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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Große Pläne für kleine Welt

28.02.2012

OLDENBURG Nein, an dieser Stelle von Größenwahn zu sprechen, ist unangemessen.

Dem Mann mag man ja einiges vorwerfen können: dass er ein Visionär ist, einer, der gerne in anderen Dimensionen denkt und viel von sich und seinen Mitarbeitern fordert. Es mag auch Menschen gegeben haben, die Wolfgang Teske, Softwareunternehmer aus Leer, belächelten, als sie erstmals von seinen Plänen erfuhren. Kann aber jemand, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Region, in der er selber zu Hause ist, im Maßstab 1:87 nachzubilden, als größenwahnsinnig bezeichnet werden?

Nein, will man sagen, und gerät dann doch ins Grübeln. Die Fakten sprechen für sich: 10 000 Bäume und Büsche, 30 000 Lichter, 6000 Meter Straßen- und Schienennetz sowie 40 000 Figuren, allesamt nicht größer als eine Stecknadel, sind Teil einer Welt, in der der 60-Jährige Schöpfer, Herrscher und zugleich alleiniger Machthaber ist.

Ganzheitliches Konzept

Und Teske? Der genießt die Rolle des detailverliebten Perfektionisten und freut sich, dass so viele Menschen seit der Eröffnung im Sommer 2011 den Weg in sein Leeraner Miniaturland suchten. Ein Reich, in dem doch alles ein bisschen kleiner als in der Wirklichkeit ausfällt und wo man es auch mit den geografischen Gegebenheiten nicht immer so genau nimmt.

Dass er vom T yp her so gar nicht in das Bild einer von ihm modellierten Welt hineinpassen will, weiß er, und es scheint ihn sogar noch zu amüsieren: „Tut mir leid“, entschuldigt er sich, „mit der Story vom alten Mann, der zu Hause mit der Lokomotive spielt und für den jetzt ein langgehegter Traum in Erfüllung geht, kann ich leider nicht dienen.“ Der Unternehmer kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er das sagt. Er glaubt, dass Journalisten gerade diese Geschichte gerne von ihm gehört hätten, weil sie so perfekt dem Klischee entsprochen hätte. Nein, mit verklärter Eisenbahnerromantik habe das Ganze nichts zu tun, sagt Teske.

Viel lieber gibt er den erfolgreichen Geschäftsmann, der mit der computergesteuerten Modellbauanlage der heimischen Wirtschaft, die überwiegend von Urlaubern und Ausflüglern lebt, etwas Gutes tun möchte. Der gebürtige Wuppertaler selber spricht von einem „unternehmerischen Fremdenverkehrskonzept“, an dem er rein gar nichts verdiene. 2,2 Millionen hat er nach eigenen Angaben bislang in das Projekt investiert. Wohl auch eine Möglichkeit, sich zu vermarkten.

Doch zurück zum Leeraner Miniaturland, das sich an einem Ort befindet, wo sich die Region den Besuchern noch nicht so sehr von ihrer touristischen Seite zeigt. Untergebracht ist es vor den Toren der Stadt in einem nüchternen Gewerbegebiet: Der Deich, ein Stück typisches Ostfriesland, verläuft parallel zur Hauptstraße. Wer auf den Besucherparkplatz fährt, sieht einen modernen Gebäudekomplex. Das ist die Firmenzentrale des Softwareunternehmers. Direkt nebenan steht ein weiteres Gebäude. Es ist eine lokschuppenähnliche Halle, die Ähnlichkeit mit einem Eisenbahnwaggon hat. „Draußen bereits erkennen, was drinnen passiert“ – Teske spricht von einem ganzheitlichen Konzept bei der Umsetzung seines Miniaturlands.

540 Quadratmeter groß ist die Welt dahinter. In ihr gibt es Eisenbahnen, die sich durch die flache Landschaft schlängeln, Autos, die vor roten Ampeln stehen und bei grünem Lichtsignal wieder anfahren, und sogar einen geringelten Leuchtturm, vor dem sich eine Menschentraube gebildet hat. Kameras blitzen auf, im Fokus: Otto Waalkes, der berühmteste Sohn der Region. Doch auch er musste sich den Größenverhältnissen anpassen. Aber er ist es, unverkennbar.

Permanent erweitern

Die Körperhaltung verrät ihn, ebenso wie auch alles andere der Landschafts- und Stadtansichten einwandfrei zugeordnet werden kann. Angefangen bei den ostfriesischen Inseln Borkum, Juist und Norderney geht es für Besucher über Norddeich und Greetsiel bis nach Aurich und Leer. Den Nordwesten inklusive Teile des Emslands und der Niederlande an einem Tag erleben. „Toll, oder?“, ist Teske stolz. „Das bekommen Sie sonst nirgendwo anders!“

Ostfriesische Sehenswürdigkeiten wie die Zwillingswindmühlen, das Emdener VW-Werk mit seiner Fertigungsstraße oder das Kurhaus auf Juist wurden ebenfalls im maßstabsgetreuen HO-Format nachgebaut. Um den Besuchern Anhaltspunkte zu geben, wo sie sich gerade befinden, hat der Chef in der Halle überall gelbe Ortsschilder aufhängen lassen.

„Ich biete den Leuten heile Welt“, sagt Teske. Auch der Wiedererkennungswert einer vertrauten Landschaft spiele bei einigen Besuchern eine entscheidende Rolle, warum sie herkommen. Die Szenerie beobachten, zur nächsten Station weitergehen, wieder stehenbleiben und erneut beobachten: Detailverliebte können sich kaum satt sehen an den vielen kleinen Einzelbauteilen. „Wir haben hier Gäste, die sich kaum einen Meter in der Stunde bewegen“, weiß Teske. Und dann sind da noch die anderen. Die, die gerne ausprobieren und anfassen. Für sie wurde das „interaktive Knöpfedrücken“ entwickelt. Die über eine Computersoftware aus Teskes Haus gesteuerte „Szeneriedruckknopfanlage“ leitet das Signal weiter. So hat die Feuerwehr beispielsweise einen Brand zu löschen, Bundeswehrsoldaten marschieren durchs Unterholz oder es ertönt der Lärm von Motorsägen. Alle würden sie auf die Knöpfe drücken, sagt Teske – nicht nur die Jüngeren.

40 000 Personen haben sich das Leeraner Miniaturland, von dem Teske sagt, dass es mit dem „Original“ in Hamburg nichts zu tun habe, weil er es gar nicht kenne, bereits angeschaut. Zahlen, die er in dieser Höhe zunächst nicht auf der Rechnung stehen hatte und die ihn anstacheln: „100 000 Gäste peilen wir 2012 an.“ Doch um die Besucher langfristig an das Erlebniskonzept zu binden, müsse permanent erweitert werden. In diesem Punkt kommt wieder der Visionär in ihm durch, der schon den Bau einer zweiten Halle im Blick hat.

Andere Naturgesetze

Sieben Modellbauer aus Aurich fertigen die Häuser, Straßen und Landschaften an. Aktuell ist das Team mit dem Ausbau der Papenburger Meyer Werft beschäftigt. „Stellen Sie sich das mal vor: Unsere Schiffsüberführungen finden drei Wochen vor der echten statt“, sagt Teske. Untermalt mit Sarah Brightmans „Time To Say Goodbye“-Hymne. Emotionen pur: „Die Menschen werden Tränen in den Augen haben“, schwärmt der Chef.

Doch wer jetzt denkt, dass es das gewesen ist mit den Visionen, irrt gewaltig. Eine Ausdehnung in östliche Richtung soll erfolgen: Friesland mit den restlichen Inseln, Harlinger Land, Bad Zwischenahn und Oldenburg. Ein weiteres Projekt hat Teske ebenfalls im Kopf: Einen sechsgleisigen Schattenbahnhof – „Leer 21“ – will er unterirdisch nachbilden lassen. Das habe zwar nichts mit der ostfriesischen Landschaft zu tun, räumt er ein, halte er aber dennoch für eine überaus originelle Idee. Als alleiniger Machthaber in seinem eigenen kleinen Reich ist Teske nicht dazu verpflichtet, auf die realistische Umsetzung Rücksicht zu nehmen. Auch nicht auf Tages- und Nachtzeiten.

Im Zwergenland herrschen andere Naturgesetze: 20 Minuten ist es hell, dann setzt für genau drei Minuten die Dämmerung ein, bevor es vier Minuten lang dunkel ist – und ein neuer Tag anbricht. Herrscher Teske wacht darüber, dass die Lichter immer pünktlich an- und ausgehen.

Das Leeraner Miniaturland ist in der Hauptsaison im März von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Auf einer Fläche von 1200 qm ist die Region im Maßstab 1:87 zu bewundern.

Kontakt/Adresse: Konrad-Zuse-Straße 1/Deichstraße 60 26789 Leer; Telefon 0491/45 41 54 0

 @ Mehr Infos gibt es unter http://www.leeraner-miniaturland.de

Mirja Zipfel
Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2902

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