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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Transrapid-Unglück Im Emsland: Der Anfang vom Ende

22.09.2016

Lathen Freitag, der 22. September 2006, ist ein schöner Spätsommertag im Emsland. Auf der Transrapid-Testanlage in Lathen beginnt routinemäßig die Arbeit: Gegen 8 Uhr verlässt ein dieselbetriebener Werkstattwagen seine Halle und fährt den 31 Kilometer langen Rundkurs ab. Nach einer guten Stunde ist die Sicherheitsüberprüfung abgeschlossen. Gegen 9.40 Uhr ist der Transrapid 08 abfahrbereit zu seiner ersten Testfahrt auf der Strecke an diesem Tag. Keine Viertelstunde später prallt der Magnetzug bei Tempo 170 auf den 50 Tonnen schweren Werkstattwagen.

Die Fahrdienstleiter haben vergessen, ihn nach der Kontrollfahrt von der Strecke zu beordern, bevor sie den Weg für den Transrapid freigaben. 23 Menschen sterben bei dem Unglück, das die Region schockierte – und den Ruf der Transrapid-Technik in Deutschland schädigte.

Schon 1934 Patent angemeldet

Die Geschichte des Transrapids begann schon 1922. Damals beschäftigte sich der Ingenieur Hermann Kemper mit den Möglichkeiten der Schwebetechnik. 1934 meldete er ein Patent an.

September 2006: Bei einem schweren Unfall auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland sterben 23 Menschen, zehn werden verletzt. 2008 werden zwei frühere Betriebsleiter, 2011 zwei Fahrdienstleiter als Verantwortliche des Unglücks verurteilt.

Dezember 2011: Der Testbetrieb im Emsland wird endgültig beendet.

Der Transrapid galt bis dahin als eines der sichersten Verkehrsmittel der Welt. Ein Zugunglück wie etwa 1998 im niedersächsischen Eschede, bei dem 101 Menschen im ICE den Tod fanden, sei beim Transrapid konstruktionsbedingt nicht möglich, hieß es.

Die Emsländer waren auf die Testanlage im früheren Moorgebiet stolz. Der Transrapid war ein Zeichen für den wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg der Region, die einst zu den ärmsten Provinzen Deutschlands gehörte. Er war ein Leuchtturm für Modernität und technisches Know-how auf höchstem Niveau.

Gedanken an die Opfer

„Als Landkreis Emsland hatten wir gehofft, dass die Region dauerhaft vom Transrapid hätte profitieren können, etwa durch den Zugewinn an attraktiven Arbeitsplätzen und den Ruf, Heimat einer Zukunftstechnologie zu sein“, sagt Landrat Reinhard Winter (CDU). Das Unglück habe dieser Hoffnung ein jähes Ende bereitet – es blieben die Gedanken an die Opfer.

Über die Katastrophe selbst möchten Kommunalpolitiker zehn Jahre danach nicht mehr sprechen. Zum Jahrestag solle es eine Gedenkfeier in Lathen für die Angehörigen geben, sagt Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU).

Es sei für die Menschen in Lathen und Umgebung schwer gewesen, mit dem Unglück umzugehen, sagt Bärbel Wempe. Die 56-Jährige ist die Koordinatorin der Notfallseelsorge im Emsland und war mit ihren Kollegen eine der ersten, die an der Unfallstelle war: „Aus dem Transrapid wurde ein Symbol der Zerstörung, nicht für hoffnungsvolle Zeiten.“

Inzwischen fährt im Emsland kein Transrapid mehr. Der Testbetrieb, der 2008 wieder aufgenommen worden war, wurde im Dezember 2011 endgültig beendet. Gegen Höchstgebot versteigert der Bund nun am 25. Oktober selbst einen der Transrapid-Züge, die bis 2011 noch fuhren. Aber nach wie vor steht die 31 Kilometer lange Teststrecke – mit einem zuwuchernden Besucherhügel.

Mit dem Rückbau wurde begonnen, wie der Geschäftsführer der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG), Rudolf Schwarz, sagt. Die IABG hatte die Testanlage im Auftrag des Bundes betrieben.

Vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin streitet sich die IABG derzeit mit der Bundesregierung um die Abrisskosten. Laut einem Gutachten liegen die Gesamtkosten bei rund 40 Millionen Euro, sagt Schwarz. Vor allem der Abriss des aufgeständerten Fahrwegs wird ins Geld gehen. Alle 25 Meter steht auf den 31 Kilometern Länge eine Stütze, die Fundamente reichen bis in 15 Meter Tiefe.

Strecke in China gebaut

Immerhin hat China mit der deutschen Technik eine Strecke in Shanghai gebaut. Aber eine Vermarktung des Transrapids in andere Länder war nicht erfolgreich: Brasilien stand zur Debatte – doch eine Strecke wurde weder zur Fußball-WM 2014 noch zu den Olympischen Spielen in diesem Sommer gebaut.

Die Vermarktung der Transrapid-Technik wird inzwischen von der Schweiz aus betrieben. Die SwissRapide AG will nicht nur Transrapid-Strecken in der Schweiz voran bringen, sondern auch auf Teneriffa, in Dubai oder im Iran. In Japan stellte im vergangenen Jahr die mit dem Transrapid konkurrierende Magnetschwebebahn Maglev mit mehr als 600 Kilometern in der Stunde einen Temporekord auf. Der Zug soll 2027 Tokio mit der Industriestadt Nagoya verbinden.

Ganz tot ist die Transrapid-Technik aber auch in Deutschland noch nicht. In Lathen betreibt die IABG mit ihrer Tochtergesellschaft Intis auf dem alten Betriebsgelände ein Unternehmen, das die induktive Stromaufnahme für Fahrzeuge erforscht. 18 Menschen arbeiten dort, viele waren schon zu Transrapid-Zeiten auf der Anlage beschäftigt.

Statt mit Ladekabeln lässt sich Strom auch berührungslos, per Induktion, übertragen. Nicht nur Garagen, auch Straßen können mit der Induktions-Technik ausgestattet werden. „Wir arbeiten mit Ladeströmen von mehr als 30 Kilowatt“, sagt Schwarz. Es sei ein 30 Meter langes Stück Straße gebaut worden, auf dem das berührungsfreie Laden von Elektroautos erfolgreich demonstriert wurde, und auch, dass es zu vernünftigen Kosten machbar sei. Ein Überbleibsel der Transrapid-Technik könnte also in der Elektromobilität weiterleben.


Mehr Infos unter   www.nwzonline.de/fotos-region 
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