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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Große Chance für Habib aus Afghanistan

10.08.2016

Oldenburg Habib Alizada hat eine Malerrolle in die Hand genommen, nicht weit entfernt stehen Leiter und Farbtopf. „Mir geht es gut“, strahlt der aus Afghanistan stammende junge Mann. Der Flüchtling hat am 1. August eine Berufsausbildung zum Maler und Lackierer begonnen, im Betrieb von Meister Lars Sieberg (14 Mitarbeiter) aus Oldenburg. Und der sagt: „Habib macht einen sehr engagierten Eindruck und hat alle Mitarbeiter überzeugt.“

Der 21-jährige Habib ist einer der ersten Teilnehmer des „Integrationsprojektes handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber“ (Ihafa), die in diesem Jahr ihre Lehre begonnen haben. Das Projekt wird von den niedersächsischen Handwerkskammern umgesetzt (wobei mit Jobcentern und Arbeitsagenturen sowie Kreishandwerkerschaften kooperiert wird) und vom Landes-Wirtschaftsministerium finanziell gefördert.

Am Anfang des Konzeptes stand die Kompetenz-Feststellung von 86 Personen im Berufsbildungszentrum, erläuterte Projektleiter Wolfgang Jöhnk von der Handwerkskammer Oldenburg. Habib bekam dabei „gute Bewertungen“ für den Beruf Maler. Am Ende hätten elf Teilnehmer in eine Ausbildung, 13 in eine Einstiegsqualifizierung, 16 auf eine Arbeitsstelle und 39 in andere Maßnahmen (meist Sprachkurse) vermittelt werden können.

Sprache sei die „entscheidende Qualifikation“ für eine Berufsaubildung, gerade auch im Hinblick auf die Berufsschule, betonte Jöhnk. Erfreulich sei, wenn die Bedeutung einer dualen Ausbildung in Deutschland von den Flüchtlingen erkannt werde. Auch Habib Alizada aus Afghanistan habe diesen Weg eingeschlagen.

Er war zunächst in den Iran geflohen und hatte dort bereits als Maler und Fliesenleger gearbeitet. 2013 – also lange vor der jüngsten Flüchtlingswelle – kam er nach Deutschland und lebt nun in einer Wohngemeinschaft in Oldenburg-Kreyenbrück.

Über das Jobcenter kam der Afghane zu dem Projekt Ihafa. Malermeister Sieberg, dessen Betrieb Habib Alizada mit dem Fahrrad erreichen kann, ermöglichte ihm ein Praktikum. Die Rückmeldungen waren positiv, erzählt er – ein entscheidender Schritt zur Ausbildung, begleitet von Beratern bei der Kammer.

„Ihafa ist ein gelungenes Projekt“, lobte Kristjan Messing, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Oldenburg/Wilhelmshaven. Mit den Kammern als Partnern gehe man hier neue Wege. Es gehe darum, Chancen zu nutzen, um Flüchtlinge mit Interesse „schnell die Möglichkeit für eine Ausbildung und Arbeit zu geben“. Gegenwärtig seien 3800 Flüchtlinge bzw. Menschen mit aktuellem Migrationshindergrund im Agenturbezirk als Arbeit suchend gemeldet. Es gebe eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten und ein „gutes Budget“.

Carmen Giss, Geschäftsführerin beim Jobcenter Oldenburg, lobte die „sehr enge Zusammenarbeit“ mit dem regionalen Handwerk. Sie sei dankbar, dass es die Möglichkeiten für Flüchtlinge über Ihafa gebe. Das Projekt leiste zugleich einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel.

Projektleiter Jöhnk betonte, man habe mit dem Auftakt von Ihafa wertvolle Erfahrungen gesammelt. Das Projekt solle weitergehen. Dafür würden auch erneut Landesmittel erwartet. Jöhnk dankte Malermeister Sieberg „stellvertretend für alle“ im Handwerk, die sich engagierten.

Sieberg meinte, nun gelte es, in der Ausbildung „die drei Jahre durchzuziehen“. Handwerklich sehe er keine Probleme. Die Berufsschule sei natürlich eine Herausforderung. Und zuweilen müssten sich Kunden erst einmal daran gewöhnen, dass ein junger Mensch aus Afghanistan bei den Malerarbeiten in der Wohnung tätig werde.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
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