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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Stromleitung sorgt für Spannung

07.12.2018

Hannover /Aurich Der Landkreis Aurich und die Umweltverbände BUND und Nabu drohen mit einer Klage gegen eine geplante Stromleitung in Ostfriesland. Das stellten die beiden Verbände und der Kreis am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Hannover klar. Grund: Die neue 380-kV-Leitung von Emden nach Conneforde bei Westerstede soll als Freileitung 3,8 Kilometer lang mitten durch das Vogelschutzgebiet Flumm/Fehntjer Tief nahe Großefehn führen. Das ist aus Sicht des Kreises und der Verbände rechtswidrig. Eine Verzögerung des Baus könnte weit über Niedersachsen hinaus reichende Folgen haben, denn die Leitung soll die Energiewende voran bringen.

Umgehung gefordert

Der schon seit Jahren in der Region schwelende Konflikt eskaliert nun, weil die Planungen des Netzbetreibers Tennet voranschreiten: In der kommenden Woche soll ab Mittwoch der Erörterungstermin in Leer stattfinden. Die Zeit drängt: 2021 will das Unternehmen die knapp 61 Kilometer lange Leitung in Betrieb nehmen. Sie soll eine bereits bestehende 220-kV-Stromleitung ablösen. Grund des Neubaus ist der Boom der Windenergie: Die neue Leitung soll den Windstrom aufnehmen, um ihn dann gen Süden zu leiten. Die Gefahr: Bleibt die Lücke, können die Windräder keinen Strom abliefern. Die Energiewende käme ins Stocken.

Aus Sicht des Landkreises Aurich ist die Freileitung quer durch das FFH-Schutzgebiet schlicht rechtswidrig. Sollte der Betreiber weiter auf der bisherigen Trassenführung bestehen, bleibe dem Kreis wohl keine andere Wahl als eine Klage, sagt Aurichs Erster Kreisrat Frank Puchert. „Tennet geht einen Weg, der sehr risikoreich ist“, warnt der Beamte. Die Landesplanungsbehörde habe eine Freileitung schon vor Jahren als nicht raumverträglich bezeichnet. Ein Erdkabel kommt nach Ansicht von Tennet als Alternative nicht infrage: Erstens fehlten dazu die rechtlichen Grundlagen, zweitens sei es in dem Feuchtgebiet sowohl schwer zu verlegen als auch zu warten. Landkreis und Umweltverbände schlagen deshalb vor, das Fehntjer Tief mit seinen Kiebitzen, Brachvögeln und Uferschnepfen mit der Leitung nördlich oder südlich zu umgehen – möglichst mit Erdverkabelung.

Betreiber kontert

Bei Tennet sieht man das nicht ein – und wähnt sich auf der rechtlich sicheren Seite. „Die Leitung ist genehmigungsfähig“, sagt ein Tennet-Sprecher am Donnerstag. Der Betreiber verweist darauf, dass bisher ja auch eine Freileitung durch das Schutzgebiet führe. Nach einem Neubau unmittelbar daneben würden die alten Masten abgebaut. Und da die neuen Masten klein und zum Schutz von Wildvögeln mit Vogelmarkern ausgestattet sein sollen, sei der Eingriff verschmerzbar. Bei einer Umgehung des Fehntjer Tiefs würden hingegen neue Probleme auftreten: Die Leitungen dürfen nicht zu nahe an Wohnbebauungen stehen, Erdkabel seien bei Wechselstromleitungen mit 380 kV zudem nur in Ausnahmefällen zulässig.

Das wiederum sehen Kreis und Naturschutzverbände anders. „Mit dem Bau der neuen Leitung würde der Lebensraum entwertet“, klagt Nabu-Landeschef Holger Buschmann: Ausgerechnet an dem Schutzgebiet sei die unterirdische Verlegung als Pilotprojekt vom Bund erlaubt worden. Tennet habe es über Jahre versäumt, die Alternativen durchzuplanen. Auch das Land habe klar signalisiert, dass man eine Erdverkabelung begrüße. „In Berlin und Hannover hat man die Türen geöffnet“, sagt Puchert. Das jetzige Vorgehen sei „nicht nur befremdlich, sondern völlig unverständlich“, kritisiert er. Dabei sei nur 20 Kilometer Luftlinie vom Fehntjer Tief zu besichtigen, was beim illegalen Bau in Schutzgebieten drohe: Dort liegt die gesperrte Umgehungsstraße von Bensersiel. Dem Schwarzbau droht der Abriss.

Klaus Wieschemeyer
Korrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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