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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Kinder- und Jugendhospiz Wilhelmshaven: Eine Auszeit am Meer als großer Vertrauensbeweis

11.12.2014

Wilhelmshaven Ständige Krankenhausaufenthalte am Bett ihrer Tochter. Seit fünf Jahren bangt Corina Özdemir um das Leben ihrer kleinen Fatma. Das Mädchen ist aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt schwerstbehindert, muss beatmet und künstlich ernährt werden.

Es ist im November, als Corina Özdemir nicht mehr kann. Mit dem Pflegedienst, der sie zu Hause in Bremerhaven unterstützt, gibt es immer wieder Probleme, wieder folgt ein Krankenhausaufenthalt. Schnell wird in der Klinik klar, dass die 32-jährige Mutter am Ende ihrer Kräfte ist. Vom Krankenhaus aus wird ein Kontakt hergestellt zum Kinder- und Jugendhospiz in Wilhelmshaven, Corina Özdemir und ihre Tochter Fatma werden am 10. November aufgenommen.

Ziel ist kostenloser Aufenthalt für Kinder und ihre Familien

Wenn ein junger Mensch schwer erkrankt, benötigt er hochqualifizierte Pflege und Unterstützung. Um an dieser belastenden Situation nicht zu zerbrechen, sind Auszeiten für die Familie besonders wichtig. Die betroffenen Eltern, Großeltern und Geschwisterkinder leben mit den erkrankten Kindern oder Jugendlichen für eine gewisse Zeit im Kinder- und Jugendhospiz „Joshuas Engelreich“.

Von den Kranken- und Pflegekassen werden 95 Prozent der Gesamtkosten des Aufenthaltes eines Kindes gedeckt. Die offenen fünf Prozent übernimmt der Träger des Hospizes, die Mission Lebenshaus gGmbH. Die Aufenthaltskosten für die Eltern und Geschwisterkinder trägt der Förderverein des Kinder- und Jugendhospizes. Um alle diese Dinge bewerkstelligen zu können, sind sowohl die Mission Lebenshaus als auch der Förderverein des Hospizes auf ehrenamtliche Unterstützung und Spendengelder angewiesen.

Wer helfen möchte, findet im neuen Onlineshop eine ganze Palette von Projekten, die das Hospizteam seinen jungen Gästen und deren Familien über die pflegerische Betreuung hinaus anbieten möchte. Denkbar sind ein Strandkorbdinner für die Eltern, ein Zirkusbesuch für die ganze Familie, eine Stunde Kunsttherapie in der Woche, ein Schwimmbadbesuch und noch ganz viele andere Angebote.

Mehr: www.spendenshop-kinderhospizwilhelmshaven.de

Seitdem geht es für beide wieder bergauf. „Ich bin einfach überfordert gewesen“, sagt Corina Özdemir und freut sich darüber, hier im Hospiz der „Hektik- und Stressspirale“ entflohen zu sein. Und nicht nur der Mutter, auch der kleinen Fatma geht es schon besser. „Sie ist zufriedener und braucht weniger Sauerstoff“, sagt Corina Özdemir und streichelt ihrer Tochter, die gerade einen Mittagsschlaf macht, liebevoll über den Kopf.

Das 111-tägige Bestehen haben die Hospizverantwortlichen am Mittwoch zum Anlass genommen, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Die ersten Eltern von schwerstkranken Kindern und Jugendlichen, die oftmals nur noch eine begrenzte Lebenszeit haben, haben das Hospiz bereits wenige Tage nach ihrem Einzug wieder verlassen. Aber nicht etwa, weil sie unzufrieden gewesen wären, sondern weil sie ihre Kinder in guten Händen wussten, wie Hospizleiterin Irene Müller berichtet. „Die Eltern haben ihre Kinder bei uns gelassen und ihre Freizeit am Meer genossen. Das war ein unheimlich großer Vertrauensbeweis für uns“, erinnert sich Müller und fügt als eine Art Motto des Hauses hinzu: „Hier wird gelebt, gelacht, getrauert“.

Vertrauen gewinnen, sich eine Auszeit gönnen – auch das sind zentrale Dinge, auf die es Müller ankommt. „Für mich ist es wichtig, dass unsere Mitarbeiter sich entschleunigen. Und damit meine ich nicht, dass sie weniger arbeiten sollen. Ich meine damit, dass sie einen Schritt zurücktreten sollen, Ruhe ausstrahlen, zuhören können, die Gefühle der Eltern und der erkrankten Kinder aufnehmen, zwischen den Zeilen zuhören, innehalten und aushalten – dazu gehört eine ganze Menge“, erklärt Müller, was sie von den Mitarbeitenden erwartet.

23 Kinder haben das Hospiz seit seiner Eröffnung Ende August besucht. Das jüngste Kind, die kleine Anna, war gerade einmal neun Monate alt, die Älteste, ein 18-jähriges Mädchen, war ohne ihre Eltern da. Auch wenn Betroffene aus dem gesamten Bundesgebiet sich um einen Platz bemühen können, so kommen doch die meisten Gäste aus der Region.

So wie Corina Özdemir mit ihrer Tochter Fatma. Die beiden Bremerhavenerinnen werden auch das Weihnachtsfest im Hospiz verbringen und weiterhin die Zeit nutzen, um neue Kraft zu tanken. Kraft für all das, was noch vor ihnen liegt. Denn die Mutter weiß nicht, wie lange ihre Tochter noch zu leben hat. „Eigentlich hat schon keiner mehr daran geglaubt, dass sie fünf Jahre alt wird“, berichtet Corina Özdemir. Doch erst vor wenigen Tagen hat die kleine Fatma ihren fünften Geburtstag gefeiert – im Hospiz.

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Hier bleiben die beiden noch bis zum 26. Dezember, dann geht es zurück nach Hause. Zwischenzeitlich wird über das Hospiz ein neuer Pflegedienst organisiert. „Wir fühlen uns wirklich wohl hier“, sagt die 32-Jährige, lehnt ihren Kopf an den ihrer Tochter und rückt ihr das Namensschild zurecht. Darauf steht: „Fräulein Fatma – Prinzessin des Hauses“.


Mehr Infos unter   www.kinderhospizwilhelmshaven.de 
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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