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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Acht Paviane von Privathalter bekommen neues Zuhause

20.03.2019

Geeste Acht Paviane aus dem Emsland bekommen über eine niederländische Tierschutzorganisation ein neues Zuhause. Die Tiere stammen aus einer privat geführten Auffangstation in Geeste bei Lingen. Nachdem der Betreiber Lutwin Hahn vor vier Jahren in ein Pflegeheim kam, hat seine Familie die Tiere nun abgegeben. „Es ging einfach nicht mehr“, sagte Ehefrau Barbara Hahn am Dienstag.

In Deutschland habe kein Zoo Interesse an der Aufnahme der sieben Weibchen und des Männchens gehabt. Als Labortiere sollten sie nicht enden, betont die 72-Jährige. Der Direktor des Osnabrücker Zoos, Michael Böer, mit dem die Familie befreundet ist, habe dazu geraten, die niederländische Stichting Aap zu kontaktieren. Die Organisation holte die Tiere am Dienstag ab und will sie an verschiedene Zoos abgeben.

Bis zu 46 Tiere hatte Hahn zeitweilig betreut, erzählt seine Tochter Anke. Tierschützer wandten sich an ihn, wenn sie Tiere aus schlechter Haltung befreiten und eine Auffangstation suchten. Auch der Zoll brachte Tiere zu ihm, wenn sie bei der Einreise an den großen Flughäfen in Köln, Düsseldorf oder Frankfurt abgefangen wurden. Hahn vermittelte die Tiere weiter an Zoos oder andere geeignete Halter.

„Für Papa kamen erst die Affen, dann die Kinder“, sagt Anke. Mutter Barbara drückt es ähnlich aus: „Wir hatten unseren ersten Affen, bevor wir unsere erstes eigenes Kind hatten.“ Lutwin habe ein großes Herz für Tiere gehabt. So habe er Tiere einem kleinen Zirkus im Ostwestfälischen abgekauft, weil ihm die eingesperrten Affen so leid taten. „Dummerweise hatte er ein bisschen Geld dabei“, erzählt sie. 500 Mark habe er für die Mandrill-Affen gegeben. Zwei Jahre später habe ihr Mann dem Zirkus noch einen Jaguar abgekauft, schildert die 72-Jährige aufgekratzt und wirkt dabei 20 Jahre jünger.

„Papa war immer ein Tiermensch, er war fast wie Tarzan“, erinnert sich Anke. Er habe mitten in der Tierherde stehen können und das Gehege saubergemacht - ihm sei nichts passiert, sagt die 53-Jährige. Selbst mit dem Jaguarweibchen Zara sei er Schwimmen gewesen. Das Gibbon-Weibchen Beate war eine Handaufzucht; vor einem guten Jahr kam es in den Tiererlebnispark Müritz in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Frauen wollen nun die Auffangstation auflösen, das Café, in dessen Garten das Gehege steht, verkaufen. Eine Ära geht für die tierbegeisterte Familie zu Ende. „Klar bin ich auch traurig, aber man muss den Verstand einschalten“, sagt Anke Hahn. Sie wisse, dass es den Tieren künftig gut gehe.

Jetzt kommt die Paviangruppe zuerst ins niederländische Almere, erzählt die Tierärztin Hester van Bolhuis. „Wir bringen sie zunächst in Quarantäne“. Schon nach dem Betäuben vor dem Transport in Geeste nimmt sie Blutproben. Ziel sei es, sie zu größeren neuen Gruppen zusammenzustellen und sie dann an geeignete Zoos irgendwo in der Welt abzugeben.

Mit der Stichting Aap arbeitet auch die Tierschutzorganisation Pro Wildlife zusammen. Beide nehmen die Inobhutnahme der Paviane in Geeste zum Anlass, für strengere Gesetze in Deutschland zu werben, was den privaten Besitz von Wildtieren angeht. „Hierzulande kann Jedermann nahezu alles an Wildtieren halten, was in einen Käfig, in ein Aquarium oder in ein Terrarium passt“, sagt Sandra Altherr von Pro Wildlife. Es bestehe Handlungsbedarf.

Notwendig sei eine Positivliste mit Tierarten, deren Haltung Privatleuten aus Tier-, Natur-, Artenschutz- und Gesundheitsgründen erlaubt sei. In den Niederlanden, Luxemburg und Belgien seien sie bereits in Kraft und zahlreiche weitere EU-Mitgliedsstaaten arbeiteten an der Einführung.

Die Haltung gefährlicher Tiere sei in Deutschland von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt, sagt auch Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Alle drei Tierschutzorganisationen fordern eine Positivliste für Deutschland.

„Ich glaube nicht, dass es in Deutschland an Gesetzen mangelt. Vielleicht an der einen oder anderen Stelle an der Durchsetzung oder der Überwachung“, sagt hingegen der Direktor des Tierparks Nordhorn, Nils Kramer. Es gebe gute Tierhalter und schlechte Tierhalter. „Das ist immer so.“

Die niederländische Stichting Aap macht hingegen eine andere Rechnung auf: Die Stiftung sei zwischen 2001 und 2018 für die Rettung von 908 Tieren aus Deutschland angefragt worden und nahm in diesem Zeitraum 183 Tiere auf. „Die Kosten für die Rettung und Pflege der aus Deutschland kommenden Tiere belaufen sich auf mehr als fünf Millionen Euro“, heißt es bei Pro Wildlife und der Stichting. Deutschland übernehme keine finanzielle Verantwortung für diese Tiere.

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