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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

6000 Quadratmeter: Riesen Putzaktion im Wasserspeicher

28.11.2018

Großenkneten Ganz langsam wagt sich die Besuchergruppe aus Pressevertretern die steile, nasse Treppe hinunter. Das Geländer aus Metall ist eiskalt. Aus der Tiefe steigt ein frischer, erdiger Geruch empor.

Normalerweise ist der Wasserspeicher des Großenkneter Wasserwerkes bis hoch zu den obersten Treppenstufen gefüllt. In diesen Tagen ist bis auf einige kleine Pfützen am Boden der gigantische Behälter leer. Stattdessen schrubben und putzen Mitarbeiter einer Spezialfirma aus Neuenkirchen fleißig die meterhohen, hellgrünen Wände, den Boden, die Säulen – alles.

Speicher für Verbrauchsschwankungen

Alle fünf Jahre wird der Wasserspeicher gereinigt, erklärt Gunnar Meister, Pressesprecher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV). Dieser betreibt das Wasserwerk in Großenkneten. Insgesamt vier der Speicher stehen am Wasserwerk in Großenkneten. Sie dienen dazu, Verbrauchsschwankungen zu Spitzenzeiten aufzufangen. Beispielsweise morgens und abends – oder wenn in der Halbzeitpause eines WM-Fußballspiels sämtliche Bürger im Einzugsgebiet auf Toilette gehen. Ganze 10 000 Kubikmeter Wasser fasst ein Speicher – etwa zehn Millionen Milchflaschen. Jeder Behälter hat seinen eigenen Reinigungsturnus.

Kaum war der Zulauf gesperrt, war innerhalb eines Tages alles leer, erklärt Wassermeister Stephan Fitze. In den Wintermonaten ist der Wasserverbrauch niedriger, das sind ideale Bedingungen für eine Reinigung und Sanierung. „Dieser Sommer hat uns Grenzen aufgezeigt“, erklärt Gunnar Meister. Da war der Verbrauch so hoch, dass die Rücklage dringend gebraucht wurde.

Klaus-Peter Klein ist während der Reinigung Projektleiter und dafür verantwortlich, nach der Entleerung den Behälter zu begutachten. Denn die Reinigung ist quasi das Mittel zum Zweck: Allem voran sollen so mögliche Schäden oder Schwachstellen entdeckt werden. Das können beispielsweise Unregelmäßigkeiten an der Beschichtung sein. Im normalen Betrieb ist eine Besichtigung unmöglich. „Wir schicken da keine Taucher rein“, betont Klein.

Putzen mit Schwamm und Wasserstrahl

Rohwasser filtern und mineralisieren

Das Wasserwerk in Großenkneten ist seit 1970 in Betrieb. Es bereitet Grundwasser, das aus Tiefen von bis zu 90 Metern gefördert wird, zu Trinkwasser auf. Durch den sandigen Boden im Landkreis Oldenburg wird schnell Grundwasser neugebildet. Das Rohwasser wird im Werk durch einen Oxidator belüftet. Filter und Riesler entfernen Eisen, Mangan und Kohlensäure.

Da das Rohwasser kaum Mineralien enthält, durchläuft das Wasser noch einen Filter mit Jura-Kalk.

Mit 7860 Quadratkilometern ist das OOWV-Verbandsgebiet gut dreimal so groß wie das Saarland.

Die Reinigung geht behutsam voran. „Mit einem Hochdruckreiniger hier reinzugehen wäre keine gute Idee“, erklärt der Projektleiter. Der würde nämlich die Beschichtung des Speichers aus Epoxydharz beschädigen. Also werden rund 6000 Quadratmeter Fläche mit Wasserschlauch, speziellen Reinigungsmitteln und Schwämmen geputzt. In einigen Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Nicht nur die Größe der Speicher ist beeindruckend. Die über sechs Meter hohen Wände werfen den Schall zurück, von einigen Seiten hört man ein Echo. Kommt die Besuchergruppe ins Gespräch, entsteht ein regelrechtes Stimmengewirr. Das Licht der provisorischen Strahler wirft gespenstische Schatten an die Wand und lässt die hell-grüne Farbe leuchten.

Strenge Hygieneregeln

Generell und auch beim Besuch gelten strenge Hygieneregeln. Eigentlich sind die Behälter hermetisch abgeriegelt. Nicht einmal die Mitarbeiter des Wasserwerkes gehen hinein, wenn der Behälter in Betrieb ist. So wird eine Verunreinigung vermieden. Ist der Behälter gereinigt und saniert, wird komplett desinfiziert. Danach läuft er wieder voll. Bevor wieder Wasser durch die Rohre nach außen transportiert wird, nehmen die Mitarbeiter Proben auf Bakterien. „Trinkwasser ist das Lebensmittel Nummer eins – und so behandeln wir es auch“, sagt Klein. Erst, wenn nichts mehr zu beanstanden ist, kann der Speicher wieder ans Netz gehen.

Damit das Wasser immer in Bewegung bleibt, sind Mauern eingezogen, damit der Strom sich drum herum schlängelt. Denn ohne Bewegung bilden sich Bakterien.


Sehen Sie eine Bilderstrecke unter   www.nwzonline.de/fotos 
Tonia Hysky
Redakteurin
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2154

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