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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Elbe soll ganzjährig schiffbar sein

09.08.2017

Hamburg /Stade Für Unternehmen, die die Elbe als Transportweg brauchen, ist der 1100 Kilometer lange Fluss ein extrem unberechenbarer Geschäftspartner.

„Das Problem sind die Wasserstände, die das Jahr über keine kontinuierliche Fahrt zulassen“, sagt René Oloff, der den Hamburger Standort der Deutschen Binnen-Reederei leitet. Die Kunden wollten aber das ganze Jahr beliefert werden. Nun gibt es für die Wirtschaft neue Hoffnung, dass der Fluss bald für den Güterverkehr gezähmt wird. Grund ist das Gesamtkonzept Elbe, ein Papier, das Naturschützer und Vertreter der Schifffahrt dreieinhalb Jahre lang gemeinsam ausgehandelt haben.

Es wurde im Januar beschlossen und sieht vor, die Elbe künftig mehr als elf Monate im Jahr für Schiffe befahrbar zu machen – mit einer durchschnittlich 1,40 Meter tiefen Fahrrinne. Bedingung: Dafür nötige Maßnahmen dürfen der Natur nicht schaden. Im Juni hat sich dazu auch der Bundestag geäußert.

Zwei Knackpunkte macht Stefan Kunze, Vorsitzender des Vereins Elbe-Allianz, aus. Einer ist die Strecke zwischen Elster- und Saalemündung. Dem Elektronischen Wasserstraßen Informationsservice Elwis zufolge lag die Fahrrinnentiefe hier im vergangenen Jahr an 285 Tagen unter 2,02 Meter – diese Tiefe brauchen Schiffe für den Transport von Massengütern. An 98 Tagen war die Rinne nicht einmal 1,40 Meter tief.

„Das ist der kritischste Bereich“, sagt Kunze. „Wir haben Erosion, die Elbe gräbt sich ein.“ Andernorts entstünden dadurch Sandbänke, die für Schiffe unüberwindliche Hindernisse sein können. Was also kann getan werden, damit diese Engpässe verschwinden? Man könne Buhnen bauen, eine Art kleine Landzungen, die vom Ufer aus ins Wasser ragen. Sie erhöhen die Fließgeschwindigkeit, Sediment wird abgetragen und die Fahrrinne wird tiefer. Doch was für die Wirtschaft ein Grund zum Hoffen ist, ist für Umweltschützer Anlass zu Kritik. Mit der Forderung, schnell neue Buhnen zu planen, verlasse man den Rahmen des ausgehandelten Konzepts, sagt Iris Brunar, die die Naturschutzorganisation BUND bei der Entwicklung des Konzepts vertreten hat. Zuerst müsse geprüft werden, ob eine weitere Vertiefung überhaupt möglich sei – und dabei auch der ökologische Zustand der Elbe verbessert werde. Schon jetzt seien die Elbauen extrem trocken.

„Seit dem Hochwasser 2013 führt die Elbe fast durchgehend Niedrigwasser“, sagt sie. Dabei sei der Ausbauzustand noch nie so weit gewesen wie jetzt. Es fehle schlicht Wasser. „Die Elbe wird immer unzuverlässig bleiben“, sagt sie voraus. Wenn der Fluss jetzt weiter ausgebaut werde, gerate der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsfaktor der Region in Gefahr: der Naturtourismus mit dem Elberadweg.

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