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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Zahl der Wolfsrisse in Niedersachsen verdoppelt

29.12.2017

Hannover Immer wieder werden Schafe, aber auch Rinder und andere Nutztiere von Wölfen gerissen. Viele Halter von Weidetieren sind besorgt. Zunehmend werden Stimmen laut, die Raubtiere notfalls zu töten. Der Umgang mit dem Wolf soll in Niedersachsen verbessert werden. Das hat Umweltminister Olaf Lies (SPD) angekündigt. Was bedeutet das konkret?

Wo wird es Änderungen zum bisherigen Umgang mit dem Wolf geben?

Die Landesregierung plant eine ganze Reihe von Schritten, etwa bei der Schadensregulierung und der Wolfsberatung. „Wir sind beim Artenschutz für den Wolf in einer Phase angelangt, in der nicht das einzelne Tier oder Rudel entscheidend ist, sondern die Akzeptanz der Gesellschaft“, sagt Lies. „Es geht jetzt vor allem um konsequentes, aber rechtssicheres Handeln im Umgang mit dem Wolf.“

Was ist das Ziel der neuen Wolfsverordnung?

In Brandenburg soll Anfang 2018 eine Verordnung in Kraft treten, die auch den Abschuss von aggressiven oder anderen problematischen Wölfen als letztes Mittel erlaubt. „Meine Haltung ist klar: Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität“, betont Lies. „Wenn Wölfe die Scheu vor dem Menschen verlieren und dadurch zur Gefahr werden, müssen sie schnell entnommen werden.“

Die Zahl der Wolfsrisse hat sich in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Das sagte eine Sprecherin vom Wolfsbüro des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. 232 Nutztierschäden wurden bisher gemeldet, 355 Weidetiere wurden gerissen. 142 konnten eindeutig Wölfen zugeordnet werden. Betroffen sind vor allem Schafe. In 33 Fällen war der Wolf definitiv nicht der Verursacher. Weitere Fälle sind unklar, in 22 Fällen steht eine amtliche Feststellung noch aus.

2016 hatte es 141 gemeldete Nutztierschäden mit insgesamt 178 getöteten Tieren gegeben. Davon wurden 68 eindeutig von Wölfen getötet. In 43 Fällen sei der Wolf als Verursacher nicht nachweisbar gewesen, in einem Fall war gar keine Beurteilung mehr möglich.

Gab es 2016 noch 10 Wolfsrudel in Niedersachsen, so waren es in diesem Jahr schon mindestens 14. Die Landesjägerschaft geht von bis zu 150 Tieren aus.

Die Zahl der getöteten Tiere hängt nicht unmittelbar von der Zahl der Wölfe ab, sondern vor allem von der Umsetzung geeigneter Maßnahmen zum Schutz von Schafherden und anderen Nutztieren. In Regionen, in denen Wölfe neu einwandern, gebe es vermehrt Nutztierschäden, da Herdenschutzmaßnahmen dort meist erst mit der Zeit umgesetzt werden.

Was bedeutet Entnahme?

Entnahme kann die Tötung („letale Entnahme“) oder theoretisch auch das Einfangen von lebenden Tieren mit anschließender Unterbringung im Gehege meinen. 2016 wurde ein Wolf per Ausnahmegenehmigung im Heidekreis erschossen. Das Tier hatte die natürliche Fluchtdistanz nicht eingehalten und sich wiederholt Menschen genähert.

Sollen künftig auch andere Gründe für eine Entnahme reichen?

Nicht nur bei einer Gefahr für Menschen sollen künftig in Niedersachsen entsprechende Schritte ergriffen werden. „Auch der Umgang mit Wölfen, die wiederholt Herdenschutzmaßnahmen überwinden, muss überdacht werden“, sagt Lies. „Wenn Rinder nach guter fachlicher Praxis eingezäunt sind und trotzdem wiederholt von Wölfen angegriffen werden, müssen wir reagieren.“ Die Zahl der getöteten Nutztiere hat sich in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr 2017 auf über 350 fast verdoppelt. Im Einzelfall könnten Tiere in ein Gehege gebracht werden. Auch Vergrämen sei eine Möglichkeit, also das dauerhafte Verscheuchen.

Wer entscheidet bei Problemwölfen über einen Abschuss?

Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt. Grundsätzlich sind die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise für Ausnahmegenehmigungen zur Entnahme von geschützten Tieren verantwortlich. Sind aber Menschen gefährdet, geht die Verantwortung auf das Land über.

Was ändert sich bei Ausgleichszahlungen nach Wolfsrissen?

Landwirtschaftsverbände beklagen unzureichende und aufwendige Schadenersatzzahlungen. Künftig sollen Weidetierhalter schneller und effektiver unterstützt werden. So soll die optische Rissbegutachtung als Standardverfahren etabliert werden. „Nur in Zweifelsfällen wird auf die DNA-Analyse zurückgriffen“, kündigt Lies an. Zudem müsse der Herdenschutz ausgebaut werden, etwa durch Hunde oder Zäune. „Ganz aktuell haben wir schon die Förderkulisse auf ganz Niedersachsen ausgeweitet und zukünftig sollen auch Hobbytierhalter gefördert werden können.“

Was ist von der Forderung nach wolfsfreien Zonen zu halten?

Ein Wolf kann in einer Nacht gut 60 Kilometer zurücklegen. „Die Schaffung wolfsfreier Gebiete ist nicht nur sachlich, sondern auch rechtlich äußerst problematisch“, erklärt Lies. Er will in Brüssel Gespräche über entsprechende Möglichkeiten führen. In ganz Niedersachsen alle Rinderweiden wolfssicher einzuzäunen, sei illusorisch. „Wenn es immer wieder an derselben Stelle trotz eines Zauns zu Wolfsrissen kommt, dann muss es auch möglich sein, die Tiere zu entnehmen.“ Die Wölfe bei Cuxhaven und Goldenstedt sollen möglichst bald mit Sendern ausgestattet werden, um eine Beobachtung ihres Verhaltens sicherzustellen.

Welche Rolle spielen Landesjägerschaften und Wolfsbüro?

In Niedersachsen ist die Landesjägerschaft dafür zuständig, die Tiere zu erfassen und zu beobachten. „Das Monitoring ist die wichtigste Grundlage eines guten Wolfsmanagements - auch hier überlegen wir, wo Verbesserungen möglich sind“, betont Lies. Ziel sei es, in Zukunft ein Tier pro Rudel mit einem Sender zu versehen. Außerdem wird geprüft, ob zusätzliche regionale Wolfsbüros eingerichtet werden.

Ist eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht geplant?

Nur wenn eine Tierart dem Jagdrecht unterliegt und auch eine Jagdzeit hat, darf sie von Jägern erlegt werden. „Das macht jetzt keinen Sinn, weil der Wolf dann derzeit das ganze Jahr lang Schonzeit hätte“, sagt Lies zu einer Aufnahme ins Landesjagdrecht. „Wenn die Population eine Größe erreicht, dass der Wolf bejagt werden kann, ist das anders. Aber aktuell wäre die Aufnahme nur eine Alibi-Lösung.“ Der Wolf sei da und er bleibe auch. „Der Wolf ist in Niedersachsen heimisch geworden. Jetzt müssen wir lernen, nebeneinander zu leben. Akzeptanz ist also auch die größte Herausforderung für den Artenschutz.“

Lesen Sie auch: Mehr Geld für Schutz vor Wolf, Nordwest-Zeitung vom 27. Dezember 2017

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