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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Niedersachsen haben weniger Geld als andere

19.12.2018

Hannover Die Niedersachsen haben weiterhin deutlich weniger Geld in der Tasche als viele andere Bundesbürger. Das jährlich verfügbare Einkommen je Einwohner lag nach den jetzt vom Landesamt für Statistik (LSN) veröffentlichten Zahlen für 2016 bei 21 045 Euro. Dies sind zwar knapp 400 Euro oder 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dennoch stehen den Niedersachsen pro Kopf - vom Säugling bis zum Greis - im Jahr 1549 Euro weniger zur Verfügung als dem Durchschnitts-Einwohner in den westlichen Bundesländern. Dieser konnte über 22 594 Euro verfügen. Das ergibt sich aus einem Ländervergleich, den das LSN im „Niedersachsen-Monitor 2018“ vorgestellt hat. Zahlen für 2017 stehen laut LSN erst im kommenden Jahr zur Verfügung.

Das Wirtschaftsministerium in Hannover nannte zwei wesentliche Ursachen für das vergleichsweise niedrige verfügbare Einkommen: In Niedersachsen gebe es relativ wenig Unternehmen aus Hochlohn-Branchen. Zudem gebe es nur wenige Ballungszentren, wo zumeist höhere Löhne gezahlt würden als in ländlichen Regionen.

Zum verfügbaren Einkommen zählen die Einnahmen einschließlich aller Sozialleistungen nach Abzug von direkten Steuern und Sozialversicherungsabgaben. Im Bundesdurchschnitt hatte nach dieser Berechnung jeder Einwohner 21 919 Euro zur Verfügung.

Als Flächenland habe Niedersachsen mit 167 Einwohnern je Quadratkilometern eine der geringsten Bevölkerungsdichten unter den westdeutschen Bundesländern, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Diese ländliche Prägung sei ein Grund für das niedrige verfügbare Einkommen. „Der Verdienstunterschied zwischen gering und dicht besiedelten Räumen liegt bei 30 Prozent“, sagte sie.

Ein weiterer Grund für die durchschnittlichen Löhne sei die Branchenstruktur der Wirtschaft. „Im deutschlandweiten Vergleich stehen die Finanz- und Versicherungsdienstleister, die Branche Information und Kommunikation und die Industrie ganz oben“, sagte die Ministeriumssprecherin. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei zahlten dagegen die niedrigsten Bruttolöhne. Während die Hochlohnbranchen vor allem in städtischen Regionen und in den süddeutschen Bundesländern vertreten seien, sei Niedersachsens Branchenstruktur stark von Land- und Forstwirtschaft geprägt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen sieht dagegen das Rekordniveau bei Leih- und Teilzeitarbeit sowie bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen als Grund. „Mit niedrigen Löhnen gewinnt man keine Fachkräfte. Wer in der Champions League mitmischen will, muss seinen Spitzenkräften auch Spitzenbezahlung bieten“, sagte DGB-Bezirkschef Mehrdad Payandeh. Neben Arbeitgebern sei auch die Politik in der Pflicht, damit gute Tariflöhne bezahlt werden könnten.

Auch ohne nennenswerte Land- und Forstwirtschaft rangiert Bremen beim verfügbaren Einkommen unter den westdeutschen Ländern knapp vor dem Saarland mit 20 724 Euro je Einwohner an vorletzter Stelle. Das meiste verfügbare Geld pro Kopf hatten die Menschen in Hamburg mit 24 421 Euro. Es folgen Bayern (24 026) und Baden-Württemberg (23 947 Euro). Die Einwohner der ostdeutschen Bundesländer haben im Durchschnitt nur 19 147 Euro zur Verfügung. Absolute Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern (18 299) und Sachsen-Anhalt (18 648).

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