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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Tierschutz: Heringe für hungrige Heuler

19.07.2013

Norddeich Es ist 10.55 Uhr. Der Geruch von Fisch liegt in der Luft des ostfriesischen Norddeich. Was nur wie eine laue Brise die Nase umspielt, wird stärker. Plastik raschelt, mit lautem Flutschen gleiten mehrere Kilo gefrorener Hering in ein großes Waschbecken. In der Küche der Seehundstation Norddeich herrscht Hochbetrieb.

„Jetzt dauert die Vorbereitung der Fütterung knapp eine halbe Stunde“, sagt Tim Fetting, Tierpfleger an der Station. Alle Heuler seien inzwischen groß genug, um festen Fisch zu fressen.

Zwölf Mitarbeiter sortieren den Hering, verpacken ihn portionsweise in Messbecher, die sich im Küchenfenster meterhoch stapeln. Auf der anderen Seite des Fensters liegen sie: die Seehunde. 140 Tiere warten an diesem Vormittag auf ihre Portion Fisch. Den Kopf zum Küchenfenster erhoben, liegen sie in jedem Becken auf einem Haufen.

Jetzt im Juli in der Ferienzeit, die sich mit der Säugephase der Seehunde überschneidet, werden viele Heuler gefunden. Dass es dieses Jahr so viele hier in der Station gebe, sei nicht ungewöhnlich, sagt Peter Lienau, Leiter der Seehundstation Norddeich. „Es gibt immer den gleichen geringen Anteil an Heulern von ein bis zwei Prozent“, sagt Lienau.

Hoher Bestand

Die Seehundbestände wachsen. 2012 zählte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) 8397 Seehunde – ein Spitzenwert. Schon in den Jahren zuvor gab es eine steigende Tendenz. Auch in diesem Jahr sind für das Laves Ehrenamtliche unterwegs, um auf Flügen die Größe der Seehundpopulation zu ermitteln.

An den Ergebnissen kann die Behörde einiges ablesen. „Vom Seehund lässt sich ableiten, wie es um das Meer und vor allem um den Fisch bestellt ist“, sagt Hiltrud Schrandt, Pressesprecherin des Laves. Wenn es um die Zahlen geht, kooperiert die seit 1971 bestehende Seehundstation, die auch Forschungsarbeit leistet, mit dem Laves.

Frischer Fisch für „Cupcake“ und „mats“

Die Station finanziert sich aus Eintrittsgeldern und Spenden. „Wir sind autark“, so Peter Lienau. Über Patenschaften können Kosten für einen Heuler übernommen werden.

Paten dürfen ihrem Tier einen Namen geben. Patenlose Heuler werden von Mitarbeitern getauft – so heißen die Tiere dann „Cupcake“ oder „Mats“.

    seehundstation-norddeich.de

Als die Mitarbeiter mit den Messbechern und Eimern voller Heringe aus der Küche kommen, robben die Heuler sofort in deren Richtung. Die kleinen dreieckigen Nasen öffnen und schließen sich eifrig, um den Fischgeruch einzusaugen.

Hinter verspiegelten Glasscheiben beobachten Hunderte Zuschauer das Treiben. Was sie dabei nicht wahrnehmen: Das Schreien. Die ganze Luft ist erfüllt von den lautstarken Rufen der Heuler: eine Mischung aus kehligem Brummen und dem Schreien von Kleinkindern.

Die Pfleger müssen nun zwischen den Tieren vor allem eines beachten: „Alle Tiere füttern und sich nicht beißen lassen“, sagt Tim Fetting. 400 Gramm Hering sollen die kleineren Seehunde fressen. Die Größeren bekommen schon bis zu zwei Kilogramm Fisch. Doch bevor die Tiere so weit sind, ist es ein langer Weg für die Heuler.

Werden Seehunde durch Stürme oder von Menschen gestört, und dadurch die Jungtiere von der Mutter getrennt, rufen die Kleinen nach ihrer Mutter. Das gibt ihnen den Namen – Heuler. Kommt die Mutter nicht zurück und der Heuler wird von Menschen entdeckt, kann entlang der gesamten niedersächsischen Küste einer von 70 ehrenamtlichen Helfern prüfen, ob der Heuler Hilfe braucht.

„Wir haben eine Kamera auf Norderney installiert, um zu prüfen, wie häufig die Seehunde gestört werden“, sagt Lienau. Das Ergebnis: Sieben Mal pro Tag werden die Seehunde von der Sandbank vertrieben, zwölf Mal am Tag werden sie gestört. Nicht jeder Seehund kommt automatisch in die Aufzuchtstation. „Alle Tiere stammen ausschließlich von den Badestränden der Inseln und des Festlandsbereiches“, sagt Lienau. Werden die Tiere als hilfsbedürftig eingeschätzt, kommen sie in die Quarantäne. Im Waloseum in Norddeich werden sie zunächst untersucht und aufgepäppelt. Erst danach werden sie zur Aufzuchtstation gebracht. Je nach Alter und Fitness werden sie in Becken aufgeteilt. Besonders junge Tiere werden über Magensonden ernährt, danach sollen sie sich an festen Hering gewöhnen. In einem der kleineren Becken hockt Tim Fetting auf den Knien, zwischen seinen Beinen hält er einen der jüngeren Heuler. Mit Nachdruck steckt er dem jungen Seehund den Fisch ins Maul. „Der muss erst noch lernen, dass der Fisch lecker ist“, sagt Fetting.

In den großen Becken ist alle paar Sekunden ein Platschen zu hören. Flink gleiten die älteren Heuler ins Wasser, um sich die Heringe schneller zu holen als die über ihnen kreischenden Möwen.

Selbst jagen

Die Tierpfleger versuchen, die Seehunde zum Jagen zu animieren – ein wichtiger Schritt, um sie fit für die Wildnis zu machen, wo sie nach durchschnittlich 80 Tagen wieder hingebracht werden.

Anfang August beginnt die Auswilderungsphase. Im gesamten Küstenbereich werden die Seehunde ausgesetzt.

Es ist 11.15 Uhr. Ruhe kehrt ein in der Station. Die satten Heuler treiben wie kleine Bojen im Wasser. Einige liegen dösend in der Sonne. Bis sie ausgewildert werden, vergeht noch mindestens ein Monat. Und ihre Aussichten sind gut. Laut Laves wurden bei bisherigen Zählflügen keine Anzeichen von Krankheiten unter Seehunden entdeckt.

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