten Panzergrenadierbataillons 311 in Verbindung mit dem Standortübungsplatz und Mobilmachungsstützpunkt Friedrichsfeld. Nutzung als Flugabwehrraketenstellung, Materiallager, Unterkunft für den Diensthundezug der Fallschirmjäger.

2006 Zum 31. Dezember Beendigung der militärischen Nutzung.

2012 Das Gelände soll Kompensationsmaßnahme für den ersten Bauabschnitt der Küstenautobahn 20 werden. Auf dem etwa 300 Hektar großen Areal soll eine 135 Hektar große Offenfläche entstehen, die extensiv beweidet werden soll. Dort sollen sich Wiesenvögel ansiedeln.

2013 Protest macht sich Luft. Bürger sehen nicht ein, eine wertvolle Fläche für ein neu zu schaffendes Biotop zu opfern. Eine Bürgerinitiative gründet sich.

2015 Bürger äußern bei einer mehrstündigen Informationsveranstaltung vor Auslegung der Pläne erhebliche Kritik an dem Vorhaben und bezweifeln, dass es gelingen kann, Wiesenbrüter in Friedrichsfeld anzusiedeln.

2017 Die Suche nach Kampfmitteln wird fortgesetzt. Die Sondierungen ergeben: An 17 Punkten könnten Bomben liegen.

2018 Die Umgestaltung des Geländes in Friedrichsfeld beginnt im September – und wird gleich wieder gestoppt. Der BUND hatte einen Verstoß gegen den Planfeststellungsbeschluss reklamiert. Wenige Tage später ordnet der Landkreis die Sperrung des Geländes in Friedrichsfeld an: Weltkriegsmunition wurde gefunden.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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