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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

SPARGELERNTE: Helfer fürchten um Früchte ihrer Arbeit

26.05.2005

MOLBERGEN Schuld ist die EU. Seit Polen der Union angehört, müssen Sozialbeiträge dorthin abgeführt werden.

Von Reiner KRamer MOLBERGEN - In Polen ist Wanda Plocharczyk Hausfrau und Mutter. In Niedersachsen sticht sie Spargel. Wie die meisten der mehr als 38 000 ausländischen Erntehelfer, denen die Bundesagentur für Arbeit seit Anfang des Jahres in Niedersachsen und Bremen Arbeitserlaubnisse erteilt hat. Seit 15 Jahren kommt die Polin aus Konin-Golina in jedem Frühjahr für drei Monate zur Spargelernte auf den Hof von Bernd Bahlmann nach Molbergen (Kreis Cloppenburg). „Hier verdiene ich viel mehr als in Polen“, sagt sie.

Bahlmann hat rund fünfzig Erntehelfer angestellt. Die Spargelernte ist auch bei ihm fest in polnischer Hand. Doch das könnte sich bald ändern, befürchten Spargelbauern. Künftig müssen Arbeiter und Bauern Sozialbeiträge in Höhe von 48 Prozent im EU-Land Polen abführen, 20,64 Prozent trägt der Arbeitgeber, 27,21 Prozent der Arbeitnehmer. Bei einem Stundenlohn von 5,42 Euro nach dem niedersächsischen Tarif blieben noch etwa 3,90 Euro netto übrig. Noch ist unklar, ob bereits für 2005 Beiträge entrichtet werden müssen.

Katarzyna Rokitowska ist erstaunt. Davon habe sie bisher nichts gehört. Ärgern würde sie der geringere Verdienst schon, wiederkommen würde sie wohl trotzdem, sagt sie. Rund 1000 Euro verdient die aus der Nähe von Rzeszow stammende Frau im Monat. Einkommen, von dem sie in Polen einige Monate gut leben könne, sagt die ehemalige Steuer- und Finanzwesen-Studentin.

In Molbergen arbeiten Rokitowska und Plocharczyk in einer Gruppe von zehn Arbeiterinnen an der Sortiermaschine. Nach Länge, Dicke und Aussehen sortieren sie den Spargel, der vom Feld in die Halle geliefert wird.

Draußen auf dem großen Spargelfeld stehen 30 Arbeiter mit gekrümmten Rücken zwischen den Dämmen, ziehen die schwarze Folie ab, darunter kommen weiße Spargelspitzen zum Vorschein. Mit flinken Bewegungen stoßen sie die Messer in den lockeren Boden, etwa 30 Zentimeter tief, schneiden und legen das weiße Gemüse in einen kleinen Wagen. Rund eine Woche benötigen neue Kräfte, um die richtige Technik zu erlernen und sich an die körperlichen Strapazen zu gewöhnen, sagt Bernd Bahlmann.

Spargelstechen ist weitgehend Handarbeit und ein echter Knochenjob. Von der Diskussion, vermehrt deutsche Arbeitslose zum Spargelstechen zu verpflichten, hält Bahlmann wenig. Sie hielten der Belastung oft nicht stand, ist seine Erfahrung. Obendrein ist die Spargelernte für Arbeitslose wenig attraktiv: Der Lohn führt zu Kürzungen bei der Arbeitslosenunterstützung. Oft bleibt dann nur ein Bruchteil des Monatsverdienstes übrig.

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Die Bauern hätten ein Recht darauf, ausländische Saisonkräfte einzustellen, sagt Günter Behrendt von der Oldenburger Agentur für Arbeit. Nach der Kleinbetriebsregelung werde der deutsche Arbeitsmarkt nicht geprüft, wenn ein Betrieb nicht mehr als vier ausländische Arbeiter einstellt. Und nach der gesetzlich garantierten Besitzstandswahrung kann, wer 1998 ausländische Erntehelfer beschäftigt hatte, heute 90 Prozent der Stellen mit ausländischen Saisonkräften besetzen.

Für den Fall, dass die Polen im nächsten Jahr nicht wieder kommen, hat Bahlmann schon eine Idee: Bulgaren oder Rumänen könnten dann die Arbeit übernehmen.

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