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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

KOSTENStrohpreise: Hohe Strohpreise: Bauern kämpfen mit dicken Brocken

19.02.2012

OLDENBURGER LAND Olden­burg ist Pferdeland. Spätestens seit Landesherr Graf Anton Günther im 30-jährigen Krieg die Schonung der Stadt durch die Schenkung besonders schöner Tiere erwirkte, ist das Schicksal der Region unwiederbringlich mit den edlen Einhufern verbunden. Eine Verbindung, die den Tieren einen besonderen Stellenwert bei den Menschen einbringt.

Sollte man zumindest meinen. Wird man allerdings mit den Schicksalen der Tiere konfrontiert, die auf dem Gnadenhof von Bernhard Kutz und Ingrid Lindenberger Unterschlupf gefunden haben, ist man sich dieser Tatsache nicht mehr so sicher.

Hier in der Gemeinde Ovelgönne, wo der Wind widerstandslos über die Marsch peitscht, dürfen rund 60 Tiere ihre letzten Jahre – oftmals gekennzeichnet durch Rückenprobleme, Arthrose oder andere Krankheiten – an der frischen Luft der Wesermarsch in Ruhe verleben. „Viele Besitzer denken einfach nicht daran, dass mit der Haltung eines Pferdes auch eine gewisse Verantwortung verbunden ist“, erklärt Bernhard Kutz.

Er nennt diese Verantwortung Zukunftsvorsorge. „Einige Besitzer können oder wollen sich die Tiere kurzfristig nicht mehr halten, beispielsweise wenn die Tochter in einer anderen Stadt anfängt zu studieren. Die einfache Konsequenz lautet dann: Das Tier muss weg. Und das am besten kostenlos“, sagt Kutz. Kostenlos bedeutet, dass die Kosten zumeist auf Bernhard Kutz und auf den Verein „Pferdeoase“ übergehen. Rund vier Euro stehen für die Tiere am Tag zur Verfügung.

Doch die Finanzierung des Gnadenhofes wird zunehmend schwieriger. Grund dafür ist der stark angestiegene Strohpreis. „Die Preise für Stroh haben sich in den letzten zwei Jahren praktisch verdoppelt“, berichtet Bernhard Kutz. Das Stroh ist die ideale Einstreu für die Tiere. Da diese permanent fressen müssen, dient das Stroh neben der täglichen Heuration als zusätzliche Trockenfutterquelle.

Markt leergekauft

Import aus der Türkei

Für einen Quaderballen Stroh, der vor zwei Jahren noch für rund 20 Euro zu haben war, müssen nun bis zu 80 Euro bezahlt werden. „Wir mussten bereits Stroh aus der Türkei importieren. Das war jedoch durch Pestizide so stark belastet, dass es sich für die empfindlichen Mägen der Tiere nicht eignete“, sagt Kutz.

Der Markt sei praktisch leergekauft. Eine Entwicklung, die auch Manfred Gerken, Kreislandwirt für den Landkreis Ammerland, bestätigt: „Besonders in diesem Herbst und Winter war es schwierig, an qualitativ gutes Stroh zu kommen. Für gutes Stroh musste man bis zu 200 Euro auf den Tisch legen.“

Doch was sind die Gründe für die rasante Preissteigerung des letzten Jahres, die viele Pferdehalter in arge Bedrängnis bringt? Für Manfred Gerken liegt die Ursache in erster Linie in der schlechten Ernte des Vorjahres. „Die Witterung war schlicht zu unbeständig, so dass vorrangig versucht wurde, wenigstens das Korn zu retten.“ Das oftmals zu nasse Stroh sei hingegen häufig als Bodendünger auf den Feldern gelassen worden.

Der momentane Boom von Biogasanlagen und die damit zusammenhängende vermeintliche „Vermaisung“ der Landschaft seien hingegen nicht die Ursache für das momentane Preishoch beim Thema Stroh. „Der Preis wird voraussichtlich in diesem Jahr wieder sinken. Der Winterfruchtanbau war im letzten Herbst sehr gut, so dass die Getreide- und somit auch Strohproduktion im nächsten Jahr wieder ihr normales Ausmaß erreichen wird“, ist Manfred Gerken zuversichtlich. Die momentane Krise also einzig die Folge der unbeständigen Witterung?

Eine Meinung, die nicht überall geteilt wird. Christian Meyer, Abgeordneter der Grünen im Niedersächsischen Landtag, widerspricht. Statt einer einmaligen Ausfallerscheinung erkennt er in den steigenden Strohpreisen vielmehr eine Entwicklung. „Die Getreideernte geht zurück, auch aufgrund einer Überförderung hinsichtlich von Biogasanlagen. Zudem gibt es auch beim Stroh selbst eine verstärkte Nutzungskonkurrenz.“ Denn nicht nur bei Pferden dient das ausgedroschene Korn als Einstreu, auch die boomende Massentierhaltung verlange viel Stroh. Zudem diene Stroh mittlerweile selbst der Energiegewinnung.

Heizen mit Stroh

So wird momentan im emsländischen Emlichheim das erste mit Stroh befeuerte Heizkraftwerk Deutschlands gebaut. Das energetische Potenzial gilt als weitgehend ungenutzt. Ein Quaderballen verfüge über eine Energiemenge von ca. 2000 Kilowattstunden, das entspräche 200 Litern Heizöl, rechnet man im Emsland.

Klarheit nötig

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Zudem: „Die energetische Nutzung des Reststoffes Stroh steht in keiner Konkurrenz zur Futter- oder Nahrungsmittelerzeugung“, heißt es auf der Webseite des Betreibers. Eine Aussage, die angesichts der Strohkrise Zweifel hinterlässt.

Dieses Jahr wird möglicherweise ein wenig mehr Klarheit bringen, ob auch um vermeintliche Reststoffe wie Stroh längst eine Nutzungskonkurrenz entbrannt ist. Verlierer gibt es heute schon. „Ich bekomme durchschnittlich zwei Anfragen am Tag, ob ich mich um weitere Tiere kümmern kann“, erklärt Bernhard Kutz. „Seit zwei Jahren ist die Lage katastrophal.“ Das Pferd als Verlierer. Dabei hatte es einst Oldenburg gerettet.

Martin Thaler Volontär / NWZ-Redaktion
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