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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Auswirkungen des Hitze-Sommers sind noch zu spüren

11.04.2019

Hatterwüsting /Oldenburger Land Grüne, saftige Felder, am blauen Himmel ein paar Wolken. Henning Wübbeler blickt über sein Land. „Das Grün sieht schon ganz gut aus oder?“, fragt der 34-jährige Landwirt, der einen Betrieb bei Hatterwüsting im Landkreis Oldenburg führt. Doch der Schein trügt. Die Trockenheit des vergangenen Hitze-Jahres ist noch immer überall zu spüren.

„Wir haben 75 Milchkühe, das weibliche Jungvieh, circa 100 Mastbullen – und dazu 80 Hektar Grünland“, sagt der ausgebildete Landwirtschaftsmeister, der den Familienbetrieb vor rund zehn Jahren übernommen hat. Auf dem Land werde Silomais oder Getreide angebaut. „In normalen Jahren versorgen wir uns selbst oder haben sogar Futter über“, sagt er. „2017 war beispielsweise ein nasses Jahr – da konnten wir neun Hektar Silomais verkaufen.“

Doch im vergangenen Jahr war alles anders. „Es ist wenig gewachsen. Wir haben zwar etwas geerntet, aber es war wenig und von schlechter Qualität.“ Von Schnitt zu Schnitt wurden die Ernteerträge geringer. Welche Auswirkungen die Trockenheit hat, bekommt Henning Wübbeler immer noch zu spüren. „Bis jetzt haben wir Futter für 17 000 Euro dazugekauft – am Ende rechnen wir mit 25 000 Euro“, sagt er. „Wir haben auch in den vergangenen Jahren keine großen Rücklagen gebildet. Das geht an die Substanz – 25 000 Euro sind für einen Betrieb unserer Größe ein großer Betrag. Wenn es eine solche Trockenheit noch ein zweites Jahr hintereinander geben würde, würde es knapp werden. Das wäre existenzbedrohend.“

Doch was musste der 34-Jährige dazukaufen? „Wir haben Silomais von einem anderen Landwirt ab Feld gekauft, also bei ihm geerntet. Dazu haben wir Mähgras gekauft und bislang 90 Siloballen.“ Kosten? „Normalerweise kostet ein Ballen 30 bis 35 Euro – die letzten habe ich für 55 Euro pro Stück bekommen.“ Zwei solche Ballen bekommen die Rinder täglich. „Wir sind jetzt erst so richtig von der Trockenheit betroffen und haben nun den Punkt erreicht, wo es kostet.“

Weniger Stärke im Mais

Und auch der eigene, geerntete Silomais macht dem Landwirt zu schaffen. „Wir mussten im vergangenen Jahr bereits im August statt Anfang Oktober ernten.“ Analysen würden zeigen, dass der Silomais aktuell vier Prozent Stärke besitze – normal seien rund 30 Prozent, sagt er. „Deswegen müssen wir Maismehl vom Landhandel dazukaufen. Das mischen wir zur Silage, damit die Kühe Stärke und Energie für die Milchproduktion bekommen.“ Eine Futterberaterin rechnet die genauen Rationen aus. Als Grundfutter bekäme das Milchvieh den extra vorgehaltenen ersten Schnitt Grassilage aus dem vergangenen Jahr, Maissilage und Maismehl, das weibliche Jungvieh erhalte Silageballen und die Mastbullen bekämen Maissilage und Kraftfutter.

Henning Wübbeler blickt über die Felder. Zum Glück sei nun neues Futter da. „Im Moment ist damit zu rechnen, dass es ein normales Futterjahr wird“, sagt der Landwirt und ein Hoffen liegt in seiner Stimme. „Alle warten auf die Ernte und den ersten Schnitt.“ Das kräftige, massige Ackergras könne bereits nach Ostern geschnitten werden. „Das wird eine gute Grassilage geben“, sagt er zu der Zwischenfrucht auf die Silomais folgen wird. Nach der Ernte und dem Häckseln werde das Gras einsiliert. „Der Prozess dauert sechs bis acht Wochen – also ist in circa acht bis zehn Wochen neues Futter vorhanden“, sagt Henning Wübbeler. Das Gras auf dem Dauergrünland folge dann Mitte Mai.

Doch sind die Böden wirklich wieder so feucht, wie es wegen der grünen Ackerflächen scheint? „Die Bodenkrume, der obere Bereich des Mutterbodens, ist circa 30 bis 35 Zentimeter tief“, sagt der Hatterwüstinger. „Wenn es regnet, dringt die Feuchtigkeit rund 15 bis 20 Zentimeter tief – weiter kommt das Wasser nicht.“ Die Pflanzen würden das Wasser aufnehmen oder es verdunste wieder.

Laut der niedersächsischen Landwirtschaftskammer seien leichte Sandböden, die nicht so viel Wasser speichern können, aktuell relativ gut durchfeuchtet – gute, schwere Böden, die mehr Wasser speichern können, hingegen noch nicht, so Sprecher Wolfgang Ehrecke auf Nachfrage unserer Redaktion. In der Region Oldenburg gebe es vor allem leichte, sandige Böden als Ackerflächen. So seien die Winterkulturen (Getreide, Raps) gut aus dem Winter ins Frühjahr gekommen und würden sich gut entwickeln. Dennoch: „Dem Boden und dem Grundwasserstand täten ergiebige Niederschläge wirklich sehr gut – doch diese Niederschläge sind, zumindest bis Ostern, wohl leider nicht zu erwarten“, sagt Ehrecke.

Henning Wübbeler blickt auf die Silageballen neben den Ställen. Rund 50 Stück sind dort noch übereinander gelagert. „Sie reichen noch circa 20 Tage“, sagt er. „Ich hoffe, das wir nicht noch einmal dazukaufen müssen.“ Denn: „Ohne das Zufüttern würden die Kühe im Jahr rund 1500 Liter weniger Milch pro Kuh produzieren.“ Ein normaler Wert liegt im Jahr bei 10 000 Liter Milch pro Kuh. Dabei wird es auch hier schwieriger: „Auch das Futter, das man über das Internet bekommt, wird langsam knapp.“

Indes sieht es bei den Grundwasserbeständen in der Region ein wenig entspannter aus, so Heiko Poppen, Pressesprecher beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV). Die bisherigen Niederschläge im hydrologischen Winterhalbjahr, also von November bis April, hätten im Landkreis Oldenburg laut Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdiensts tendenziell leicht unter dem langjährigen Mittel gelegen, so Poppen.

Genug Trinkwasser

Der Regen habe sich je nach Lage sehr unterschiedlich auf die Grundwasserstände und auf die Wiederauffüllung der Ressourcen ausgewirkt: In Bereichen, wo das Grundwasser nur wenige Meter unter der Oberfläche ansteht, stiegen die Stände nach dem sehr trockenen Sommer teilweise bereits ab Oktober oder November an, so Poppen. „Damit waren nach der Hauptvegetationsphase die Vorräte wieder vollständig gefüllt und die Auffüllung des darunterliegenden Grundwasserleiters setzte ein.“

In den höher gelegenen Bereichen, wo der Abstand zwischen Gelände und Grundwasseroberfläche mehr als fünf oder zehn Meter beträgt, setzte der Anstieg der Stände und der Wiederauffüllung der Grundwasserleiter erst mit zeitlicher Verzögerung ein. „Dort, wo das Grundwasser erst in mehr als zehn Meter Tiefe anzutreffen ist, wurde stellenweise bis März noch kein Anstieg der Grundwasserstände beobachtet“, so Poppen. Generell gelte aber: „Die Trinkwasserversorgung ist gesichert.“

Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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