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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Umweltminister Lies sorgt sich um Windenergie

23.06.2018

Hannover /Im Nordwesten Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD, Sande) macht sich große Sorgen um den künftigen Ausbau der Windkraft im Land. Das Projekt Energiewende dümpelt im Augenblick eher vor sich hin anstatt immer mehr Schub aufzunehmen. Schuld trägt eine eigentlich gute Idee: Bürgerenergiegesellschaften sollten gegenüber Großkonzernen bei der Ausschreibung neuer Windanlagen bevorzugt werden. Das Ergebnis: Findige und manchmal windige Planungsbüros haben als „Bürgerprojekt“ den Zuschlag geholt – und machen nichts. In den Händen von Spekulationsgesellschaften befinden sich 2,7 von 2,8 Gigawatt geplantem Zubau. Jetzt warten die Rechteinhaber den Strompreis ab. „Es besteht die berechtigte Sorge, dass diese Projekte erst sehr spät nach 2020 oder gar nicht realisiert werden“, klagte Lies am Freitag im Landtag.

Olaf Lies (SPD), Umweltminister von Niedersachsen (Foto: Hollemann/dpa)

Die vom Umweltminister befürchtete Folge: Ein drohender „Fadenriss bei der Hersteller- und Zulieferindustrie“ für Windenergieanlagen. „Dieser Vorgang bedroht Arbeitsplätze“, sagt Lies klipp und klar. Gerade im Nordwesten. Niedersachsen fordert deshalb von der Bundesregierung, ein Paket von neuen Ausschreibungen im Gegenwert von 1,4 Gigawatt auf den Markt zu bringen, damit Ausbaulücken beim Weiterbau regenerativer Energie geschlossen werden.

NWZ-Kommentar: Windräder in der Flaute

Dabei besteht für Strom aus Windkraft in der Zukunft mehr als genug Bedarf, macht Lies klar. Denn derzeit bezieht der Wärmesektor gerade fünf Prozent seiner Energie aus dem Bereich Erneuerbare und der Verkehrssektor auch nur 13 Prozent. „Viel zu wenig“, kritisiert der Umweltminister mit Blick auf Klimaziele. Die Zukunft gehöre der Technologie, Windstrom beispielsweise in Gas umzuwandeln und anschließend die vorhandenen Wärme- und Gasnetze für den Transport zum Verbraucher zu nutzen. Kein Meter zusätzliche Stromleitung wäre dafür nötig – theoretisch. Wasserstoff ließe sich bequem in Autos, Schienenfahrzeuge und auch für die Herstellung von Kerosin einsetzen, wirft Lies einen Blick in Forschungslabore und -projekte. Immerhin: Die Polizei wird künftig einen Schritt in die richtige Richtung gehen und ihre Fahrzeugflotte auf Strom umstellen.

Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
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