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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Huder Firma stattet Ebola-Flieger aus

13.12.2014

Hamburg /Hude Von außen sieht das weiße Flugzeug aus, als würde es gleich zum nächsten Feriendomizil starten. , doch der Lufthansa-Airbus ist für ganz andere Zwecke startklar.

Und auch wer vorne einsteigt, erkennt davon zunächst nichts: Mehrere Sitzreihen, Business Seat an Business Seat, erinnern an das normale Innenleben eines Fliegers. Die komfortablen Sessel des A 340-300 sind jedoch nicht für Passagiere gedacht: Medizinische Teams, die den Ebola-Patienten im Extremfall beim Transport im hinteren Teil betreuen, sollen hier Platz nehmen können.

Im ehemaligen Economy-Bereich erinnert dagegen nichts mehr an ein Flugzeug. Dort wurde der „weiße Kranich“ komplett ausgehöhlt – und neu befüllt. Wo ehemals Tomatensaft an Fluggäste verteilt wurde, sind jetzt drei zeltartige Kabinen aufgebaut: eine sogenannte Isolationszelle sowie eine innere und eine äußere Schleuse, mit denen Ebola-Patienten trotz der hochinfektiösen Ansteckung sicher geflogen werden können. Der Patientenbereich ist bestückt wie ein Operationssaal: Beatmungsgerät, Überwachungsmonitor, Infusionspumpen.

Vor gut drei Wochen hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier einen umgebauten Lufthansa-Airbus als Ebola-Rettungsflugzeug in Betrieb genommen. Der A 340-300 hat an Bord eine „Sonder-Isolationseinheit“. Diese kann hermetisch abgeriegelt werden. Entworfen und eingebaut wurde diese innere Hülle des Fliegers von einer Firma aus Hude (Landkreis Oldenburg).

Mit ihrem Know-how in der Entwicklung und dem Vertrieb von Krankenhauseinrichtungen hatte sich die Nordwest Box GmbH & Co. KG beworben und den Zuschlag erhalten. Termingerecht, so Geschäftsführerin Agnes Bendig, sei die Isolationseinheit, die aus drei zeltartigen Kabinen besteht, geliefert und montiert worden. In dieser Woche fanden die letzten Feinarbeiten auf dem Flughafen Hamburg statt.

Die transparenten Zelte aus Aluminiumgerüsten, die Luftversorgung auf Unterdruckbasis mit autark durch Akkus betriebenen Gebläsen, die Versorgungscontainer mit Aluminiummodulen, Versorgungsboxen, Abfallsammelsysteme, Dekonwanne und ein riesiger Luftsack als Druckausgleich im Heck des Fliegers, ebenfalls eine Eigenentwicklung von Nordwest Box – die Huder Firma lieferte nach Maß die erforderliche Hülle und die Schränke für die Aufnahme der medizinischen Utensilien.

So können Ebola-Patienten mit hochinfektiöser Ansteckung sicher geflogen und während des Fluges auch behandelt werden. „Flugtransport hochkontagiöser Patienten“ lautet dazu der Fachbegriff.

„Raffinierte Auszugsysteme in den Schränken sorgen dafür, dass auch bei Turbulenzen nichts durch die Gegend fliegt“, berichtet Agnes Bendig. Und auch an die Sicherheit des Personals wurde gedacht. So haben die am Boden fest montierten Versorgungsboxen auch solide Haltegriffe, um sich bei kleinen Turbulenzen festhalten zu können..

Agnes Bendig ist die Frau für den Vertrieb in dem Unternehmen, das 2009 als Vertrieb für Kisten und Boxen aus Aluminium gestartet ist und sich mit pfiffigen Ideen schnell zum Systemlieferanten mauserte.

Nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Hilfsorganisationen und Militär werden aus dem Oldenburger Land mit dem notwendigen Equipment versorgt. Dass das so gut läuft, liegt auch an Betriebsleiter Wilfried Bendig. Agnes Bendigs Ehemann ist der „Tüftler“ und das „technische Genie“. Er gibt auch bei schwierigen Aufgabenstellungen nicht auf, sucht beharrlich nach Lösungsmöglichkeiten. Und das mit Erfolg. Sechs Patente hat die aufstrebende Firma bereits angemeldet.

„Wir haben auch die Luftfahrtzulassung für unsere Produkte“, sagt Agnes Bendig nicht ohne Stolz.

Große Herausforderung

Das Evakuierungsflugzeug trägt den Namen „Robert Koch“. An der Entwicklung sind die Bundesregierung, die Lufthansa und das Robert-Koch-Institut beteiligt. Das Flugzeug mit der Spezialausstattung wurde von der Bundesregierung zunächst für sechs Monate von der Lufthansa geleast. Andere Länder sollen bei Bedarf den Flieger auch ausleihen können, hieß es bei der offiziellen Indienstnahme in Berlin.

Für die Firma Nordwest Box, die Entwicklung und Vertrieb vor Ort im idyllischen Klosterort Hude erledigt und im Zuge eines Joint Ventures ihre Produkte in einer Firma in Osnabrück und mit weiteren Partnern (Benken, Oldenburg und DIN 21, Hude) bauen lässt, war die Beteiligung an der Ausstattung eine besondere Herausforderung. „Das gab es ja so noch nicht", sagte Geschäftsführerin Agnes Bendig.

Auch wenn der besondere Rettungsflieger nun bereitsteht – alle Beteiligten hoffen, dass er nie zum Einsatz kommen muss.